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02.02.2018 - 07:30 Uhr

«Ein Drittel Frauen ist nicht genug»


Warum hat es so wenig Frauen in der Politik? Karin Rykart, Doris Fiala und Sarah Bütikofer (v.l.) diskutierten. Foto: pm.

Im Gemeinderat der Stadt Zürich sind nur knapp ein Drittel Frauen. Über die Gründe wird spekuliert: Keine Lust, Dreifachbelastung mit Familie, Beruf und Politik oder zu kompetitives Umfeld?

In der Stadt Zürich sind 50,2 Prozent der Bevölkerung Frauen. Demgegenüber politisieren aktuell 33 Frauen im Gemeinderat, was einem Prozentsatz von 26,4 Prozent entspricht. Ausserdem ist eine sinkende Tendenz erkennbar. Über die Gründe und mögliche Massnahmen sprachen Sarah Bütikofer (Politwissenschaftlerin), Nationalrätin Doris Fiala und Gemeinderätin und Stadtratskandidatin Karin Rykart auf Einladung der Frauenzentrale Zürich.

Keine Diskriminierung, aber ...
Bütikofer wies darauf hin, dass gemäss Untersuchungen Frauen gewählt werden, wenn sie auf einer Wahlliste sind. «Sie haben gleiche Chancen wie Männer.» Deshalb müssen ihrer Meinung nach vorher Massnahmen ergriffen werden, das heisst bevor sich Frauen auf eine Wahlliste setzen lassen. «Man muss früher anfangen, Frauen zu ermuntern, in die Politik einzusteigen», betonte Bütikofer.
Rykart meinte ebenfalls, dass viele Frauen keine Lust auf einen Listenplatz hätten, und wenn das doch der Fall sei, dann seien sie lieber weiter hinten. «Es fehlen die Vorbilder», bemerkte sie. Auch seien häufig falsche Vorstellungen vorhanden. «Ich persönlich finde die Arbeit im Gemeinderat spannend, denn dort kann man etwas bewegen.» Die Grünen hätten übrigens eine Zebraliste, das heisst eine Frau, ein Mann, eine Frau und so weiter, was die Wahl einer Frau fördere.

Fiala bestätigte, dass Frauen nicht diskriminiert würden. Allgemein sei es aber schwierig für Frauen, drei Tätigkeiten, das heisst berufliche Karriere, Familie und Politik unter einen Hut zu bringen. Man müsse deshalb die Frauen ermuntern beziehungsweise fördern. «Wenn Frauen sich entscheiden müssen zwischen Familie, Beruf und Politik, dann fällt die Entscheidung häufig gegen die Politik aus», hielt Bütikofer fest. Fiala selber hat kein Problem im Nationalrat. «Frauen und Männer kommunizieren sachlich auf Augenhöhe.»
Als weiterer Grund, dass es wenig Frauen im Parlament hat, wurde angegeben, dass bei Frauen genauer hingeschaut wird. «Das macht wenig Spass», meinte Bütikofer.

Hoch kompetitives Umfeld
Sie wies zudem darauf hin, dass Politik ein hoch kompetitives Umfeld sei. Der Wettbewerb unter den Politikern sei gross. Man dürfe sich nicht zurückhalten. Und: «Die Luft wird oben dünner und männergeprägter.» Zudem herrsche im Gemeinderat eine Machokultur.

Fiala erlebt es anders. «Für alle pfeift ein harter Wind in der Politik.» Der Beruf sei wichtig, denn dort könne man lernen, die Ellbogen zu nutzen. «Ich führe gerne Streitgespräche.» Sie wies weiter darauf hin, dass es auch Wettbewerbe unter Frauen gibt. «Allgemein muss man aber die Kommentare anderer Personen aushalten und eine dicke Haut haben», betonte sie. Gut seien Frauen dran, die Unterstützung vom Ehemann erhielten. Ebenfalls wichtig sei, wie jemand zu Hause aufwächst. Das Aussehen einer Frau ist offensichtlich kein Thema. Eine spezielle Rolle spielen aber gemäss den Anwesenden die Medien, vor allem die Social Media, die nicht nachlassen würden, jemanden zu bearbeiten.

Keine Quote
Rykart, Fiala und Bütikofer meinten, dass eine Frauenquote nicht das richtige Instrument sei, um den Anteil Frauen im Parlament zu erhöhen.
Abschliessend wies Andrea Gisler von der Frauenzentrale darauf hin, dass bei den kommenden Wahlen spezifisch Frauen gewählt werden sollten unabhängig von der Partei. So habe man eine Chance, mehr Frauen ins Parlament zu bringen.

Wahlkampfaktion
Mit parteiübergreifenden Wahlkampfaktionen wollen Gemeinderätinnen der SP, Grünen, AL und GLP den Frauenanteil im Gemeinderat erhöhen. «Frauen sollen sichtbarer werden in der Zürcher Politik», wird festgehalten. «Deshalb machen Gemeinderätinnen dieser Parteien einen gemeinsamen Frauenwahlkampf mit der schlichten und klaren Forderung: «Mehr Frauen in den Gemeinderat.» Der Auftakt fand am 26. Januar im Volkshaus statt. Die Sensibilisierung soll über die Wahlen vom März hinaus bestehen. Deshalb wurde am 15. Dezember 2017 eine IG Frauen im Gemeinderat gegründet – zur besseren Vernetzung und zum parteiunabhängigen Austausch zwischen interessierten Gemeinderätinnen. (pm.)

Frauen und Politik
Andrea Gisler von der Frauenzentrale Zürich fasste die heutige Situation zum Thema Frauen und Politik zusammen: «Seit der Einführung des Frauenstimmrechts im Jahr 1971 wurden sieben Frauen in den Bundesrat gewählt. Im Nationalrat betrug der Frauenanteil 2015 32 Prozent. Im Ständerat hatte es im gleichen Jahr 15 Prozent Frauen. Fünf Kantone haben noch nie eine Frau in den Ständerat geschickt. Im Zürcher Kantonsrat war der Frauenanteil noch nie höher als ein Drittel. Bei rot/grünen Parteien ist der Anteil überdurchschnittlich, EDU/SVP haben 20 Prozent Frauen. Im Gemeinderat waren es 1994 33,6 Prozent, und 2014 26 Prozent.

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