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Titelgeschichte

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«Pier 7» – jetzt wird Petition lanciert


Vor prachtvoller Kulisse: Marc Lindenmann, Urs Egger, Susanne Spiess, Urs Lienhard, Ludvig Andras. (v.l.) – (Bild: Lorenz Steinmann)

Die Empörung über den geplanten Abbruch des «Pier 7» wird immer grösser. Nun wird eine Petition gestartet – auch die Geschäftsvereinigungen und Wirte wollen sie unterstützen.

Lorenz Steinmann

Andreas Wyss, Chef der weltberühmten «Kronenhalle» und Vorstandsmitglied der Cityvereinigung, bringt es auf den Punkt: «Alle Gäste finden das «Pier 7» fantastisch.» Als Konkurrenz zu den umliegenden Restaurants sieht er das «Pier 7» nicht – im Gegenteil: «Je grösser das Gastroangebot, umso besser geht es uns», findet er. Logisch, dass er sich für den Erhalt des «charmantesten und originellsten Kleinrestaurants von ganz Zürich» (so ein Leserbriefschreiber, siehe unten) stark macht. Ihm gleich tun es Gastrounternehmer Angelo Pfister, Andrea Panitz vom Quartierverein Zürich 1, die Gemeinderäte Urs Egger und Hans Bachmann, die Gewerbler Ernst Sigrist, Rolf Hornecker und viele mehr.

Entscheid des Stadtrats kippen
Nun hat man beschlossen, eine Petition zu lancieren, um das «Pier 7» zu erhalten und den Abbruch-Entscheid der Zürcher Stadtregierung auf Ende 2010 zu kippen («Zürich 2" berichtete). «Baulich ist alles in Ordnung», weiss Inhaber Urs Lienhard. Er und seine Crew haben das «Pier 7» mit viel Einsatz zum «einzigen auf einem Ponton schwimmenden Restaurant der Schweiz» gemacht. «Der Entscheid, alle städtischen Bootshäuschen, Züri-WCs und Kioske gleich zu gestalten, wurde vor sechs Jahren gefällt», so Lienhard. Damals habe man noch viel Geld in der Staatskasse gehabt. Es wäre also logisch, auf so teure Neubauten zu verzichten oder sie wenigstens zurückzustellen. Die Petition soll diesem Ansinnen nun Schub verleihen.
www.pier7.ch.

Leserbriefe (kleine Auswahl)

Opfer des Normierungswahns
Die Normierungswut der Stadt bei Kleinbauten ist ätzend. Wo sind all die Eiferer, die sonst bei jeder Gelegenheit nach weniger Staat rufen? Ich schlage vor, die zuständigen Amtsstellen zu schliessen und ersatzlos abzubrechen.
A. Frick, 8008 Zürich

Alles muss heute kontrollierbar sein
Ihr Artikel ist wirklich sehr demoralisierend. Man versteht sich heutzutage nicht mehr im Improvisationsgeist von guten Ideen von unternehmerischen Menschen. Alles muss normiert und kontrollierbar sein durch die Behörden. Dies stimmt einen bedenklich. Denn eben diese Improvisationsästhetik macht Zürich an jenem Ort so angenehm und lebendig. Wenn es noch möglich ist, wäre es sinnvoll, mit den Behörden das Gespräch zu suchen um Pier 7 zu retten.
K. von Wietersheim, 8008 Zürich

Objekte unserer Zeitgeschichte vernichtet
Ihr Artikel hat mich ganz traurig gemacht. Ich bin fast 62 Jahre alt und in der Stadt Zürich geboren und aufgewachsen. Diese Leute, die solche Entscheide treffen dürfen, die sind entweder noch zu jung – oder sie haben keine Ahnung davon, was das Ambiente einer Stadt ausmacht. Das war früher schon immer ein schönes Bild, auf Fotos ebenso wie fürs Auge des Betrachters –­ sei es unser Seebecken, wo sich alle Pedalovermietungen und Seebadeanstalten befinden, die Allmend oder überhaupt das gesamte Bild von Zürich. Warum werden alle Objekte unserer Zeitgeschichte willkürlich vernichtet? Heute dürften an der Bahnhofstrasse die wunderschönen, altehrwürdigen Hauser auch nicht mehr abgerissen werden, aber irgendjemand will sich ein Denkmal setzen und hat nur Paragrafen als Leitbild und vergisst, was eine Stadt wirklich schön und lieblich macht. Nämlich Geschichten, die aus vielen Zeitepochen erzählen.
Suzanne Cserhati, 8048 Zürich

