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14.02.2020 - 18:42 Uhr

Der Verleger, der den Nazis trotzte


Die Buchhandlung Dr. Oprecht schloss im Januar 2003 ihre Türen. Foto: zvg.

Eine neue Biografie zeichnet die Lebensgeschichte des Zürcher Verlegers und Buchhändlers Emil Oprecht nach, der sich im Zweiten Weltkrieg gegen die Nationalsozialisten engagierte.

Er ist heute einer der grossen bekannten Unbekannten der Stadtzürcher Geschichte. Noch bis 2003 prangte sein Name über dem Ladenlokal der Buchhandlung gleich gegenüber der Kronenhalle an der Rämistrasse 5. Emil Oprecht (1895–1952): Verleger, Buchhändler, Unternehmer, aber auch Sozialist, Fluchthelfer, Menschenfreund.
Internationale Schlagzeilen machten Oprecht und seine Frau Emmie erstmals 1933, als sie im Schaufenster ihrer Buchhandlung einen Scheiterhaufen nachbauten mit Werken, die unter dem nationalsozialistischen Regime in Deutschland verbrannt worden worden waren.


Kein Ideologe, aber ein Idealist
Doch Oprecht war nicht nur ein Aufmüpfiger, er war in erster Linie ein Mensch der Tat, ein Jungsozialist seit den 1920er-Jahren, ein Verleger verfolgter Autoren und zusammen mit seinem Bruder, SP-Nationalrat Hans Oprecht, eine der führenden Persönlichkeiten der antifaschistischen Bewegung in der Schweiz.
Emmie und Emil Oprecht verhalfen zahlreichen verfolgten Bekannten und Kunstschaffenden zur Flucht aus Deutschland, gewährten ihnen Zuflucht in ihrem Haus am Hirschengraben und verhalfen ihnen zu neuen Papieren. Nicht nur in Zürich – Hilfe, Geld und Visen beschafften sie auch denen, die auf ihrer Flucht in Frankreich oder Spanien gestrandet waren.
Der Biograf, Historiker und Philosoph Dr. Christoph Dejung rühmt an der Buchvernissage im Pfauen vor einigen Tagen auch Oprechts Verhandlungsgeschick, das es ihm ermöglichte, das Schauspielhaus Zürich 1938 vor einem Zugriff durch die Nationalsozialisten zu bewahren. «Er hatte die Fähigkeit, scheinbar das zu tun, was verlangt war, und dann etwas Gutes damit zu erreichen.»
Die abenteuerliche Geschichte des philantropischen Ehepaares, das die Zeichen der Zeit erkannte und sich in Zeiten des Krieges gegen eine Gewaltdidaktur auflehnte, spiegelt ein spannendes Stück Zürcher Kulturgeschichte. Dejung reichert es mit zahlreichen ergänzenden Kurzbiografien zu Zeitgenossen und mit anekdotischen Einschüben an, sodass auch Leser, denen der eine oder andere Name aus der Zeit nichts sagt, sich gut darin zurechtfinden.
Vor eine Herausforderung stellte den Autor hingegen sein Protagonist Emil Oprecht selber. Während sein öffentliches Engagement einigermassen gut dokumentiert ist, war er als Privatmensch zeitlebens auf Diskretion bedacht. Das mag auch darauf zurückzuführen sein, dass seine Frau und er eigentlich homosexuell waren.
Auch über seine Jugendzeit gibt es nicht viel zu berichten. «Zum einen ist Oprecht viel zu früh gestorben und hatte keine Kinder, und zum anderen hat ihn das auch nicht so interessiert» sagt Dejung. «Ich habe verzweifelt nach einem Bild von ihm als junger ‹Wandervogel› gesucht, aber leider keines gefunden. Solche Dinge hätten das Buch noch etwas persönlicher gemacht.» Alexander Vitolic

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