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22.01.2020 - 09:09 Uhr

Durchgehender Seepark stösst auf Interesse


Die Vision der IG Seepärke für eine durchgehende Parkanlage vom General-Guisan-Quai bis zur Roten Fabrik findet in Wollishofen und in der Enge Anklang. Doch bezüglich Verkehr und Parkplatzabbau stösst sie auf Skepsis.

Das linke Seeufer, im Volksmund auch «Pfnüselküste» genannt, soll aufgewertet werden. Zu diesem Zweck wurde die private Interessengemeinschaft IG Seepärke gegründet, deren Initiant und Präsident der Unternehmer Urs Ledermann ist. An der IG sind prominente Zürcherinnen und Zürcher beteiligt wie Nationalrätin Doris Fiala (FDP) und Architekt Walter Wäschle. Die IG präsentierte kürzlich ihre Visionen, will jedoch nur die Ideen dazu liefern; mit der Ausführung und Finanzierung sollen sich die Bevölkerung und die Politik befassen. Die Idee dahinter ist, eine durchgehende Parkanlage vom General-Guisan-Quai bis zur Roten Fabrik zu schaffen. Wichtigste Voraussetzung ist die Verlegung des motorisierten Verkehrs weg von der Kantonsstrasse Mythenquai, also weg vom See. Nur so könne ein grosser, zusammenhängender Park realisiert werden.

Ausschlaggebend für die Entstehung des Plans war die sanierungsbedürftige Sukkulenten-Sammlung, deren Förderverein ebenfalls Urs Ledermann leitet. Es soll ein 120 000 Quadratmeter grosser Erholungsraum entstehen. Ein Neubau der Voliere und ein Papiliorama (Schmetterlingshaus) könnten ebenfalls einbezogen werden. Vorgesehen sind weiter ein Platz für Kunstschaffende für Skulpturen-Ausstellungen, ein Freilicht-Musikpavillon sowie ein Seerestaurant beim Bürkliplatz. Und eine Fussgängerbrücke neben der Quaibrücke, die die beiden Seeseiten verbinden soll.

Ideen und Visionen für eine Neugestaltung des Seebeckens gab es in der Vergangenheit schon viele. Einige wurden auch verwirklicht. Arnold Bürklis Pläne sind die wichtigsten. Er gründete 1890 die Belvoir-Park-Gesellschaft zur Rettung des Parks. Berühmt wurde er jedoch mit seiner Pionierleistung als leitender Ingenieur der Quaibaukommission, die zwischen 1882 und 1887 die durchgehende Uferpromenade mit Alleen, Wiesen und Parks realisierte. Visionen hatte 1956 auch der Architekt Werner Müller, von der Bevölkerung etwas spöttisch «Seepark-Müller» genannt. Er wollte eine gewaltige Aufschüttung des Sees vom Bellevue bis zum Hafen Enge und vieles mehr. Doch er wurde nur belächelt, gebaut wurde nichts.

Wertvoll als Denkanstoss

Die Stadt Zürich will zur Vision eines durchgehenden Seeparks keine Stellungnahme abgeben. Beim Hochbauamt erklärte Mediensprecherin Nina Berner, dass man sich erst zu einem realen Konzept äussern werde.

Dem Quartierverein Wollishofen hatte Urs Ledermann das Projekt kürzlich vorgestellt und es mit den Mitgliedern des Vorstands diskutiert. Man sei der Meinung, dass die Pläne interessante Aspekte beinhalten und als Denkanstoss sehr wertvoll seien, so Präsident Martin Bürki. Doch die Strasse aufzuheben und den Verkehr durch die Quartiere zu leiten, sei unzumutbar. Anstatt den ganzen Verkehr ums Seebecken – wie vorgeschlagen – oberirdisch zu verlegen, könnte ein Tunnel vom Strandbad Mythenquai bis zum Hafen Enge mit einer Abzweigung nach der Alfred-Escher-Strasse gebaut werden. Dies kann man sich im Quartierverein theoretisch vorstellen. Doch auch hier gäbe es einen Vorbehalt: Es handle sich um Aufschüttungsland. Doch seien dies interessante Gedankenspiele und sie könnten entsprechende Lösungen hervorbringen.