Echtes Ferienfeeling vor der Haustür
Ihr Autor spricht uns aus den Herzen – wir können nicht verstehen, dass die Stadt solchen Unfug beschliesst. Da wird beim Umbau eine Küche vorgesehen, aber wirten darf man dort nicht, Seldwyla lässt grüssen ... Seit Jahren freuen wir uns jeden Sommer darauf, bei der Bootsvermietung Utoquai II (Familie von Matt) unsere Nachmittage bei Sonnenschein und Getränke zu verbringen. Ein echtes Ferien-Feeling vor der Haustüre. Doch auch diese Idylle wird bald vorbei sein, Wozu braucht es für Bootsvermietungen einen Wiedererkennungseffekt? Naturgemäss liegen diese am Seeufer und brauchen deshalb keine teuren Design-Attribute «Marke Zürich», um erkannt zu werden.
Romy Krebs, 8008 Zürich

Individualismus wird nicht geduldet
Im Fall des «Pier 7» soll noch dieses Jahr das originellste und charmanteste Kleinrestaurant der Stadt Zürich dem Normierungswahn geopfert werden. Es handelt sich um ein romantisches Idyll mit einzigartiger Rundum-Aussicht auf Wasser und Stadtzentrum. Die bedauerlichen Abbruchpläne zeigen erneut, dass die behördliche Ideologie der Stadt Zürich keinen Individualismus duldet. Alles muss standardisiert und gesichtslos sein. Nach Einheits-Marroni-Häusern, Einheits-Kiosks und Einheitsspieldauer für Strassenmusikanten (max. 8 Min.) soll der letzte Individualismus bei den Bootsvermietungshäuschen getilgt werden. Die neu erstellten, neo-futuristischen Bootsvermietungshäuser sind so nüchtern und unromantisch wie ein Bürohaus mit Aluminium-Fassade und passen überhaupt nicht zur beschaulichen Umgebung und Natur. Daneben führten sie zudem zu negativen finanziellen Folgen: Dazu gehören teure Umbauten an Neubauten und behördlich vorgeschriebene Reduktion des Serviceangebots. Vor allem verursachten die unnötigen Neubauten massive Mietzinserhöhungen für die Bootsvermieter, die teilweise finanziell nicht mehr tragbar sind. Stattdessen bevorzugen die städtischen Behörden, ihren Schuldenberg mit Millionenausgaben zu erhöhen. Ständig wird über das «Todsparen» gejammert. Unnötige Bauinvestitionen zeigen hingegen, dass wir (leider?) noch weit davon entfernt sind.
Hans Wohlgroth, 8032 Zürich

Nicht alles verändert sich zum Guten
Ich lebe gerne in Zürich und bin offen für neue Bauten. Ich muss jedoch feststellen, dass nicht jede Veränderung zum Guten ist. Das Verschwinden der diversen Restaurationen, wie eben auch das «Pier 7» finde ich nicht gut. Ebenso die diversen Kioske, die bereits verschwunden sind, bedaure ich sehr. Ich finde, es hat Platz für eben auch solche Verpflegungsmöglichkeiten. Hoffentlich melden sich viele Leute mit der gleichen Meinung.
Beatrice Lave, 8047 Zürich

Auch bei Touristen sehr beliebt
Die Stadt Zürich macht wirklich alles, damit es einem hier nicht allzu gut gefällt. Wieso wird nun ein weiteres Gastroangebot ohne triftigen Grund geschlossen?
In Zürich und am See entlang gibt es eh fast keine Gastronomie im Vergleich zu Luzern. Und dass das «Pier 7» auch noch bei Touristen sehr beliebt ist, sollte der Stadt doch wichtig sein, bringen die doch schliesslich viel Geld und sorgen auch dafür, dass Zürich als eine der lebenswertesten Städte viele andere aussticht. Wenn das aber so weitergeht, dann wird ein Abrutschen auf hintere Plätze wohl kaum umgänglich sein. Schade!
Interessiert das die Politiker nicht? Oder vielleicht ist gar kein Bedürfnis da, dass die Stadt auch weiterhin lebens- und liebenswert ist.
Manuela Müller, 8008 Zürich

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