
Gottfried «Göpf» Egg hat jahrelang die «Zürich 2»-Jass-Spalte betreut und für uns ein halbes Dutzend Jassnachmittage organisiert. Er hat vorgelebt, wovon wir immer nur träumen – oder reden.
Ich besuchte Göpf Egg und seine Frau Elisabeth in seinem Eigenheim gegenüber der Brauerei Haldengut in Winterthur. Das war vor drei Jahren und kurz nach meinem Stellenantritt beim «Zürich 2». Ich war ein bisschen nervös, traf ich doch eine wahre Berühmtheit, die ich – wie etwa Beni Thurnheer – nur aus dem Fernsehen kannte.
«Ich bi de Göpf», begrüsste er mich – und das Eis war gebrochen. Er zeigte mir seine Eisenbahnanlage, erzählte viele seiner lustigen Jassanekdoten und lästerte ein ganz klein wenig über Monika Fasnacht, die heute den «Samschtigjass» moderiert.
Diese interessierte Offenheit hat ihn immer ausgezeichnet. Dabei konnte er gleichzeitig klar und durchaus resolut argumentieren. Genau die richtige Fähigkeit also, um dem Millionenheer von Schweizer Jassfreunden entgegenzutreten und Unklarheiten zu beseitigen. Dass dabei der Humor nicht zu kurz kam, bewiesen seine sachlichen Auftritte im «Samschtigjass» zwischen 1975 und 1990. Denn jede dieser Sendungen brachte am Schluss einen kleinen Sketch mit dem Cabaret Rotstift, in welchem vor dem «Scharfe Egge» über eine unklare Jasssituation heftig diskutiert wurde. Göpf Egg erklärte danach jeweils, wie der Streit nach offiziellen Jass-Regeln zu lösen gewesen wäre. Laut «Blick» konnte er so viele Ehen kitten oder zumindest für versöhnliche Stunden am Stammtisch sorgen.
Hobby zum Beruf gemacht
Dabei hat Göpf Egg vorgelebt, wovon Millionen von Menschen träumen: das Hobby zum Beruf zu machen. Zwar musste Göpf Egg nach dem frühen Tod seines Vaters 1947 dessen Textilfirma übernehmen. Doch 1971 beschloss Egg, alles auf eine Karte zu setzen und nur noch mit Jassen Geld zu verdienen. Das war zwei Jahre, nachdem er 1969 die ersten Schweizer Jassmeisterschaften organisiert hatte. 33 000 Menschen an 800 Tischen waren am Start – darunter auch 2000 Frauen. Im selben Jahr wurde auch die erste Auflage von «Puur, Näll, As» lanciert, das heute bereits in der 9. Auflage über den Tisch geht. Erstmals hatte mit Göpf Egg jemand die Regeln gesammelt und so dem Jasssport endgültig zum Durchbruch verholfen. Er wurde zum Trendsetter, als man dieses Wort noch nicht einmal kannte.
Zu einer nationalen Grösse wurde Göpf (der Name leitet sich von seinem Pfadi-Vulgo «Göpfi» ab) 1975 durch die Sendung «Samschtigjass», wo mit Jürg Randegger Differenzler gespielt wurde. In der Folge organisierte und leitete der unbestrittene Schweizer Jasspapst unzählige Jassanlässe, so zum Beispiel auch Jassferien in Mallorca oder die beliebten Jasskurse in der Migros-Klubschule. Die letzten 20 Jahre war Egg auch Mitarbeiter des «Zürich 2», verfasste auf seiner mechanischen Schreibmaschine zu unzähligen Jassfragen fundierte Antworten. Unvergessen sind auch seine Jassnachmittage fürs «Zürich 2», sei es auf einem Zürisee-Schiff oder dann im «San Marco» beim Tessinerplatz. Dabei war mit der Zeit auch Albert Hagenbucher, der Egg bereits bei der Erstellung der Jassregeln im «Puur, Näll, As» unterstützte und mittlerweile auch als Nachfolger von Egg in Sachen Jasswissen gilt. Zur Zusammenarbeit kam es, als er sich in einer Jasswoche in Mallorca bei einem Töffunfall verletzte und Hagenbucher danach unverhofft die Woche mit 52 Jassern weiterleitete.
«Pro Patria» – für die Schweiz
Bis vor kurzem hat Göpf Egg noch monatlich eine Kolumne bei uns geschrieben. Geschickt hat er sie immer in einem grossen Couvert – frankiert mit schönen, alten Pro-Patria-Marken. «Pro Patria» – für das Vaterland. Ja, Göpf, Du hast viel für uns und für die Schweiz getan. Dafür sei Dir herzlich gedankt. Mögest Du im Jasshimmel weiterhin für Freude, Fairness und Spass sorgen. (ls.)
Gottfried «Göpf» Egg (* 1921; † 4. Februar 2010 in Winterthur) war ein bekannter Schweizer Jass-Experte und Erfinder des Preisjassens. Zahlreiche Schweizer- und Europa-Meisterschaften wurden von ihm organisiert. Er schrieb lange fürs «Zürich 2» und organisierte mehrere Jassnachmittage. Er war Erfinder und Herausgeber (zusammen mit Albert Hagenbucher) von «Puur, Näll, As: Offizielles Schweizer Jassreglement». 9. Auflage. AGM, Neuhausen am Rheinfall 2007, ISBN 3-905219-96-4.