(Fehl-)Alarm in Zürich Nord?

Ich wohne in einem ruhigen Quartier in Oerlikon. Der einzige Lärm, der die Idylle trübt, sind die Sirenen der Polizeiautos, die zu jeder Tages- und leider auch Nachtzeit vom nahe gelegenen Polizeiposten aus in alle Richtungen losbrausen. Schon oft wurde mir angst und bang, wenn ich hörte, dass gleich mehrere Wagen auf die Route gehen. Da muss etwas ganz Schlimmes passiert sein, denke ich dann und hoffe, dass meine Familie gesund nach Hause kommt. Wenn ich dann aber die Polizeinachrichten nach Gründen für die beklemmenden Aktivitäten suche, finde ich nichts.

Offenbar geht es anderen Bewohnerinnen und Bewohnern in Zürich Nord ähnlich, denn letzte Woche erfolgte in der Ratssitzung eine schriftliche Anfrage der SVP-Gemeinderäte Kurt Hüssy und Heinz Schatt an den Stadtrat, welche Polizeimeldungen der Öffentlichkeit vorgelegt werden und welche nicht. Grund für diese Anfrage war ein Grosseinsatz von Schutz und Rettung und Polizei in der Nacht vom 7. auf den 8. Januar im GZ Hirzenbach, der im Quartier für Unruhe und Angst sorgte. Weder wir von der Presse noch sonst jemand hat davon erfahren. Im Quartier habe danach die Gerüchteküche gebrodelt, schreiben die Gemeinderäte.

Wie sie interessiert auch uns von der Presse die Frage, was eine Medienmitteilung wert ist und was nicht. Warum Taten von Kleinkriminellen kommuniziert werden und andere, offenbar gravierende Vorfälle nicht. Dass die Leute informiert werden möchten, liegt nicht nur daran, dass sie neugierig sind, sondern auch an ihrem Wunsch nach offener Kommunikation. Mit Tatbeständen, die man kennt, kann man besser umgehen als mit diffusen, von Gerüchten genährten Ängsten. Ich bin jedenfalls gespannt auf die Antwort des Stadtrats.

Auf ein Wort von Karin Steiner