EWZ is watching you

Pia Meier

Viele Leute beklagen, dass wir in einer anonymen Welt leben. In einer Welt, in der sich niemand um den anderen kümmert oder sich interessiert. Ich bin da anderer Meinung. Es gibt immer wieder Situationen in meinem Alltag, die mir beweisen, dass dem nicht so ist. So bemerkte kürzlich ein Kollege zu mir: «Bei Dir brannte bis morgens um 2 Uhr kein Licht. Wo warst Du? Wir haben uns richtig Sorgen gemacht.» Der Nebel zwischen unseren Siedlungen muss in dieser Nacht sehr dicht gewesen sein. Grundsätzlich aber stört mich das nicht. Es beschäftigte mich auch nicht, als die Quartierpolizei meinte, ich hätte mich aber sehr lange vor ihrem Gebäude mit jemandem unterhalten. Auch die Videokamera im Bus oder im Zug oder bei Haltestellen kümmern mich wenig. Im Gegenteil, ich sehe darin viele Vorzüge, vor allem mehr Sicherheit.
So fand ich auch nichts dabei, als mich das EWZ anfragte, ob ich bei der Studie «Smart Metering» mitmache. Auch die können bei mir reinschauen, dachte ich. Doch einige Kollegen – notabene Politiker – wiesen mich darauf hin, dass dies aus Datenschutzgründen problematisch sein könne. Schliesslich könne das EWZ aus meinem Stromverbrauch gewisse Rückschlüsse auf meinen Lebenswandel ziehen. Dies veranlasste mich, das umfangreiche Datenschutzkonzept zu dieser Studie zu lesen. Kurz zusammengefasst: «Der Schutz der Privatsphäre der Studienteilnehmenden ist uns wichtig. Die anonymisierten Daten werden ausschliesslich zu wissenschaftlichen Zwecken genutzt und nicht an Dritte weitergegeben. Das Datenschutzkonzept wurde durch den Datenschutzbeauftragten der Stadt Zürich geprüft und akzeptiert.» Das Konzept überzeugte mich und ich war beruhigt.
Trotzdem, es ist mir absolut klar, dass jemand, der meinen Stromverbrauch regelmässig erfasst, gewisse Rückschlüsse ziehen kann. Doch das EWZ weiss nicht alles. Wenn bei mir zum Beispiel morgens um 2 Uhr noch das Licht brennt und der Fernseher läuft, weiss das EWZ zwar, dass ich Strom brauche. Was das EWZ aber nicht weiss, meine Nachbarn allerdings schon längst, ist, dass ich dann auf dem Sofa liege und vor dem Fernseher eingeschlafen bin.

Der Weg zur 2000-Watt-Gesellschaft

Die ewz-Studie «Smart Metering» untersucht bis Ende 2012 gemeinsam mit dem Bundesamt für Energie und den Universitäten Lausanne und Zürich die Wirksamkeit und den Einfluss der Visualisierung auf den Stromverbrauch im Vergleich zu anderen Informationsmassnahmen. Dies auch im Hinblick auf die 2000-Watt-Gesellschaft. 5000 Haushalte in der Stadt Zürich nehmen daran teil. Pia Meier berichtet laufend über ihre Erfahrungen.