Bürkis private Meinung: «Damals, als Arnold Bürkli das berühmte Projekt verwirklichte, hatte er ein ganzes Jahresbudget zur Verfügung. Wenn ich heute einen Vorschlag vorbrächte, der ein ganzes Jahresbudget verschlänge, würde man mich einweisen lassen.» Jedoch hätten solche Projekte Zürich zu einer kleinen Weltstadt gemacht. «Leute mit zukunftsträchtigen Ideen sind mir sympathischer als jene, die immer alles ablehnen», so der FDP-Gemeinderat und Quartiervereinspräsident.

Ähnlich tönt es in der Enge: «Dies sind schöne Pläne, doch sollten sie nicht absolutistisch umgesetzt werden», meint Markus Gumpfer, Präsident des Quartiervereins Enge. «Es soll auf Bestehendes wie die Ruderclubs Rücksicht genommen werden.» Die Verkehrsfragen beantwortete Gumpfer so: «Den Carparkplatz und die Parkplätze vom Strandbad unter Tag zu verlegen und eine erweiterte Grünfläche zu erhalten, wäre eine Aufwertung von Quartier und Seepromenade. Die Zahl der Parkplätze zu verringern, wäre jedoch ein Rückschritt.» Bereits heute würden Anwohner wie beispielsweise Ärzte, monieren, dass es an Parkplätzen mangle und dadurch mehr Suchverkehr, sprich Lärm und CO2-Ausstoss, entstehe. «Zudem kann eine Privatperson wegen des Grundwasserspiegels keine eigene Garage bauen und ist auf die blaue Zone angewiesen. Auch die Hafenanlage hat durchaus ihren Charme und könnte weiterhin integriert bleiben.»

«Einfach richtig sexy»

FDP-Nationalrätin Doris Fiala, die in der Enge wohnt, erklärt die Motivation für ihre Beteiligung an der IG so: «Das Projekt wird für Zürich eine grosse Aufwertung und für unsere Bewohner ein äusserst attraktives Erholungsgebiet am Seebecken darstellen. Zu Neudeutsch dürfte das für uns alle und für Zürich einfach richtig sexy werden.»

Eines der geplanten Projekte ist eine zusätzliche Brücke nur für Fussgänger. Zum Hinweis, auf der bestehenden Brücke gebe es bereits Platz für Fussgänger und Velofahrende, entgegnete Doris Fiala: «Ich vertraue da ganz auf die Kreativität von Architekten und Stadtplanern. Die Fussgänger werden es zweifellos lieben, nicht auf der Quaibrücke bummeln zu müssen.»

«Ich freue mich sehr, dass die Sukkulenten-Sammlung zu Visionen anregt», so Gabriela S. Wyss, Direktorin der Sukkulenten-Sammlung, in einer persönlichen Stellungnahme. Auf die Frage zur Sanierung der Sukkulenten-Sammlung meint sie im Namen von Grün Stadt Zürich: «Mängel, die durch den betrieblichen Alltag entstehen, beheben wir durch den laufenden Unterhalt. Die Gebäudesubstanz ist jedoch sanierungsbedürftig.» Zudem erfreue sich die Sammlung eines stark wachsenden Publikumserfolgs. «Wie wir mit dem Gebäude, den heutigen Ansprüchen an eine solche Sammlung und den betrieblichen Abläufen künftig am besten umgehen, dafür erstellen wir zurzeit eine Machbarkeitsstudie. Von einem konkreten Projekt, das wir Stadt- und Gemeinderat präsentieren könnten, sind wir weit entfernt. Die Machbarkeitsstudie geschieht unabhängig von der IG Seepärke.» (Jeannette Gerber, Foto: mai.)

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