
Interview: Andreas J. Minor
Massiver Wohnungsbau soll die Wohnungsmisere in Zürich ein für alle Mal beheben, so die Idee der GLP. Gebiete mit bis zu 80 Meter hohen und ökologisch gebauten Hochhäusern in Zürich West und in Zürich Nord propagiert die GLP und lanciert so im Wahlkampf eine nicht unumstrittene Verdichtungsidee.
Denise Wahlen, Ihre Partei will mehr Hochhäuser in der Stadt Zürich. Warum?
Wir wollen vor allem mehr Wohnraum in Zürich schaffen. Hochhäuser, das sind nach Baugesetz Häuser mit sieben und mehr Stockwerken, beziehungsweise über 21 Meter Höhe, sind hier ein probates Mittel – neben einem Nutzungsbonus bei Renovationen nach Minergie-P-Standard. Zudem lässt sich mit modernem und kompaktem Bauen auch Energie sparen. Wenn wir mit der 2000-Watt-Gesellschaft ernst machen wollen, sollten wir endlich handeln.
Heute herrsche Willkür in der Stadtverwaltung, wenn es um den Bau von Hochhäusern gehe. Können Sie diesen massiven Vorwurf Ihrer Partei untermauern? Oder ist das nur Wahlkampfgetöse?
Die heutigen Hochhauszonen umfassen einen Viertel des Stadtgebiets. Die Behörden entscheiden jedoch im Einzelfall, wo effektiv ein Hochhaus gebaut werden darf und wo nicht. Das finde ich nicht in Ordnung. Wir von der GLP fordern deshalb die klare Definition von Hochhauszonen in Zürich Nord und Zürich West. Zur Verdeutlichung: 9200 Hektar gross ist das Zürcher Stadtgebiet, 4600 Hektar umfasst das Siedlungsgebiet. Und wiederum rund 2000 Hektar gross ist das Gebiet, in dem Hochhäuser heute rein theoretisch gebaut werden dürfen.
Was ist daran falsch?
Das Gebiet ist schlicht zu gross. Lieber konzentriert und konsequent bauen statt verzettelt.
Im GLP-Papier wird an mehreren Stellen auf ein «fehlendes Stadtentwicklungskonzept» hingewiesen. Die Verantwortlichen der Stadtentwicklung sehen das genau umgekehrt.
(schmunzelt) Ein Hochhaus hier, ein Hochhaus da. Mir fehlt da der konzeptionelle Ansatz. Solide Planung sieht anders aus. Es muss endlich langfristig an der Stadtentwicklung geplant werden. Mich interessieren solche Fragen. Im Fall einer Wahl würde ich gern das Hochbaudepartement oder das Departement Gesundheit und Umwelt übernehmen.
Sie fordern eine Zusammenarbeit mit Nachbargemeinden. Warum ist das so wichtig?
Darum wird man nicht herumkommen. Denn der Wirtschaftsraum Zürich hört an der Stadtgrenze nicht auf. Lösungen können gemeinsam besser erarbeitet werden. Das hat man als Negativbeispiel bei der Planung der Zooseilbahn gut gesehen.
Warum stellen diese in Ihren Augen eine Verbesserung dar?
Wir müssen nicht nur die Wohnungsnot, sondern auch die immensen Pendlerströme in den Griff bekommen. Eine sinnvolle Lösung wäre zum Beispiel, endlich die Distanzen zwischen Wohn- und Arbeitsort aufzuheben oder zumindest zu verringern. Hier bieten Hochhäuser, in denen im unteren Bereich Gewerberäume und oben Wohnungen realisiert werden, zumindest eine Verbesserung. Gerade KMU müssen attraktive Rahmenbedingungen bekommen. Sie sind der Motor der Zürcher Wirtschaft.
Hochhäuser als Wohnsilos haben auch Nachteile, die man zum Beispiel in der Gropiusstadt in Berlin, aber auch in Banlieue-Siedlungen um Paris, ja sogar in der Retortensiedlung Bern-Bethlehem schon festgestellt hat. Wie beurteilen Sie diese Problematik?
In der Tat sind Wohnhäuser ab sieben Etagen – und um solche geht es, nicht etwa um «Wohnsilos» – keinesfalls für alle Zürcherinnen und Zürcher die Lösung. Zum Beispiel für Familien, denke ich, ist diese Wohnform nicht sehr geeignet. Ein Kind sollte vom Spielplatz aus mit dem Finger auf seine Wohnung zeigen können. Doch für Singles, junge Paare oder Wohngemeinschaften könnten Hochhäuser, wo man auch gleich noch einkaufen oder zum Coiffeur gehen kann, durchaus attraktiv sein. Ausserdem gibts einen positiven Effekt: Durch Hochhäuser würde so viel Wohnraum geschaffen, dass durch die Verdichtung Druck von Familienwohnungen genommen würde.
Das Land in den Hochhausgebieten würde sehr viel mehr wert werden.
Natürlich. Und darum soll dieser ausserordentliche Wertzuwachs im Fall eines Landverkaufs auch zu 50 Prozent besteuert werden. Das heisst: Die Hälfte des Wertzuwachses bleibt beim Besitzer des Lands. Wenn er sein Land verkauft, bekommt die Stadt die Hälfte des Mehrwerts. Die Zusatzeinnahmen sollen dann die Stadt zweckgebunden für sozialen Wohnungsbau verwenden.