
Die GLP ergattert im Wahlkreis 7 und 8 auf Anhieb zwei Sitze – so viele wie die SVP hat. Die FDP muss erneut bluten und zahlt für den «Abgang» von Erika Bärtschi.
Andreas J. Minor
Die Präsidentin des Gewerbevereins Seefeld, Erika Bärtschi, sitzt seit 1994 für die FDP 7 und 8 im Gemeinderat. Wenn sie Ende der Legislatur ihr Pult im Stadtparlament räumt, verliert die FDP damit auch ihren fünften Sitz in diesem Wahlkreis. Ein Jahr vor den Wahlen musste Bärtschi sich schriftlich dazu verpflichten, nicht mehr anzutreten. Die Idee: Sie sollte jüngeren Kräften wie etwa Marc Bourgeois Platz machen. Letzten Sonntag wurde klar: Diese Strategie der FDP-Kreispartei ging nicht auf.
Woran lags? Zum einen trat zum ersten Mal die GLP auf den Plan und hat sicherlich einige Stimmen bei der FDP abgeholt. Zum anderen sind eben im Quartier verwurzelte Leute wie Erika Bärtschi nicht so schnell zu ersetzen. Hier wäre sicher ein Rücktritt während der Legislatur sinnvoll gewesen. Dann nämlich hätte eine junge Kraft nachrutschen können und wäre als Bisheriger in den Wahlkampf gestartet – mit entsprechend besseren Wahlchancen.
Grüne leben es vor
Wie man so etwas richtig macht, hat die Grüne Partei 7 und 8 vorexerziert: Christoph Hug machte 2008 seiner Tochter Christina Hug Platz, die sich in den zwei Jahren bis zur Wahl noch etablieren konnte. Am Wochenende wurde die 27-Jährige mit einem guten Resultat für die kommenden vier Jahre in ihrem Mandat bestätigt. Baltasar Glättli ist der zweite Grüne aus dem Wahlkreis 7 und 8, der den Sprung wieder schaffte. Doch auch die Grünen mussten Federn lassen: Der bekannteste Tramchauffeur Zürichs, Peider Filli, wurde nicht mehr gewählt – vorläufig wenigstens. Denn bis Redaktionsschluss war nicht klar, ob die EVP überhaupt ins Stadtparlament einzieht. Wegen des neuen Wahlverfahrens Pukelsheim muss die Partei mindestens 5 Prozent der Stimmen in einem Wahlkreis erzielen. Wegen äusserst knappen Ergebnissen wird nachgezählt.
EVP – die offene Frage
Verfehlt also die EVP die Fünf-Prozent-Hürde, müsste der mit lediglich 693 Stimmen gewählte Martin Mächler über die Klinge springen. Es wäre allenfalls noch ein Sitz zu vergeben, der den Grünen zugute kommen könnte.
Im Rennen der beiden Nachwuchskräfte der SVP standen sich die beiden Präsidenten der SVP 7, Urs Fehr, und der SVP 8, Patric Eggler, gegenüber. Die SVP-Kreisparteien hatten es versäumt, im Vorfeld zu fusionieren, es jedoch geschafft, ihre zwei Sitze im Gemeinderat zu halten. Das spannende Duell konnte am Wahlabend Urs Fehr für sich entscheiden. Er wird nun neben Monika Erfigen, seit 1999 im Rat, sitzen. Fehr tritt die Nachfolge von Arthur Bernet (Jahrgang 1934) an, der seit 1998 Ratsmitglied ist.
Wahlsiegerin in der ganzen Stadt ist die Grünliberale Partei. Ein Dutzend Sitze hat die junge Partei in diesem Wahlgang ergattern können. Allein im Wahlkreis 7 und 8 waren es zwei Mandate. Ann-Catherine Nabholz, die Präsidentin der Kreispartei 7 und 8, und der Stadtzürcher Co-Präsident Martin Luchsinger, ein GLP-Mann der ersten Stunde, konnten bei den Wählern punkten und ziehen ins Parlament ein.
GLP hat Potenzial, SP ist stark
Überraschenderweise konnten die beiden ehemaligen Quartiervereinspräsidenten aus Hottingen (Simon Schaltegger) und Hirslanden (Heinz Schweizer), die ebenfalls für die GLP in den Ring stiegen, keinen Erfolg einfahren – vorläufig jedenfalls. Auch hier gilt: Der wackelnde EVP-Sitz könnte für eine Überraschung sorgen. Sicher ist: Die GLP muss sich jetzt bewähren. Politisiert sie geschickt und kann ab und zu etwas bewegen, wird sie in vier Jahren noch einmal gewaltiges Potenzial nach oben haben.
Obwohl auch im Wahlkreis 7 und 8 die SP-Wahlanteile sanken (von 29,8 auf neu 27,5 Prozent), können alle Gewählten auf Traumergebnisse blicken. André Odermatt holte 4897 Stimmen und wird, da er in den Stadtrat gewählt wird, sein Mandat im Parlament nicht antreten. Deshalb rutscht die auf dem sechsten Platz klassierte Helen Glaser nach. Die weiteren SP-Abgeordneten: Jacqueline Badran (4797 Stimmen), Joe Manser (4564), Jean-Daniel Strub (4427) und Marianne Aubert (4336).
Trostpflaster für Egger
Trotz einem intensiv geführten Wahlkampf ging es Urs Egger so wie der unbekannten GLP-Kandidatin Denise Wahlen aus Witikon: Der Riesbacher wurde nicht in den Stadtrat gewählt. Doch der abtretende Präsident der FDP Stadt Zürich kann sich mit einem hervorragenden Ergebnis in der Gemeinderatswahl trösten. Egger erzielte 4503 Stimmen und verkehrt damit auf Augenhöhe mit SP-Gemeinderat Joe Manser – notabene als FDP-Politiker. Der zweitplatzierte FDPler ist Christian Aeschbach mit 3826 Stimmen, dann folgen Severin Pflüger (3816) und Lukas Apafi (3806) – alle rund 700 Stimmen hinter Egger. Zieht man Bilanz, so fällt auf, dass sich der intensive Wahlkampf für die FDP gelohnt hat, trotz Sitzverlust: Der Wahlanteil blieb fast gleich: Statt bei 24,8 liegt er nun bei 24,2 Prozent. Der Abwärtstrend scheint gestoppt – trotz neuer Konkurrenten wie der GLP.