Igel machen es sich im Winter gemütlich

Der Tag der offenen Tür im Igelzentrum Zürich wurde von vielen Familien besucht. Dass man die Stacheltiere nicht zuhause überwintern soll, wussten viele nicht.

Silvana Meisel

In den Stadtrandquartieren mit hohem Grünanteil wie am Zürichberg, in Altstetten, Höngg oder Wollishofen leben zahlreiche Igel. In den stark versiegelten Innenstadtquartieren trifft man die stachligen Kerlchen jedoch kaum an. Werden die Tage nun kürzer und kälter, ist es für die Säugetiere an der Zeit, sich auf den Winter vorzubereiten. Bei gefrorenem Boden oder geschlossener Schneedecke finden sie nämlich kein Futter mehr. Die innere Uhr schlägt zum Winterschlaf. Die Igel suchen sich ein gemütliches Versteck im Laub und Gestrüpp, wo sie in ihrem Nest bis zum Frühling ausharren. Wer jetzt noch einem Stacheltier begegnet, sollte dies als Erstes beobachten. «Häufig nehmen Leute den Igel einfach mit und bringen ihn uns vorbei. Das muss nicht sein. Denn möglicherweise ist das Tier bei bester Gesundheit», erzählt Simon Steinemann, Geschäftsführer des Igelzentrums Zürich (IZZ). Den stachligen Freund sollte man nur mit Handschuhen anfassen und versuchen, ihn mit dem Rücken auf eine Waage zu legen. Wiegt das Tier weniger als ein halbes Kilo, ist es zu leicht, um den Winterschlaf überleben zu können. Ein Anruf im IZZ ist dann notwendig.


Winterschlaf in Freiheit


Sechs Wochen nach der Geburt ist ein Igeljunges auf sich alleine gestellt und muss schnell stark zunehmen. Die Igelmutter hat ihm leider nicht beigebracht, was essbar und nahrhaft ist. Darum nimmt es alles ins Maul und probiert, ob es schmeckt. «Der Igel lernt durch Versuch und Irrtum. Sie sehen schlecht und kauen deshalb auf allem rum, was einigermassen gut riecht», erklärt Steinemann.
Trotzdem kommt es oft vor, dass ein Jungtier das Winterschlaf-Gewicht nicht erreicht. Zu leichte Igeljungen werden im Igelzentrum «winter-fit» gemacht und dann wieder freigelassen. Es ist wichtig, dass das Stacheltier draussen in Freiheit überwintern kann. Im gut gemeinten «Hotel» von Igelfreunden die kalte Jahreszeit zu verbringen, kann für die Wildtiere schädlich sein. Folgen sind: Übergewicht, verminderte Abwehrkraft und Erkrankungen des Nervensystems. Auch zeigen viele Igel in Gefangenschaft Stresssymptome. «In der ersten Nacht versuchen sie abzuhauen, das ist normal. Aber auf längere Zeit sollte man einen Igel auf keinen Fall einsperren», so Steinemann.

Neues Igel-Zuhause gesucht

Am Tag der offenen Tür im Igelzentrum Zürich wurde Besuchern der richtige Umgang mit den Stacheltieren gezeigt. Im Lokal, dem Quartiertreff Fluntern, lief der neue Imagefilm des IZZ, und Mitarbeiterin Flavia Zangerle hielt stündlich einen Vortrag. Zahlreiche Familien liessen es sich nicht nehmen, einen Igel mal ganz aus der Nähe anschauen zu können.
Das Igelzentrum Zürich, an der Hochstrasse 13 gibt es seit 1998. Bis zu 2500 Anrufe nimmt das IZZ jährlich entgegen und gibt fachkundige Auskunft. Der Standort zwischen Rigiplatz und Kirche Fluntern ist aber viel zu klein. «Wir platzen aus allen Nähten. Ein neues Zuhause muss her», so Simon Steinemann. Nebst der Versorgung von Igelpatienten führt das IZZ bis zu 80 Führungen für Schulklassen und Kindergärten durch. Bevorzugte Stadtkreise für die neuen Räumlichkeiten sind Fluntern, Oberstrass und Hottingen oder angrenzende Quartiere aufgrund der Nähe zum «Igelfreundlichen Garten» am Zürichberg. Geeignete Lokalitäten in anderen Kreisen kommen aber auch infrage.