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Für die Stadt ein Test, für die Fans ein Gaudi. Oder: Ein legales Gläschen Wein nach dem Fussball-Derby. Wegen der Hysterie um die Südkurven-Fans sind die friedlichen Probanden anonymisiert.  Foto: ls.

Zürich 2

Rund ums Letzigrund: Stadt prüft Alkoholverbot ab 14 Uhr

Auf Anfrage bezeichnet die Stadt Zürich das löchrige Alkoholverbot in und ums Letzigrund als «Test». Man prüfe, bei Bedarf rigorosere Vorschriften zum Bier und neu auch zu harten Alkoholika zu verfügen.

Lorenz Steinmann

Das Derby FCZ vs. GC vom Wochenende (2:0) wurde von der Stadtpolizei genau beäugt. Neben Pressechef Marco Cortesi war auch Polizeikommandant Oberst Philipp Hotzenköcherle im Stadion. Man versprach sich wertvolle Resultate für das von Stadtrat Daniel Leupi verhängte «Alkoholverbot» während und nach dem Match. Departementssprecher Reto Casanova bezeichnete den Sonntag gegenüber der Lokalinfo aber lediglich als «Test».

Muster ohne Wert
Das macht eigentlich Sinn. Denn das Spiel fand wegen der Ausschreitungen vom Oktober 2011 (Blick: «Petardentrottel») nur vor einigen tausend Zürich-Fans statt – die ganze Südkurve blieb gesperrt. Eine Sandkastenübung also. Generell wurde von Präventionsfachleuten kritisiert, dass das Bier-Verbot erst ab Anpfiff um 16 Uhr galt. Denn viele Fans würden vor allem VOR dem Match Bier in allenfalls unverträglichen Mengen trinken. Stimmt. Regelmässige Matchbesucher wissen es: Die Kioske und Shops entlang der Badenerstrasse machen vor den Spielen jeweils einen Grossteil ihres Wochenumsatzes. Hektoliterweise werden Bierbüchsen über die Theke gereicht. Vor den Drehkreuzen ins Letzigrund stehen riesige Mülltonnen, wo jeder sein «letztes» Bier vor dem Match hineinwerfen kann.

Bald Schnapsverbot?
Polizeisprecher Reto Casanova meint auf Anfrage: «Wir wählten am vergangenen Sonntag die mildeste Version der Alkoholeinschränkung.» Man sei bisher der Meinung gewesen, dass sich Fans im grösseren Perimeter mit Bier eindecken würden und nicht unmittelbar beim Stadion. «Es war die erste Verfügung dieser Art auf der Basis der neuen allgemeinen Polizeiverordnung (APV), und nun klären wir die Wirksamkeit ab», so Casanova weiter. Bei Bedarf können eine zeitliche Verschärfung und die Ausdehnung auf harte Alkoholika verfügt werden. «Der Polizeivorsteher wird die neue Regelung bei Bedarf im ‹Tagblatt› publizieren lassen», sagt Casanova. Dazu bleibt noch ein wenig Zeit. Das nächste Hochrisikospiel des FCZ ist erst jenes gegen den FC Basel am Sonntag, 6. Mai.
Apropos harte Alkoholika und Wein: Auf diese Getränke geht die APV nicht genauer ein. Darum konnte Casanova über deren mögliche Sanktionen bis Redaktionsschluss keine Auskunft geben. Am Sonntag gab es keine Einschränkung darauf.
Gar ganz ohne Verbote durften übrigens die VIP-Besucher in den Letzigrund-Logen dem Alkohol frönen. Sie gelten für die Stadt als «geschlossene Gesellschaften».