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Haben bei manchen Erwachsenen das Gefühl, sich dafür entschuldigen zu müssen, jung zu sein: Liv Rosset (hinten) und Naomi Biaduno. Foto: rs.

«Warum lässt man uns nicht einfach in Ruhe?»

Immer mehr Erwachsene fühlen sich von Jugend­lichen belästigt. Umgekehrt ist es aber genauso, wie ein gut besetztes und besuchtes Podium zeigte.

Roger Suter

«Jugendliche sind laut und frech, klauen, machen Dreck und Lärm» ist ein gängiges Klischee (wobei man umgekehrt sagen müsste, dass laute Strassen, veruntreute Millionen und auslaufende AKW definitiv Sache der Erwachsenen sind). Diejenigen Jungen, auf die das nicht zutrifft – und das sind die meisten –, fühlen sich durch die Abwehrhaltung der Erwachsenen schikaniert. Wehren sie sich aber, sehen sich die Erwachsenen ihr Vorurteil bestätigt. Ein Teufelskreis.

Diesen zu durchbrechen, war das Ziel einer offenen Diskussion am Donnerstag vergangener Woche im GZ Buchegg. Oder zumindest, das Verständnis zwischen Jungen und Älteren zu fördern – denn damit haperts am meisten.

Zum Einstieg hatten Jugendliche aus dem Quartier in gefilmten Kurzinterviews Positives (Kollegen treffen, draussen sein), und Negatives (intolerante Erwachsene, häufige und unnötige Kontrollen) formuliert; Naomi Biaduo und Liv Rosset, beide 14 Jahre alt, vertraten ihre Generation auf dem Podium.

Mit Schaukel vertrieben

Daniela Lager, Quartierbewohnerin, Fernsehmoderatorin und Mutter, hat selber festgestellt, dass es im Kreis 6 zwar jede Menge Spielplätze und Sandkästen für kleine Kinder, aber kaum etwas für die grösseren gibt: «Nach dem Pingpong-Tisch ist fertig.» Und Treffpunkte, die sich die Jugendlichen selber suchen, werden zerstört, monierte Joachim Aeschlimann, Initiator des Freestyleparks Buchegg. «Wir trafen uns jeweils weitab von Anwohnern auf der Altherr-Terrasse», erzählte er. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion habe jemand dann genau dort, wo sie jeweils gesessen hatten, eine Art Schaukel hingestellt.

Rolf André Siegenthaler, Präsident der SVP Zürich und ebenfalls Quartierbewohner, begründete die Aktion mit «Reklamationen über die Sauerei und offenen Feuerstellen» auf der «vergandeten Terrasse».

Immer erst die Polizei

Tun denn die Jugendlichen selber etwas gegen die Vandalen, die ihrem Anliegen doch schaden, wollte Lager wissen. «Das sind meist ältere, vor denen haben wir auch Angst», erklärte Liv. «Aber es sind Einzelne, doch bestraft werden wir alle!» Ein andermal habe sie mit Kolleginnen beim «Rigiblick» um 21.45 Uhr Musik gehört – und schon sei die Polizei aufgetaucht, weil sich jemand telefonisch beschwert habe. Rolf Stucker vom Jugenddienst der Stadtpolizei erklärte, dass diese ihren Job machen müsse und die Jungen zuerst ermahne. «Das nützt immer; ein Elternbesuch war meines Wissens noch nie nötig.» Und Christian Fischer, Betriebsleiter der Gruppe Sicherheit, Intervention, Prävention (Sip), erklärte, es sei jeden Frühling dasselbe, «bis die Regeln wieder klar sind». Die Sip suche aber auch das Gespräch mit reklamierenden Anrufern und würde einen notorischen Querulanten auch mal mit auf die angeblich so laute Strasse nehmen, versicherte Fischer.

Damit war man beim Grundübel angelangt, laut Lager «so banal, dass ich es fast nicht zu sagen wage: Redet miteinander», – nicht nur via Polizei. Marianne Scheidegger vom Quartierverein und Esther Straub von der SP boten Vermittlungsdienste an, und Fischer empfahl: «Streitet weiter! Das braucht es.» Naomi wünschte sich mehr Unterstützung und Toleranz für Jugendprojekte, und Liv brachte es auf den Punkt: «Ihr sollt uns nicht Platz schaffen, sondern Platz lassen!»