Zürich Nord

17_zn_baulinienneu

Das Hochhaus rechts ist von der Baulinienrevision betroffen.  Foto: pm.

Zürich Nord

Platz sichern fürs Tram Affoltern

Am 17. Juni wird über die Baulinienrevision in Affoltern abgestimmt. Umstritten ist die Vorlage wegen des Hochhauses in Neuaffoltern. Die neue Baulinie geht mitten durchs Gebäude. Ein Tramprojekt gibt es jedoch noch nicht.

Pia Meier

Das Tramlinie Affoltern soll ungefähr in den Jahren 2019 bis 2022 realisiert werden. Gemäss einer Umfrage des Quartiervereins Affoltern wird diese von der Bevölkerung mehrheitlich gewünscht. Die Baulinienrevision, die am 17. Juni zur Abstimmung kommt, dient dazu, den Platz für das zukünftige Tram Affoltern zu sichern. Noch sei aber offen, ob die Wehntalerstrasse – es handelt sich um eine kantonale Strasse – je zwei Autospuren plus eine Tramspur in beide Richtungen oder je eine Autospur plus eine Tramspur in beide Richtungen aufweisen soll, hielt Stadträtin Ruth Genner anlässlich einer Medienkonferenz fest. Bei der Baulinienrevision gehe es nur um die strategische Planung. Ein Projekt fürs Tram Affoltern gebe es noch nicht. So könne zum jetzigen Zeitpunkt auch noch nicht gesagt werden, ob das Tram Affoltern einmal tatsächlich auf dieser Strecke fahre.

Die Mehrheit des Gemeinderats (81 zu 39 Stimmen) bewilligte die Revision der Baulinien in Affoltern. SVP, FDP und CVP ergriffen darauf das Behördenreferendum. Grund dafür ist die Liegenschaft an der Wehntalerstrasse 312.

«Meine Liegenschaft ist kaputt»
Diese Liegenschaft – es handelt sich um das Hochhaus – ist von der Baulinienrevision stark betroffen. Die neue Baulinie geht nämlich mitten durchs Gebäude. Die Stadt will diesen Platz für eine allfällige Tramhaltestelle sichern. Gemeinderat Kurt Hüssy (SVP) betont: «Wenn der Stadtrat bereit gewesen wäre, diesen Punkt aus der Baulinienrevision herauszunehmen, wäre es gar nicht zum Behördenreferendum gekommen.» Friedrich Kunz, Besitzer der Liegenschaft, hält fest: «Meine Liegenschaft wird durch diese Baulinienrevision zerstört.» Ein Grund dafür sei, dass die Zufahrt zu allen Liegenschaften neben dem Hochhaus durch die neue Baulinie abgeschnitten wird. Er verstehe auch nicht, warum er jetzt noch gewisse Sanierungen vornehmen müsse, denn sein Haus werde durch die Baulinienrevision entwertet. Zurzeit hätten das Hochhaus und die benachbarte Liegenschaft, die ihm ebenfalls gehöre, noch einen Verkehrswert von 9 Millionen Franken. Nach der Abstimmung sei dieser auf nahezu null. Genner wies darauf hin, dass es noch nicht sicher sei, dass dieser Platz überhaupt benötigt werde.

Kunz war von der SVP über das städtische Projekt informiert worden und nicht durch die Stadt. Genner betonte, dass dies der normale Verfahrensablauf sei. Die Liegenschaftenbesitzer würden von der Stadt erst informiert , wenn ein konkretes Projekt vorliege. Zudem sei alles im Internet einsehbar.
Aber nicht nur das Hochhaus, sondern verschiedene andere Liegenschaften entlang der Wehntalerstrasse, wie zum Beispiel das Restaurant Frieden, sind von der Baulinienrevision betroffen.

Über gesamtes Paket abstimmen

Bei der Abstimmung am 17. Juni wird nicht über einzelne Baulinien, sondern über das ganze Paket abgestimmt. «Wir brauchen Planungssicherheit», so das Tiefbauamt. «Und diese Sicherheit gewinnen wir nur durch frühzeitigesFestlegen von Baulinien.»

Wenn die Stimmberechtigten die Vorlage gutheissen, werden sämtliche Baulinienänderungen im Quartier Affoltern neu festgesetzt. Somit kann die Anpassungen an die übergeordneten Richtpläne vorgenommen und der Platz für künftige Projekte gesichert werden. Die Stadt kann dann die Gebäude ausserhalb der Baulinie gegen Entschädigung enteignen und abreissen. Sollten Gerichte in allfälligen Rekursverfahren oder der Kanton im Genehmigungsverfahren Änderungen anordnen, könnten diese durch den Stadtrat vorgenommen werden.

Wenn die Stimmberechtigten die Vorlage ablehnen, ist die gesamte Vorlage der Baulinienänderung im Quartier Affoltern gegenstandslos. Der Stadtrat muss dem Gemeinderat dann eine neue Baulinienvorlage zur erneuten Festsetzung unterbreiten, damit die notwendigen Anpassungen an den übergeordneten Richtplan doch noch erfolgen können.

Zürich Nord