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14.08.2019 - 11:00 Uhr

"Bauern wurde bewusst, dass die Situation ernst ist"


Die Trockenheit machte letztes Jahr den Landwirten zu schaffen. (Foto: lid.)

Der trockene Sommer 2018 sitzt den Schweizer Landwirten tief in den Knochen. Auch dieses Jahr lassen Wetterkapriolen die Landwirte spüren, dass sie sich dem extremen Wetter aufgrund des Klimawandels anpassen müssen. Sie rüsten deshalb auf und bearbeiten den Boden anders, bauen neue Getreidesorten an und machen Anpassungen am Feldkalender sowie Tierbestand.

Markus Ritter, Präsident des Schweizer Bauernverbandes, sprach vergangene Woche in Moosseedorf von einem Schlüsseljahr 2018: "Vielen Bauern wurde bewusst, dass die Situation ernst ist". Die Problematik um den Klimawandel und die Betroffenheit des Landwirtschaftssektors waren zwar bis dahin präsent in den Köpfen, sind aber spätestens dann auf der Ebene der Betriebe angekommen.

Die Bauernfamilien spüren die Veränderung und passen ihre Produktion an. Gleichzeitig müssten sie ihren Beitrag bei der Emission von klimarelevanten Gasen leisten, gibt Markus Ritter zu Bedenken. Das müsse aber zügig vorangehen, denn "die Geschwindigkeit der Folgen des Klimawandels macht uns Sorgen. Wenn es so schnell weitergeht wie in den letzten 20 Jahren, dann ist es höchste Zeit, dass wir jetzt handeln", so Ritter.

"Heute warten wir auf den Regen"
Dem stimmte auch Gastgeber Ruedi Bigler zu, der auf seinem Hof knapp 40 Medienvertreter begrüsste. Am meisten schmerze es den Landwirten, wenn er sein Vieh nicht mehr füttern könne. "In einer Trockenperiode wie letztes Jahr haben alle Landwirte dasselbe Problem - Futter zukaufen ist da kaum möglich", erklärt er und fügt an, "früher warteten wir Landwirte darauf, ein Schönwetterfenster zu erwischen damit wir Heuen können. Heute warten wir auf den Regen!".

Landwirtschaft als Verursacher
Die Landwirtschaft ist in der Schweiz für 13% der Treibhausgas-Emissionen verantwortlich. Dabei fällt insbesondere die Nutztierhaltung schwer ins Gewicht, sie macht rund die Hälfte der CO2-Äquivalenzen aus, die in der gesamten Landwirtschaft anfallen.

Ganz vermeiden lasse sich das nicht, betont Markus Ritter. "Wir werden den Kühen ihre natürliche Flatulenz nicht austreiben können." Dem Klima sei es egal, ob im In-, oder Ausland gefurzt werde. Ohne Veränderung der Konsumgewohnheiten seien grössere Reduktionen im Bereich der Milch- und Fleischproduktion unsinnig. Für die Messung der Reduktion von Emissionen im Rahmen von heute möglichen Massnahmen wie Biogasanlagen oder Nitrifikationshemmenden Düngerzusätzen sei man auf Forschung angewiesen. (Text: Melina Gerhard/Foto: lid.)

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Das leistet die Forschung

Einerseits muss sich die Landwirtschaft also an den Klimawandel anpassen, andererseits muss sie versuchen, bei der Emissionsverminderung im Bereich Technik und Innovation neue, wirksame Wege zu finden und zu fördern. Daniel Bretscher von der Forschungsgruppe Klima und Landwirtschaft der Forschungsanstalt Agroscope stellte vor, was die Forschung betreibt, um die Auswirkungen des Klimawandels zu entschärfen:

Forschungen zu invasiven Schädlingen: heisses Klima wird die Verbreitung der marmorierten Baumwanze und des Apfelwicklers begünstigen, zwei Schädlinge die im Obstbau grosse Schäden anrichten können.

Studien zu Wasserverteilung: Eine Studie im Broye-Einzugsgebiet hat gezeigt, dass nur eine ausgeglichene Bewirtschaftung dafür sorgen kann, die Ernte hoch zu halten und trotzdem keine Wasserverluste beklagen zu müssen.

Controlled Traffic Farming: Landmaschinen sollen auf dem Feld stets dieselben Fahrgassen nutzen, sodass nur an wenigen Stellen Bodenverdichtungen auftreten. Ein verdichteter Boden hat einen gestörten Wasserhaushalt und reagiert anfälliger auf Starkniederschläge.

Veränderter Schnittzeitpunkt von intensiv genutzten Wiesen: früherer Zeitpunkt des ersten Schnitts, kein Schnitt unter trockenen und heissen Bedingungen im Juli und August. Das sorgt für bessere Erträge bei der Raufutterproduktion. (lid.)

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