«Christoph Blocher ist mir zugeflogen»Der Schauspieler, Parodist und Radio-Moderator Walter Andreas Müller, alias WAM, erzählte im Kluspark über sein Leben und seine wichtigsten Rollen.Lisa Maire Die Kapelle im Altersheim Kluspark ist bis auf den letzten Platz besetzt. Auch auf der Empore sitzen und stehen die Leute dicht an dicht und lauschen den Worten von WAM, der im Rahmen von «Netzwerk Kultur» aus seinem Leben erzählt. Dazu eingeladen hat ihn Heimleitungsassistent Ruedi Haas, langjähriger Freund und früherer Schauspieler-Kollege. «Die meisten, die mich zum ersten Mal in natura sehen, sagen, ich sähe jünger aus als im Fernsehen», sagt WAM. «Stimmt», schallts wie auf Kommando aus dem Publikum zurück. Der TV-Liebling, seit letztem Jahr in Pension, kokettiert mit seinem Alter. «Aber das Schöne an unserem Beruf ist ja, dass wir nie pensioniert werden. Wir arbeiten einfach, bis wir irgendwann umpurzeln.»
Es folgten Engagements als Moderator verschiedener Sendungen am Radio und an Schweizer Theaterbühnen, und bald schon hatte er auch beim Fernsehen einen Fuss in der Tür: 1978 heuerte ihn Showmaster Kurt Felix als Moderator für das TV-Quiz «Banco» an. Für die 14-tägliche Sendung offerierte ihm Felix 800 Franken. Der Schock über diese mickrige Gage sei ihm wohl anzusehen gewesen, lacht er rückblickend und verfällt plötzlich in den St. Galler Dialekt von Kurt Felix: «Sie dürfen ja auch nicht vergessen, Herr Müller: Wenn die Sendung dann ein paar Mal gelaufen sein wird, erhalten Sie in der Metzgerei sicher das bessere Stück Fleisch als die Dame neben Ihnen.» Das Publikum im Kluspark quietscht vor Vergnügen.
«Banco» floppte dann ebenso wie sein Talent als TV-Moderator. Am Fernsehen populär machten ihn erst seine Auftritte zusammen mit Ursula Schäppi als «Adam und Eva Chifler» im Spielquiz «Traumpaar». Trotzdem sei er froh gewesen, als es nach sechs Jahren vorbei war mit der Sendung und dem Alptraumpaar Chifler, erzählt WAM. Die Rollen hätten wenig schauspielerisches Entwicklungspotenzial gehabt. «Es ging nur immer um das Gleiche: Er hackt auf ihr rum, und sie hackt auf ihm rum.» Je kantiger, desto besser «Je verrückter, je skurriler die Figur ist, desto interessanter und schöner ist sie zu spielen», sagt der Schauspieler über seine Rolle als schräger Modedesigner in der ebenfalls erfolgreichen TV-Serie «Lüthi und Blanc». Ähnliches gilt für seine umwerfenden Politiker-Parodien, die er in Sendegefässen wie «Viktors Spätprogramm» oder «Benissimo» zum Besten gab und die ihm eine Vielzahl weiterer Fans brachten: Je mehr Ecken und Kanten eine Persönlichkeit hat, desto leichter ist es, sie zu imitieren. Parodieren könne man übrigens nicht lernen, das müsse einem angeboren sein, weiss das Naturtalent. Den Rest mache das Studium von Sprache, Mimik, Gestik, Kleidung, Frisur. Oft brauche es noch nicht mal viel Maske, um eine Figur herzustellen. Manchmal reiche es schon, Spracheigenheiten zu erkennen, erklärt WAM und spricht – zum Gaudi des Publikums – unvermittelt und unverkennbar als Moritz Leuenberger weiter, lässt schliesslich ein ganzes Feuerwerk blitzschneller Rollenwechsel folgen: Samuel Schmid, Hans-Rudolf Merz, Flavio Cotti, Kurt Furgler Gilbert Gress, Sepp Blatter – er kann sie alle. Am besten aber kann er Christoph Blocher. Den habe er praktisch nicht lernen müssen, der sei ihm «einfach zugeflogen». Türchenauf, Türchern zu WAMs Parodien gehen nie unter die Gürtellinie. Wohl deshalb haben sie bei den Betroffenen noch nie negative Reaktionen ausgelöst. Im Gegenteil, die Parodierten scheinen sich selber königlich über den vorgehaltenen Spiegel zu amüsieren. Besonders Blocher sei ihm sehr freundschaftlich zugetan, erzählt WAM und gibt ein Müsterchen: Als Blocher sich als Bundesrat ein neues Brillengestell zulegte, bekam WAM von ihm sofort ein identisches Modell zugeschickt. |
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