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25.07.2019 - 18:39 Uhr

Fotografien beflügeln Fantasie


Das Foto «Krokodiljagd» von Émile Béchard entstand um 1875 in Ägypten. Die Szene ist gestellt, sie zeigt einen fiktiven Kampf von Männern mit einem ausgestopften Krokodil. Foto: Museum Rietberg, Zürich

Eine visuelle Reise in die Vergangenheit: Mit einer neuen Ausstellung wirft das Museum Rietberg einen Blick auf das Ägypten des 19. Jahrhunderts.

Der Orient ist der erste Kulturraum, mit dem Europa im 19. Jahrhundert konfrontiert wird. Die Sehnsucht nach Exotik und Spiritualität ruft Männer auf den Plan, die davon Abbilder liefern konnten. Bereits 1831 lösen die ersten Amateuraufnahmen aus dem Orient eine Welle der Begeisterung aus und beflügeln die Fantasie.

Der in Istanbul geborene Pascal Sebah und die Brüder Henri und Émile Béchard aus Frankreich gehören zu einer Gruppe Pionierfotografen, die sich auf den Weg nach Ägypten machen, um aus dieser Forderung Kapital zu schlagen. Diese von Europäern für Europäer angefertigten Fotografien zeigen sowohl Architektur als auch Alltagsszenen und Porträts im orientalischen Stil. Die Ausstellung «Traumbild Ägypten. Frühe Fotografien von Pascal Sebah und Émile Béchard» im Museum Rietberg widmet sich diesen Werken aus den Jahren 1870 bis 1880.

Teure Touristensouvenirs
Kaum ein Bildmedium kann so aufklärend wirken wie manipulierte Aufnahmen. Fotografen passen sich mit der Wahl ihrer Motive den Erwartungen ihres Publikums an. Der Berufsfotograf Pascal Sebah produziert in Kairo vor allem Aufnahmen für den Tourismus. Dabei verzichtet er auf aufwendigen Hintergrund. Er lässt Männer und Frauen vor einer schmucklosen Wand posieren. Durch spezifische Kleidung und Gegenstände, die sie in den Händen halten, verwandeln sich die Fotomodelle zu Vertretern unterschiedlichster Berufe. Die «Schauspieler» stellen sich gestensicher mit theatralischem Blick der Kamera. Beim genauen Betrachten der Bilder entdeckt man immer wieder dieselbe Kulisse und dieselben Statisten, die zu Tausenden die Traumwelt Ägyptens nach Europa bringen. Ein beliebtes Bildthema bei Béchard als auch Sebah sind Krokodiljäger am Nil. In einer in der Ausstellung gezeigten Aufnahme erkennt man überrascht, dass es sich bei der entspannten Haltung der Männer und dem aus dem Wasser ragenden Vorderfuss des Krokodils um den fiktiven Kampf mit einem ausgestopften Krokodil handelt.

Faszinierend ist die Aufnahme der Häuser mit den vielen Erkern im menschenleeren Tulun-Quartier von Kairo. In islamischen Ländern ist der Erker ein häufig anzutreffender Bauteil. Er bietet Frauen, unverschleiert und an einem gut belüfteten Sitzplatz, die Möglichkeit, das Strassenleben zu beobachten. Vielleicht wohnt die tief verschleierte «Arabische Frau beim Festakt» dort in der Strasse. Hingegen wäre es unmöglich gewesen, eine unverschleierte Frau abzulichten. Die Fotografen haben deshalb auf Prostituierte oder Europäerinnen zurückgegriffen und manchmal auch auf als Frauen verkleidete Männer.

Die Ibn-Tulun-Moschee ist die flächengrösste Moschee Kairos und gilt als älteste in ihrer ursprünglichen Form erhaltene Moschee der Stadt. Eine Fotografie zeigt ihren Innenhof. Ein Teil des James-Bond-Filmes «Der Spion, der mich liebte» wurde an der Ibn-Tulun-Moschee gedreht.

Die Reisen von anno dazumals mögen uns heute nicht mehr spektakulär erscheinen. Wenn man aber bedenkt, unter welchen Bedingungen, und mit welchen Mitteln damals gearbeitet wurde, erscheinen die Ergebnisse in einem anderen Licht. Ein Fotograf, der die Stadt verlässt, um Aufnahmen zu machen, begibt sich geradezu auf eine Expedition. Bis zu 1000 Kilogramm ist eine Ausrüstung schwer: die riesige Kamera, die vielen Chemikalien und Platten, ein Spezialzelt als Dunkelkammer.

Spiegel des abendländlichen Blicks
Nanina Guyer, Kuratorin für Fotografie am Museum Rietberg, gibt mit 60 Originalabzügen aus der Asiensammlung den Startschuss für eine verstärkte Präsenz der Fotosammlung und ihrer Erforschung.
Die in drei Räumen der Park-Villa Rieter gezeigten Fotografien sind ein Spiegel des damaligen abendländischen Blicks auf das Wesen eines alten Kulturvolkes. (Elke Baumann)

Dauer der Ausstellung bis 20. Oktober. Weitere Informationen: www.rietberg.ch

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