Die ewige Sammlerin wird 80 Jahre altBeinahe ihr ganzes Leben sammelte Ruth Binde Autographen berühmter Persönlichkeiten. Anlässlich ihres 80. Geburtstags veranstaltet sie nun eine Verkaufsausstellung. Zeit für einen Rückblick.Manuel Risi Mit einem gewinnenden Lächeln auf den Lippen begrüsst einen Ruth Binde an der Tür. Im Wohnzimmer warten bereits Kaffee und Kuchen. Die Kulturvermittlerin ist eine geübte Gastgeberin. Zu den Zeiten, als sie noch die Büros ihrer PR-Agentur im Seefeld hatte, bewirtete sie an ihren alljährlichen Festen jeweils über hundert Gäste aus der Zürcher Kulturszene. Vergissmeinnicht Bindes Sammelleidenschaft für Autographen begann, als sie 14 Jahre alt war. Damals erhielt sie von ihrer Schwester ein «Vergissmeinnicht». Ein kleines, blaues Büchlein, in welches Freunde und Bekannte sich an ihrem Geburtstag mit ihrem Namen eintragen konnten. Es sollte der Anfang in einer Sammlung von Autographen und Dokumenten werden, die ihresgleichen sucht – und auf ihre Weise die Zürcher Kulturgeschichte dokumentiert.
Binde brach die Schauspielausbildung ab, und ihre Eltern suchten für sie eine Buchhandelslehre. Der Vertrag sollte jedoch erst in einem Jahr in Kraft treten, und diese Zeit verbrachte sie in England. «Rückblickend war es das schönste Jahr meines Lebens», erzählt Binde heute und ergänzt: «Ich ging fast jeden zweiten Tag in die Oper oder ins Theater.» Wieder zurück in der Schweiz trat sie ihre Lehre an. Nach erfolgreichem Abschluss geriet sie – inzwischen verheiratet – über Umwege zum damals noch jungen Diogenes Verlag und arbeitete dort drei Jahre lang als «Mädchen für alles». Als der Verlag wächst, konzentriert sie sich auf die Pressearbeit und baut 1964 auf Wunsch von Daniel Keel den Theaterverlag auf. Jetzt kommen ihr ihre Theaterkenntnisse zugute. Goldene Ehrenmedaille Für ihr unermüdliches Schaffen wurde Binde 1998 vom Regierungsrat des Kantons Zürichs mit der Goldenen Ehrenmedaille für kulturelle Verdienste ausgezeichnet, der höchsten Auszeichnung des Kantons. Den Grossteil ihrer Dokumente schenkte sie dem Zürcher Stadtarchiv, wo sie öffentlich zugänglich sind. 467 gewidmete Bücher, davon viele mit Zeichnungen aus ihrer Diogenes-Zeit und aus dem «Bernhard-Littéraire», zeigt nun der Antiquar Peter Bichsel in seiner Verkaufsausstellung (siehe Artikel unten). Zur Trennung von ihren geliebten Stücken meint Binde: «Im Leben muss man irgendwann einmal loslassen. Ich tue es jetzt.» |
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