
Die Rietli-Brauerei hat den Betrieb stetig modernisiert. Dieses Foto ist um 1888 datiert. Foto: Baugeschichtliches Archiv Zürich (Negativ: QV Unterstrass).
Archäologischer Fund in Unterstrass
Bei Bauarbeiten im ehemaligen Restaurant Riedtli an der Kinkelstrasse sind Überreste eines alten Gewölbes zum Vorschein gekommen. Es gehörte im 19. Jahrhundert zu einer Bierbrauerei.
Karin Steiner
«Das Tonnengewölbe aus Backsteinen ist ein Überrest eines Kellerraums der einstigen Bierbrauerei Gambrinus», sagt Andreas Motschi von der Stadtarchäologie Zürich, der den Fund begutachtete. «Es handelt sich um den gewölbten Bier- oder den Malzkeller, und man kann ihn als Teil des Neubaus von 1825 für di×e Gambrinus-Brauerei von Melchior Erdinger identifizieren.» Bevor dieser Neubau entstand, befand sich schon im 18. Jahrhundert an dieser Stelle das Landgut «im Riedtli», auch «Bürgli» oder «Schlössli» genannt. Das Wohnhaus mit Nebengebäude wurde 1825 von Melchior Erdinger erworben und umgebaut. Im grossen Haupthaus entstand ein Restaurant mit lauschigem Biergarten, und in den Nebengebäuden wurde die Gambrinus-Brauerei eingerichtet. Am 7. November 1825 machte Erdinger ein Inserat im «Zürcherischen Wochenspiegel», in dem er nicht nur sein Bier, seine Weineund Liqueurs anpries, sondern auch Zimmer mit und ohne Kost feilbot.
Zu jener Zeit erlebte die Bierbrauerei in Zürich und Umgebung einen richtigen Boom. Dennoch war das Schicksal der Riedtli-Brauerei von Hochs und Tiefs geprägt. Nach dem Tod von Melchior Erdinger ging das Anwesen an seine Witwe Barbara über, und ein Sohn namens Georg übernahm die Geschäfte, vermutlich ohne Erfolg, denn schon ein Jahr später pachtete Kaspar Horber, der später auch die Brauerei zur Linde in Oberstrass kaufte, den Betrieb. 1851 verkaufte die Familie Erdinger die Riedtli-Brauerei. Nach verschiedenen Besitzerwechseln ging sie 1904 an die Aktiengesellschaft Vereinigte Brauereien Zürich über, und diese wurden im selben Jahr von der Union-Brauerei übernommen, welche den Betrieb der Gambrinus-Brauerei sofort einstellte. Ein grosser Teil der Gebäude und Einrichtungen wurden abgetragen und ein Teil der Wirtschaft durch eine Trinkhalle und eine Kegelbahn ersetzt. 1926 wurde das alte Restaurant Riedtli abgebrochen und durch den heutigen Bau ersetzt.
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