Kinderbuchdrache rettet vor dem Lawinentod

Anna Tamà und Beatrix Bernegger haben zusammengespannt. Ihr Kinderbuch «Der Drache im Schnee» konfrontiert die jungen Leser mit dem Tod und mit der Bedeutung von Freundschaft.

Silvana Meisel

Die Autorin Anna Tamà und die Künstlerin Beatrix Bernegger verbindet eine langjährige Freundschaft und nun auch ein Buch. Es handelt von zwei befreundeten Buben, die trotz Lawinengefahr draussen im Schnee spielen. Sie befinden sich in ihrer eigenen Fantasiewelt, als sie verschüttet werden. Nur mit vereinten Kräften und ihrem Fantasie-Drachen können beide überleben. Es ist eine Geschichte über die Kraft der Freundschaft und des Glaubens im Angesicht des Todes. Der Ort des Geschehens ist St. Antönien, ein verstecktes Bauerndorf in den Bündner Bergen. Das Hochtal war früher tatsächlich von schweren Lawinenniedergängen betroffen. Beatrix Bernegger stammt aus dem Prättigau und zeichnete einst die Kirche von St. Antönien, das Wahrzeichen des Tals. Dieses Bild, das eines Drachens und zwei weitere inspirierten Anna Tamà zum Kinderbuch. «Ich habe die Geschichte verfasst, und Beatrix hat dann die Illustration ergänzt. Die Bilder passten genau», erzählt sie. So entstand das Kinder- und Jugendbuch «Der Drache im Schnee».
Lehrerin am «Rämibühl»
Anna Tamà heisst eigentlich Patrizia Lo Turco und wohnt in Wollishofen. Unter ihrem Pseudonym arbeitet sie als Autorin und unter ihrem richtigen Namen als Lehrerin am Gymnasium Rämibühl. Sie unterrichtet Italienisch und Deutsch und ist Mutter eines Sohnes. Die Kritik eines deutschen Verlags – «Der Drache im Schnee» sei nicht wirklich ein Kinderbuch und zu vielschichtig – verunsicherte die Autorin überhaupt nicht: «Mein Sohn ist 11 Jahre alt, ihm hat das Buch gefallen, und er hat es verstanden.» Sowieso würden viele Eltern ihren Kindern vorlesen und können beim Verstehen helfen.
Die Hauptfiguren machen eine Nahtoderfahrung – gut möglich, dass Erwachsene da etwas unterstützen müssen. «Der Tod gehört zum Leben, und mit dem Buch wollen wir etwas die Angst davor nehmen», erklärt Beatrix Bernegger. Die Bündnerin lebt seit bald zwanzig Jahren in Zürich, anfangs in Wiedikon und nun seit drei Jahren im Kreis 6. Ihre Bilder und Kunstwerke aus Holz und Keramik befassen sich häufig mit der Vergänglichkeit des Menschen.
Das Kinderbuch ist eine neue Erfahrung für beide Frauen. Sie stellen das Buch an der Matinee am Sonntag, 13. November, im Theater Rigiblick vor. Um 11 Uhr beginnt die vorweihnachtliche, szenische Lesung mit musikalischer Begleitung.