Spione, die aus der Kälte kommen

Kolumne von Kamil Krejci

Es ist kalt. Es ist sogar so kalt, dass ich zugebe ab und an zu frieren. Ich gebe dies hiermit öffentlich kund. Ich möchte damit dem Nachrichtendienst die Arbeit etwas vereinfachen. Wenn die Damen und Herren des Schweizer Nachrichtendienstes diese wichtige Tatsache dieser Zeitung entnehmen, brauchen sie unsere Wohnung weder zu verwanzen, noch meine Telefongespräche abzuhören, geschweige meinen Computer zu hacken.
Wie ich gelesen habe, sollen demnächst solche Spionagemassnahmen zur Wahrung der inneren Sicherheit erlaubt werden. Allerdings müssen solche Massnahmen von einer unabhängigen Instanz bewilligt werden. – Aha.Der Staatsschutz geht davon aus, dass pro Jahr weniger als zehn Fälle bewilligt würden. Na dann.
Ich finde es unheimlich lustig, dass der Schweizer Geheimdienst seine Schritte so publik macht. Es handelt sich wahrscheinlich eher um einen Ungeheimdienst. Oder gar um einen unheimlichen Dienst. Noch unheimlicher wird er mir, wenn er sich jetzt schon anschickt, seine Tätigkeit auf bloss zehn Fälle pro Jahr zu reduzieren. Da hab ich dann das Gefühl es sei ein unheimlich fauler Dienst. Oder ein unfähiger. Oder aber er ist so gerissen, dass er CIA und Mossad vor Neid erblassen lässt. Vielleicht ist dies ja nur ein Ablenkungsmanöver. Vielleicht hockt ja Wilhelm Bond Tell irgendwo bei einem Kafi Lutz (künstlich gesüsst und nicht gezuckert), studiert alle Cumulus-Karten und Supercard-Konten, wühlt sich durch Facebook-Einträge und ist informierter, als es die Stasi je war.
Leider macht es ja in der heutigen Zeit Sinn, wenn sich einige wenige um die Sicherheit vieler kümmern. Auch dass diese wenigen es im Geheimen tun, scheint mir nicht sinnlos zu sein. Aber dass sie es öffentlich geheim tun und dann nur in begrenztem Masse, dies belustigt mich. – Nein, es macht mich traurig. Es macht mir Angst. Es gibt mir sehr wenig Vertrauen in diese Institution und in die vermeintliche Sicherheit, für welche sie zuständig sein sollte. Es lässt mich erschaudern. Lässt mich sogar sehr frieren!

Kamil Krejci ist Schauspieler und Regisseur. Er wohnt mit seiner Familie in Adliswil. Seine Meinung muss nicht mit jener der Redaktion übereinstimmen.