Sinnvolle Beschäftigung im Quartier

Katholische und reformierte Kirche sowie Nachbarschaftshilfe Affoltern wollen sich für Ausgesteuerte, IV-Rentner und Sozialhilfeempfänger einsetzen. Sie haben deshalb das Projekt «Perlen» lanciert.

Pia Meier

In der Stadt Zürich gibt es eine Vielzahl von Menschen, die ausgesteuert, IV-Rentner, Sozialhilfeempfänger oder sonst Menschen am Rand der Gesellschaft sind. Da diese Menschen vermeintlich gesellschaftlich nicht mehr gebraucht werden und zudem mit einem absoluten Minimum an Geld auskommen müssen, besteht unter anderem die Gefahr der Vereinsamung. Um betroffenen Affoltemerinnen und Affoltemern eine sinnvolle Beschäftigung zu geben, haben die Pfarrei St. Katharina, die reformierte Kirchgemeinde Affoltern und die Nachbarschaftshilfe Affoltern ein neues Projekt lanciert: «Perlen in Zürich-Affoltern».

«Der Name Perlen wurde gewählt, weil Perlen in einer rauen, unansehnlichen Schale, das heisst in Austern entstehen», erklärt Kurt Zogg von der Pfarrei St. Katharina. Auch Menschen wie Ausgesteuerte oder Sozialhilfeempfänger lebten in einer rauen Umgebung. Zudem soll der Begriff «Perlen» zeigen, dass man nicht nur auf die Schale achten dürfe, sondern auch auf das Innere. «In Seebach gibt es ein ähnliches Projekt, das wir zum Vorbild genommen haben», hält Zogg fest. Auch das Sozialamt begrüsse dieses Projekt, obwohl es verschiedene staatliche Institutionen gebe. «Das Hauptproblem dieser Menschen ist das Nichts-zuTun-Haben», betont Zogg. Auch in Affoltern gebe es gemäss den Erfahrungen der Kirchen zahlreiche betroffene Personen.

Zweistündiger Einsatz
Das Projekt funktioniert wie folgt: Immer am Mittwoch um 9 Uhr treffen sich betroffene Menschen bei der Nachbarschaftshilfe an der Riedenhaldenstrasse 1 in Affoltern. Dort werden die Arbeiten verteilt. Es handelt sich dabei um zweistündige Einsätze zum Beispiel für Quartierinstitutionen. Dafür erhalten die Eingesetzten 25 Franken. «Dieser Betrag wurde bewusst in dieser Höhe festgelegt, denn so wird er von der IV-Rente oder der Sozialhilfe nicht abgezogen», erläutert Zogg. Von 11.15 bis 12.30 Uhr wird dann gemeinsam ein einfaches Mittagessen eingenommen, alternierend von der Pfarrei St. Katharina oder der reformierten Kirche Glaubten offeriert. « Sponsoren dafür wurden gefunden», freut sich Zogg. «Wir wollen diesen Menschen nicht einfach Geld geben, sondern sie sinnvoll einsetzen.» Die Einsätze werden von der Nachbarschaftshilfe koordiniert. Man will aber das lokale Gewerbe mit diesen Einsätzen nicht konkurrenzieren.

Noch zu wenig Echo
Das Projekt wurde im Dezember 2011 gestartet, allerdings ist das Echo bisher klein. «Ein Grund dafür ist sicher, dass sich Menschen in einer solchen Situation nicht outen wollen», hält Zogg fest. «Es braucht deshalb etwas Zeit.» Zehn Freiwillige würden zur Verfügung stehen.
Das Projekt hat mit dem «Dörfli für Randständige» von Pfarrer Sieber in Affoltern, welches Anfang Mai bezogen wird, nichts zu tun. Man könnte sich aber vorstellen, in irgendwelcher Form zusammenzuarbeiten, so Zogg.