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21.08.2019 - 18:23 Uhr

VBZ müssen auf alte Hasen setzen


Nur dank dem engagierten Einsatz von Senioren ist der VBZ-Tram- und Busbetrieb noch möglich. Bei den Trams hat es in den Stosszeiten zudem kein einziges Ersatzfahrzeug. 

Nur dank dem engagierten Einsatz von Senioren ist der VBZ-Tram- und Busbetrieb überhaupt möglich. Bei den Trams hat es in den Stosszeiten zudem kein einziges Ersatzfahrzeug. Taktausdünnungen scheinen nötig, weil die Verlängerung des 2er-Trams nach Schlieren mehr Fahrzeuge braucht.

Die VBZ fahren auf dem letzten Zacken. Die Medienstelle bestätigt, dass es in Spitzenzeiten bei den 230 verkehrenden Fahrzeugen keine Reservetrams gibt. Fällt ein Tram wegen eines Defekts oder Unfalls aus, sind Kursausfälle, sogenannte Taktausdünnungen die Regel. «Sollte sich aus betrieblichen oder technischen Gründen eine verschärfte Situation einstellen, müsste auch auf eine solche Massnahme zurückgegriffen werden», heisst es auf Anfrage.

Wenn am Montag, 2. September, um 5 Uhr 02 der erste Kurs des 2er-Trams vom Farbhof Richtung Schlieren kurvt, darf also überhaupt nichts passieren. Zudem müssen die VBZ auf aUralt-Wagenmaterial ohne behindertengerechten Einstieg zurückgreifen. Zwei rund 50 Jahre alte Tramzüge kommen bei den Linien 8 und 17 zum Einsatz.

Angebot aus Basel ausgeschlagen
Wäre es nicht sinnvoll gewesen, 2010 weniger Mirage-Trams in die Ukraine zu geben oder zu verschrotten? So hätte man jetzt doch mehr Alternativen. «Zu diesem Schluss könnte man kommen», heisst es von den VBZ. Zum Zeitpunkt, als die Mirage-Trams nach Vinnitsa überführt wurden, sei nicht absehbar gewesen, dass die VBZ im Jahr 2019 aufgrund der Verzögerung bei der Trambeschaffung zusätzliche Fahrzeuge brauchen könnten.

Erstaunlich ist, dass die VBZ zur Problementschärfung von einem Basler Überbrückungsangebot nichts wissen wollen. Denn die Baselland Transport AG (BLT) wäre nach wie vor bereit, den VBZ zwei bis vier Teilniederflurfahrzeuge zur Verfügung zu stellen, in Miete oder zum Kauf. «Eine Analyse hat ergeben, dass sich der Kauf von auswärtigen Trams technisch und wirtschaftlich nicht rechtfertigen lässt», winken die VBZ ab. Zudem überwiege der Vorteil, «unsere eigenen Fahrzeuge, wie die Mirage, einzusetzen, da diese bereits im Zürcher Netz verkehren». Dumm nur, wenn es zu wenige einigermassen moderne Fahrzeuge hat. «Es sind keine Reservetrams abrufbar», müssen die VBZ zugeben.

32 «Pensionierte» am Steuer
Ein anderes, ebenso gravierendes Problem betrifft die Personalknappheit. Weil es den VBZ an Fahrpersonal fehlt, sind momentan 12 Trampiloten im Einsatz, die über 66 Jahre alt sind. Beim Busbetrieb sind es gar 20 Fahrerinnen und Fahrer. Die Legitimation ergibt sich aus dem Stadtratsbeschluss «66plus». Der 2016 gestartete Pilotversuch wurde im Herbst 2018 um weitere drei Jahre verlängert.

Dabei war die Fluktuationsrate beim Fahrpersonal 2018 laut Geschäftsbericht doppelt so hoch wie 2015. Hochgerechnet macht dies mindestens drei Dutzend Abgänge. Die VBZ wollen auf Anfrage keine konkreten Angaben zur Anzahl Kündigungen machen. Gemäss Insider-Informationen ist das Fahrpersonal enorm gefordert und oft betteln die VBZ um Extraschichten.

Casting mit Erfolgsquotient null
Ein Flop – zumindest für die Rekrutierung – war das gross angekündigte Pilotencasting am Goldbrunnenplatz. Dort wurde extra ein Fahrsimulator aufgebaut, um neues VBZ-Personal zu werben. «Leider konnten wir aus der zeitlich befristeten Aktion keine passenden Kandidaten gewinnen», müssen die VBZ nun einräumen. Es könne aber gut sein, dass sich die Gesprächspartner «erst zu einem späteren Jahr mit einer konkreten Bewerbung bei uns melden», heisst es optimistisch. Ein ähnliches Casting sei nicht geplant. «Die Job Box mit dem Casting am Goldbrunnenplatz war eine einmalige Aktion.» Im Moment laufe die Werbung auf den Bussen, mit der die VBZ nach Trampiloten suchen. Aufgegeben hat man zudem die Personalwerbung in Deutschland. Jene Kampagne hatte vor gut zehn Jahren zwar einige Werbepreise und viel Aufmerksamkeit in den Fachmedien erzielt. Doch nachhaltig positive Auswirkungen auf den Personalbestand hatte das Auslandengagement nicht.

Nun können die VBZ nur hoffen, dass alle Trams ordentlich funktionieren und die schwere Unfallserie mit kaputten Trams (Hubertus, Bahnhof Enge, Engrosmarkt) nicht weitergeht. Ein Ende des Fahrzeugengpasses ist erst ab 2020 zu erwarten, wenn die ersten Flexity-Trams fahrbereit sind.

So oder so muss das Personal weiterhin bereit sein, Überstunden zu leisten oder gar über die ordentliche Pensionierung hinaus bis 69 zu arbeiten. (Lorenz Steinmann / Foto: Comet/ETH Zürich)

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