
Marius Widmer
Bereits in fünf Schweizer Kantonen hat das Rote Kreuz eine Jugendrotkreuz-Gruppe. Ein Trend, der durchaus weitergehen könnte. Die ausgeschriebenen Kurse in Winterthur und Zürich waren rasch belegt, ein dritter wird darum angeboten. «Die Nachfrage geht über alle Erwartungen hinaus», bestätigt Ursina Mayor, Bereichsleiterin Jugendrotkreuz (JRK) des Schweizerischen Roten Kreuzes (SRK) des Kantons Zürich.
Beim Roten Kreuz mussten in der Vergangenheit immer wieder Anfragen von Jugendlichen abgewiesen werden, die Freiwilligenarbeit leisten wollten. Genau diesem Misstand versuchen nun in Genf, Basel, Freiburg, Bern und Zürich die JRK entgegenzuwirken. Die Jugendabteilungen profitieren dabei von der Bekanntheit der Mutterorganisation. An den Schulen sei der Babysitting-Kurs des Roten Kreuzes bekannt. Auch der Blutspendedienst und der Erste-Hilfe-Kurs könnten Jugendliche zum Teil dem Roten Kreuz zuordnen, so Mayor.
Freiwilligenarbeit im Jahr 2007
Eine Umfrage des Roten Kreuzes unter 60 Jugendlichen hat ergeben, dass die Hauptmotivation mitzumachen darin liegt, anderen Menschen zu helfen. Beim JRK selber spricht man gerne von humanitären Einsätzen. Die Bereichsleiterin versteht darunter den Dienst am Mitmenschen. Doch wer eignet sich für Freiwilligenarbeit? «Eigentlich alle, denen die gesellschaftliche Entwicklung nicht egal ist oder zumindest das direkte Umfeld, wie zum Beispiel ein Durchgangszentrum für Asylsuchende», sagt die 31-Jährige und betont, dass die nötige Zeit nicht fehlen dürfe, sonst sei die Enttäuschung gegenseitig.
Von der Freiwilligenarbeit pflegt sie kein verstaubtes Bild, von sich aufopfernden, selbstlosen Frauen und Männern. Viel eher müssten sich Jugendliche fragen: Was will ich in meiner Freizeit tun, wie viel Zeit habe ich? Geld dürfe dabei nicht die Motivation sein, aber es gibt durchaus Punkte, wo die Jugendlichen profitieren könnten. «Unsere Projekte sind auch gute Übungsfelder», sagt Mayor und nennt Schlagwörter wie Verbindlichkeit, Verantwortung, Selbstsicherheit und Sozialkompetenz, wobei ihr der letzte Terminus nicht so recht gefallen mag.
Nicht nur helfen
Bereits jetzt läuft ein Projekt mit Kindern in Durchgangszentren. Einmal im Monat spielen Freiwillige des JRK mit den Kindern von Asyl Suchenden. Damit bieten sie nicht nur den Kindern eine Abwechslung, sondern entlasten auch die Eltern, welche meist auf engem Raum mit ihren Kindern zusammenleben. Ob Kinder, Migranten oder alte Menschen, Berührungsängste gibt es keine.
Wer mitmacht beim JRK muss nicht immer nur helfen, sondern kann auch Projekte mitgestalten und Ideen einbringen. «Solange sie in unsere Ausrichtung passen, sind wir offen für alle Ideen», unterstreicht Mayor, für die Projekte immer auch ein Gemeinschaftswerk sind. Ihr gefällt der Austausch zwischen Freiwilligen. Es sind Anlässe geplant, die in erster Linie die Zusammengehörigkeit fördern und an denen man sich aufgehoben fühlen kann. Dann muss für einmal auch niemandem geholfen werden. Mayor meint dazu: «An den Anlässen für die Freiwilligen geht es in erster Linie um Genuss und Spass.»
Stichwort JRK
Seit Dezember 2006 gibt es beim SRK des Kantons Zürich eine Jugend-Gruppe. Das Jugendrotkreuz (JRK) bietet Einführungskurse an für Jugendliche zwischen 15 und 30, die Freiwilligenarbeit leisten möchten. Momentan hat es 12 Freiwillige und etwa 60 Interessierte, welche die drei Kurse besuchen werden.
Mehr Informationen zum JRK unter www.srk-zh.ch -> Jugendrotkreuz. Direkter Kontakt: Ursina Mayor, Telefon 044 388 25 27 oder einfach per E-Mail an: ursina.mayor@srk-zuerich.ch.