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Zuerst werden die Planen auf riesigen Tischen von Ösen befreit und handlich zugeschnitten.    Fotos: rt.

Die Freitag-Taschenfabrik als Designerstück

Die Gebrüder Freitag präsentierten am Freitag
die neuen Räume ihrer Taschen-Firma in Oerlikon. Das Gebäude ist ein ökologisches und gestalterisches Musterbeispiel.

Rolf Trechsel

Markus Freitag freut sich, wenn es regnet. Denn dann füllt sich der riesige unterirdische Tank mit dem Regenwasser des Gewerbehaus-Daches, in dem die Firma Freitag und andere befreundete Firmen arbeiten. Das Wasser aus dem 350 Kubikmeter-Pool wird benötigt, um die gebrauchten Lastwagen-Planen zu waschen. Stolz zeigten die Gebrüder Markus und Daniel Freitag am letzten Freitag den Medien, wie ihre Taschenmanufaktur die Wiederverwendung auf die Spitze triebt: So wird das letzte, relativ saubere Spülwasser für die nächste Vorwäsche der Planen verwendet. Wiederverwendet wird zudem die Temperatur des gebrauchten Wassers, um das saubere Regenwasser aufzuheizen.

Auch sonst spielt das von «Freitag» initierte und vom Generalunternehmer BPM Senn gebaute Gewerbehaus «Noerd» an der Binzmühlestrasse 170 den ökologischen Musterknaben: Ein Dachgarten gibt die überbaute Fläche der Natur teilweise zurück, grosse, aber gut isolierte Fenster sorgen für Licht ohne Energieverbrauch, auf eine Lüftung wurde verzichtet.

Eine Designer-Fabrik
Neben der Ökologie ist auch Gestaltung der Räume für die rund 130 Mitarbeitenden im Detail durchdacht: Die ausgeklügelten Abläufe der Produktion sind gut ablesbar, der Wille zu Einfachheit und Klarheit sichtbar. Beeindruckend, wie konsequent einfache Materialien wie Beton, eloxierter Stahl und Holz in hoher Qualität verarbeitet und eingesetzt wurden. Für die Inneneinrichtung wurden eigens entworfene Möbel und Elemente entwickelt, welche genau auf den Betriebsalltag zugeschnitten sind. Die Tische und fahrbaren Gestelle betonen in ihrem dunklen Grün die industrielle Atmosphäre der Räume.

Planen aus ganz Europa
Die Basis der Taschenproduktion sind nach wie vor die gebrauchten Lastwagenplanen, die aus ganz Europa nach Oerlikon transportiert werden. Drei Mitarbeitende von Freitag organisieren die Beschaffung gemeinsam mit örtlichen Vermittlern. «Je nach Farbe sind wir ganz unterschiedlich interessiert an den Planen: Planen in Pink und Schwarz sind schon fast Anlass für ein Fest», sagt Markus Freitag. Die angelieferten Blachen werden auf riesigen Tischen in der Haupthalle von starken Männern von Randverstärkungen und Ösen befreit auf eine handlichere Grösse zugeschnitten. Überdimensionierte Waschmaschinen befreien anschliessend die Planen vom Strassenstaub. Die gereinigten Planen warten dann nach Farbe sortiert im riesigen Lager auf die weitere Verarbeitung.

Die eigentliche kreative Arbeit ist der Zuschnitt: Mit einer Schablone wählen Gestalterinnen und Gestalter die Ausschnitte so, das sich die spannendsten Taschenmuster ergeben. Gefertigt werden die jährlich rund 300 000 Taschen allerdings von Nähereien in Frankreich, Tschechien, Portugal und Tunesien. «Man achte bei den Partnern auf geografische Nähe, Qualität und soziale Verantwortung meinte Markus Freitag etwas unbestimmt. Qualitätskontrolle, Vertrieb und auch der Online-shop sind wiederum in Oerlikon konzentriert.
Doch wie fühlt sind die Freitag-Familie nach dem Umzug vom trendigen Maag-Areal ins vergleichsweise abgelegene Oerlikon? «Ich liebe Gebiete, wo es noch Brachen und Spielräume gibt, und das ist in Oerlikon der Fall», sagt Daniel Freitag. Und sein Bruder Markus ergänzt: «Für mich ist Oerlikon ein bisschen wie Zürich West zu der Zeit, als wir dort mit der Produktion angefangen haben.»