Silvan Rosser
Das Jahr begann eisig kalt und sehr trocken. Durch starke Inversionslagen mit tiefer Inversionsschicht wurde die Frischluftzufuhr im Flachland stark eingeschränkt. Enorme Feinstaub- und Stickstoffdioxidbelastung waren die Folgen. In Zürich und Lausanne erreichten die Tagesmittelwerte teilweise Werte von über 200 Mikrogramm/m3, was einem Vierfachen des Grenzwertes entspricht. In jenen Tagen wurden auch die tiefsten Temperaturen verzeichnet. Am kältesten wurde es am 15. Januar, als das Thermometer in Zürich-Witikon tief im Keller bei minus 8,7 Grad abzulesen war. Erstaunlich ist jedoch, dass im Jahr 2006 die Lufttemperatur zwei Meter über Boden nie unter die «sehr-kalt-Grenze» von minus 10 Grad sank.
Es folgte ein kalter Februarstart und kleinere Seen wie der Pfäffiker- oder der Greifensee waren mit einer Eisschicht überzogen und wurden für den Winterspass freigegeben. Der Februar beendete den kältesten Winter seit 21 Jahren in Zürich, kein Wunder, denn der Januar war gemittelt nur gerade minus 2,4 Grad warm. Der Alpenraum blieb auch im März über grosse Strecken noch in starker Nordostströmung, und so blieb es kalt. Es war jedoch nicht die Kälte, welche den letztjährigen März so speziell machte, es waren eindeutig die Rekordschneefälle in den ersten Märztagen. Zwischen drei Polartiefs über Nordeuropa und zwei Subtropenhochs über Südeuropa lag eine mächtige Konvektionszone, welche sich genau über die Alpen legte.
Rekordschneefall
Mit Nordwind wurde die grosse Feuchtigkeit an den Alpennordhang gepresst und «ausgeschüttet». Allein in Zürich-Witikon wurden am Morgen des 5. März 55 Zentimeter Neuschnee gemessen, ein absoluter Rekord. Die längste Kältewelle in der Schweiz seit 20 Jahren, von November 2005 bis März 2006, war überstanden, als Ende März die Hauptströmung endlich auf Südwest drehte und die lang ersehnte Frühlingsluft nach Mitteleuropa brachte. Der April und der Mai waren dann im Durchschnitt deutlich wärmer als der Normwert der Jahre 1961 bis 1990, doch bis Ende Mai erfolgten intervallartige Kaltlufteinbrüche. So kam es, dass es Ende Mai noch einmal bis auf 1100 Meter hinunter schneite. Die drei Frühlingsmonate März bis Mai waren zusammen dann auch die nässesten seit Messbeginn.
Der Supersommer kam
Nach dem kalten Winter und dem verregneten Frühling war der Wunsch nach einem Supersommer grösser den je. Und der Wunsch ging in Erfüllung. Bereits im Juni breitete sich eine mediterrane Hitze über der Schweiz aus, und im ganzen Monat fielen weniger als 40 Liter Regen. Der heisse Juni machte das erste Halbjahr noch halbwegs akzeptabel. Denn mit durchschnittlich 6,9 Grad waren die ersten sechs Monate des Jahres 2006 eher kühl.
Die Wetterrekorde purzelten
Das zweite Halbjahr war noch spannender: Die Wetterrekorde purzelten weiter und die Witterung wurde noch viel extremer. Allem voran der Juli 2006. Mit 23 Grad Durchschnittstemperatur war er natürlich der wärmste Monat des Jahres, doch er war auch der heisseste Monat überhaupt, der je in der Schweiz gemessen wurde.
Auch in Deutschland und Frankreich war es der wärmste Sommermonat seit Menschengedenken. Der bisherige Rekordmonat war mit 22,7 Grad der August 2003 im Jahrhundertsommer gewesen. Während des ganzen Monats ächzten auch im vergangenen Jahr alle unter der erbarmungslosen Gluthitze. Jeden Tag stieg das Thermometer weit über 30 Grad. Am 27. Juli wurde in Zürich-Witikon mit 34,7 Grad die höchste Jahrestemperatur gemessen. In anderen Gebieten wurde es bis 36 Grad heiss. Der Hitzesommer 2006 endete jedoch bereits Anfang August: Dieser war kühl und verregnet und gleichzeitig der einzige zu kühle Monat im zweiten Halbjahr, denn es folgte der Rekordherbst.
Zwischen September und November lagen die Temperaturen praktisch jeden Tag jenseits des Schwankungsbereichs. Es war der wärmste Herbst seit Messbeginn und wahrscheinlich seit 500 Jahren. Auch der Dezember war deutlich zu mild. Der heisse Juli und der Jahrhundertherbst verwandelten das zweiten Halbjahr zum wärmsten je erfassten und zu einer unglaublichen Rekordwärmeperiode. Mit gemittelt 13 Grad waren die letzten sechs Monate des Jahres beinahe doppelt so warm wie die ersten sechs des Jahres und um erstaunliche 3 Grad übertemperiert. Die längste Kältewelle der letzten 20 Jahre wurde also von einer noch nie da gewesenen Wärmeperiode abgelöst, die bereits alle bisher bekannten Rekorde brach und noch immer anhält.
2006 geht mit 9,9 Grad Durchschnittstemperatur als das fünftwärmste Jahr seit Messbeginn in die Statistik ein. Dies ist erstaunlich, wenn man bedenkt, wie kalt es begann. Nach dem nassen Frühling war der Sommer bis August dann sehr trocken. Der August brachte dann wieder rekordverdächtige Regenfälle. Der Herbst war dann wieder eher trocken. Unter dem Strich gab es normale Jahresregenmengen in der Region Zürich. Mit 1755 Sonnenstunden gab es mehr Sonne als normal, hauptsächlich im zweiten Halbjahr.
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