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Im «Noerd» ziehen Firmen ein wie JWT+H+F, Ogilvy & Mather, Aroma, MetallWerk Zürich und Freitag. Bild: Rolf Trechsel.

«Noerd» holt Kreative nach Oerlikon

Ein ungewöhnliches Gewerbehaus nimmt in diesen Tagen den Betrieb auf – und bringt kreative Firmen wie Freitag, Aroma sowie internationale Werbeagenturen nach Oerlikon.

Rolf Trechsel

Finanzdienstleister, Technologie- und Rüstungsfirmen prägen das Gesicht von Neu-Oerlikon – ein Quartier für die Kreativwirtschaft war das bisher nicht. «Noch nicht – das wird sich ändern», ist Peter Britschgi, administrativer Leiter der Werbeagentur JWT+H+F, überzeugt. «Wenn so viele kreative Firmen sich ansiedelten, verändert dies das Quartier.»
Grund für die neue Attraktivität von Neu-Oerlikon ist das Gewerbehaus «Noerd». Entscheidend für den Umzug nach Oerlikon waren für JWT die speziellen Räume mit Industrie-Charakter und die Möglichkeiten, eigene Wünsche einzubringen. «Ein Kreativer passt nicht in ein Bürohaus, eher in ein Fabrik- oder Handwerkergebäude», sagt Britschgi. Vom Maag-Areal in einen nahen Büroturm wechseln war für die Agentur deshalb keine Option. «Wir haben etwas Spezielles gesucht.»

«Low-Tech-Haus»

Tatsächlich ist «Noerd» kein gewöhnliches Gewerbehaus. Als ­
«Low-Tech-Haus» und als «Rauhes Werkhaus» charakterisiert Imma­nuel Streuli, Leiter Projektentwicklung/Marketing der St. Galler Generalunternehmung Senn BPM, das Gebäude. Industrieatmosphäre, umweltfreundliche, rohe Materialien, flexible Räume, eigene Gestaltungsmöglichkeiten für die einziehenden Firmen kennzeichnen den Bau an der Binzmühlestrasse 170. Der grosse Fensteranteil bringt viel Licht in die Räume; das Dach sammelt Wasser für die Waschanlage der Freitag-Lastwagenplanen.
Herzstück des Neubaus ist eine acht Meter hohe, sehr grosse Fabrikationshalle im Gebäudesockel, die von Freitag, Aroma und dem Metallwerk Zürich genutzt wird. Zu dieser Halle hin orientieren sich die Ateliers und Büros, welche von umlaufenden Balkonen eingefasst werden. Die Aufbauten mit weiteren Büro- und Gewerberäumen sowie einer Kan­tine stehen s-förmig auf der Halle; zwischen ihnen entsteht eine ausgedehnte begehbare Dachlandschaft mit Gräsern, Stauden und Kleinbäumen. Diese gemeinsame Kantine ist ­
ein wichtiges Element des «Noerd»-Konzepts. «Wir sind überzeugt, dass diese Kantine ein Ort von regen und ideenreichen Diskussionen sein wird», sagt Lukas Meier, Inhaber und CEO von Aroma. «Das Gewerbehaus Noerd wird eine kreative Drehscheibe werden und schafft neuen, kreativen Raum in einem Stadtteil, der bis anhin von der Kreativwirtschaft etwas vernachlässigt wurde.»
Wer warum ins «Noerd» einzieht: Freitag: Der Taschenhersteller ist Initiant des Projektes. Anlass: Die Kündigung der Räumlichkeiten auf dem Maag-Areal. Der damalige ­Freitag-Geschäftsführer Immanuel Streuli identifizierte sich so mit ­
dem Projekt, dass er während der Planungsphase als Leiter Projektentwicklung zur Generalunternehmung Senn BPM wechselte, welche das Projekt zusammen mit Freitag und Aroma erarbeitete.
Aroma: Von Beginn weg dabei ­ist auch Aroma. Die Firma für ­«dreidimensionale Kommunikation» braucht viel Platz für Kreation und Lager. Aroma realisiert auch Auf­tritte an Ausstellungen und profitiert deshalb neu von der Nähe zur Messe Zürich. Vor allem sind nun alle Firmenteile – von der Beratung über ­
die Kreation bis zur Umsetzung – und alle rund 50 Mitarbeitenden am gleichen Ort. Ein spezieller Innenausbau konnte realisiert werden, ist aber noch geheim.
Metall Werk Zürich: Die Metallbaufirma zog von der Birchstrasse 106 ins «Noerd». «Der Hauptgrund ist unser Geschäftspartner Aroma, mit dem wir so einfacher zusammenarbeiten können», sagt Samuel Fausch. «Auch haben wir so mehr Platz, die Räume sind zahlbar, die Architektur ist okay und die gemeinsame Kantine ein Plus.»
Ogilvy & Mather: Sie ist Nr. 10 der Schweizer Werbeagenturen und die Schweizer Niederlassung der grossen Internationalen Werbeagentur gleichen Namens mit 500 Büros in 125 Ländern. Mit dem Umzug können die Abteilungen von Ogilvy & Mather Schweiz mit total rund 55 Mitarbeitenden ­an einem Standort zusammengelegt werden.
JWT+H+F: Die Agentur mit ­dem fast unaussprechlichen Namen ist die Schweizer Niederlassung der Werbeagentur JWT (bis Februar 2005 J. Walter Thompson) mit weltweit rund 200 Büros in 90 Ländern. Wie Freitag muss auch diese Firma das Maag-Areal wegen Abbruch verlassen – Mitte Juli ziehen die 21 Mitarbeitenden nach Oerlikon.
Mit von der Partie sind zudem mehrere kleinere Kommunikationsagenturen. Noch sind Flächen frei.