Stefan Kleiser
«Ich war noch ein Nobody», erinnert sich Philipp Kurz. Im Einzel lief es gar nicht: «Ich hatte noch nie im Leben mit Schiedsrichter und Linienrichtern gespielt und war extrem nervös – ich bekam einen Abschuss.» Gleichwohl blieb dem Badmintonspieler die Schweizer Meisterschaft von 1992 in Burgdorf in guter Erinnerung: «Die Atmosphäre war super. Ich war total beeindruckt.» Nun will Kurz den besten Badmintonspielern der Schweiz selbst einen unvergesslichen Event bereiten – mit der Schweizer Meisterschaft 2010, die er vom 4. bis 7. Februar in der Sporthalle Hardau veranstaltet.
Profi-Ambiente ist gefragt
Der 40-jährige Zürcher hilft dem Badmintonverband, sein wichtigstes Turnier aufzumotzen. Die Schweizer Meisterschaft soll weg vom Turnhallen-Mief – gefragt ist ein Ambiente wie an den Profi-Turnieren. «Für die Spieler, die nicht international antreten, ist die Schweizer Meisterschaft das Highlight der Saison. Der Charakter des Turniers hat bisher aber nicht seinem Stellenwert entsprochen», findet Kurz, Präsident des BC Zürich und mit Geschäftspartner Thomas Münzner Besitzer zweier Badmintonhallen beim Bahnhof Hardbrücke und nahe dem Letzigrundstadion.
Kurz und Münzner sponsern mit ihrer Handelsfirma Y GmbH den nationalen Verband mit einer hohen fünfstelligen Summe und rüsten noch dazu die Nationalteams aus. Im Gegenzug darf der Schweizer Vertreter des Sportartikelherstellers Yonex 2010, 2011 und 2012 die Schweizer Meisterschaft durchführen. Bisher hatten stets Clubs den Event veranstaltet – und mussten bei der Organisationsarbeit immer wieder bei null beginnen. «Auch wir hatten einen grossen Aufwand», sagt Philipp Kurz. «Aber wir erwarten, dass er schon 2011 viel kleiner sein wird.»
Den Nationaltrainer angerufen
Badminton gespielt hat Philipp Kurz schon immer. «Im Dorf im Garten war ich der Beste», erinnert sich der Grossgewachsene mit der 1-Millimeter-Frisur. In Gockhausen war das. Einem Club beigetreten ist er aber erst mit 16. «Darum war ich als Junior nie wirklich gut.» Auch der Sprung ins Nationalteam missriet zunächst: «Der Nationaltrainer hatte etwas gegen mich. Ich weiss bis heute nicht, was.» Dem Nachfolger bot sich der 24-Jährige am Telefon als Sparringpartner für die Nationalspieler an.
Später spielte Kurz an der WM, einmal wurde er Schweizer Meister im Doppel, dreimal gewann er mit Genf, wo er fünf Saisons lizenziert war, den Meistertitel. Ein ganz grosser Spieler war er dennoch nie. Er habe zu einer Gruppe von fünf Spielern gehört, die besser gewesen seien als die übrigen Schweizer – aber auch viel schlechter als Serienmeister Thomas Wapp. «Wir waren motiviert und haben hart trainiert. Was ich heute treffe, kommt von der damals antrainierten Substanz.»
Den Lebensunterhalt verdiente sich der Nationalspieler als Trainer in einer Badmintonhalle – bis er 1997 an der Geroldstrasse seine eigene eröffnete. Damals trat er auch aus dem Nationalkader aus, erst 28-jährig. Anfangs sei das Management der Halle eben «ein 7-to-24-Job» gewesen, erklärt Kurz: «In den ersten drei Jahren gab es keinen Tag, an dem ich nicht dort war.» Später eröffneten Kurz und Münzner in Winterthur ein zweites Center (das sie später aber wieder verkauften), und seit Herbst 2009 kann an der Flüelastrasse 27 in Albisrieden Badminton gespielt werden. Hier üben etwa die Cracks von Schweizer Meister Adliswil.
«Eine Kiste voller Medaillen»
In den gleichen Räumlichkeiten in der Überbauung «James» ist auch die Y GmbH zu Hause. Seither greift Philipp Kurz wieder öfter selbst zum Racket. In der Meisterschaft tritt Kurz für die zweite Equipe der Badmintonvereinigung Adliswil-Zürich in der Nationalliga B an. Die Ambitionen sind aber gering, der Faktor Spass der wichtigste. «Ich habe eine Kiste voller SM-Medaillen», erzählt Kurz. Nur eine einzige möchte er noch dazugewinnen. «Wenn man 40 ist, ist die grosse Herausforderung, körperlich mithalten zu können», weiss Kurz.
Gelingt der Sprung auf das Podest schon 2010? Im Herren-Doppel sind Philipp Kurz und Markus Arnet als Nummer fünf gesetzt. Doch im Januar brach sich Kurz eine Rippe. «Mit dem Sohn, beim Schlittschuhfahren.»