Den neuen Fall für Köbi Robert schrieb Stephan Pörtner im Seefeld
Stephan Pörtner präsentiert mit seinem neuesten Werk den fünften Streich seiner Zürcher Krimireihe. Erstmals reicht die Geschichte bis in die 70er Jahre zurück.
Nicole Isele
Viele kennen ihn bereits – Köbi Robert, der Privatdetektiv wider Willen. In «Stirb, schöner Engel» hat er gleich zwei brutale Morde aufzulösen. «Obwohl sich die Figuren in jedem Buch weiterentwickeln, ist es nicht nötig, alle vier Krimis gelesen zu haben, um den aktuellen zu verstehen», erklärt Köbis Erfinder Stephan Pörtner. Der Seefelder und freie Autor ist mittlerweile zu einer festen Grösse im Schweizer Krimigenre geworden. Bevorzugter Schauplatz der zu lösenden Fälle ist überwiegend Zürich, denn Pörtner kennt die Stadt wie seine Westentasche: Hier wird er am 24. November 1965 geboren. Seine Jugend verlebt er in Riesbach. 1980 verlässt er die Schule und Elternhaus und engagiert sich als Teil der Jugendbewegung für den Punkrock und die Politik. Schliesslich gründet er einen Lebensmittelladen im Kreis 4 und baut den Getränkehandel «Intercomestibles» auf, den er bis 1996 leitet.
Mord im Doppelpack
Seine anschliessende Ausbildung an der Dolmetscherschule weckt seine Affinität zur Sprache und so 1998 kommt sein erstes Buch heraus. Es ist die Geburtstunde von Privatdetektiv Köbi. Damit wurde das Genre Langstrassenkrimi, wenn nicht geboren, so doch wiederbelebt. Mit Erfolg: Pörtner wird mit der «Ehrengabe des Kanton Zürich Literatur 2000» ausgezeichnet und ein Jahr später für den «Glauser Kurzkrimipreis» nominiert. Es ist der 9. Dezember im Jahre 1973. «Stirb, schöner Engel» beginnt ausgerechnet an dem Tag, an dem die Schweiz still zu stehen scheint. Der autofreie Sonntag im Zeichen der Ölkrise bringt eine Ruhe übers Land, die schon früh am Morgen jäh gestört werden soll: In einem Nobelkurort in Graubünden wird die Leiche einer jungen Frau gefunden. Gion Kundert, einheimischer Polizeigefreiter, muss ohnmächtig zusehen, wie der Mörder sich im Filz von Geld, Macht und Politik dem Zugriff der Gerechtigkeit entzieht. Dreissig Jahre später wird erneut eine junge Frau auf brutalste Weise ermordet. Und wieder verlaufen die Ermittlungen im Sand. Köbi Robert, der den Ermittlerberuf an den Nagel gehängt hatte, trifft mit Mia eine frühere Liebschaft – übrigens in der Migros am Toblerplatz. Eine schicksalhafte Begegnung, wie sich herausstellen wird, die Köbi Robert Probleme einbringt, die weit in die Geschichte zurückreichen… Und wie viel Pörtner steckt nun in Köbi Robert? «Je länger man schreibt, desto weniger kann man aus dem eigenen Leben schöpfen, da man ständig schreibt», erklärt Pörtner. Allerdings seien durchaus Parallelen vorhanden. Köbi lebte etwa in den vorigen Romanen im Kreis 4, wo auch Pörtner viele Jahre zuhause war.
Die ganze Familie schreibt
Das Schreiben haben die Pörtners im Blut. Der Vater war Schriftsteller, die Mutter arbeitet als Fachautorin und Stephan Pörtners Schwester ist die Schriftstellerin Milena Moser. Das Verhältnis zu ihr beschreibt er als sehr gut, aber der Kontakt sei nicht eng. «Neulich waren wir beide per Zufall in San Francisco und natürlich haben wir uns getroffen. Und sie war auch an meiner Buchpremiere in Zürich», so Pörtner Der gegenseitige Austausch über das aktuelle Schaffen sei früher allerdings mehr gewesen. «Als ich angefangen habe, ist Milena oft eine der ersten gewesen, die meine Bücher gelesen hat. Mit der zunehmenden Professionalisierung ist das weniger geworden.» Dennoch wisse der eine immer, woran der andere gerade arbeite. Während Milena Moser überwiegend Romane schreibt, hegt Pörtner ein Faible für Krimis. «Das Krimigenre hat Vor- und Nachteile. Einerseits ist man sehr festgelegt, da man mit dem Krimi, das Versprechen gibt, am Schluss alle Karten auf den Tisch zu legen.» Die Schwierigkeit bestehe nicht darin, die Handlung aufzubauen und zu komplizieren, sondern diese sorgfältig aufzulösen. Und es ist gerade seine Ader für brillante Auflösungen, welche die unverwechselbare Handschrift Pörtners ausmacht.
Lesung «Stirb, schöner Engel»: Sa, 20. April, 20 Uhr, Buchhandlung Hirslanden Freiestrasse 221, 8032 Zürich. Weitere Infos: www.stpoertner.ch.
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