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Titelgeschichte

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«‹Kuschelclub› empfinde ich als Kompliment»


Stadtrat Robert Neukomm umrahmt vom Sydefädeli-Chor. Foto: pm.

Stadtrat Robert Neukomm erzählte im Altersheim Sydefädeli in Wipkingen Geschichten aus seiner Amtszeit und was er im Koffer in die Zeit danach mitnimmt.

Pia Meier

«Dies ist wohl der letzte öffentliche Auftritt von Stadtrat Robert Neukomm», hielt Monika Bätschmann, Leiterin Altersheim Sydefädeli, fest. Mit ernstem Gesicht begann «Bobby» (SP), der im Quartier wohnt, zu erzählen. Er war von 1986 bis 1990 im Gemeinderat. 1990 wurde er in den Stadtrat gewählt, bis 1998 leitete er das Polizeidepartement. «Ich erinnere mich noch ganz genau an meinen ersten Arbeitstag am 25. April 1990», erzählte er. Er sei in einen politisch zerrissenen, links-rechts orientierten Stadtrat gekommen. In derselben Situation sei damals die Stadt gewesen. Themen wie Fichenaffäre und Platzspitz sorgten für Schlagzeilen. Die Polizei sei anfangs sehr skeptisch ihm gegenüber gewesen. Er habe aber alle dank seiner Art, nicht mit dem Reisbesen herauszuputzen, sondern offen auf alle zuzugehen, überzeugt. «Ich habe nie Einzelne verantwortlich gemacht.» Der Start sei aber schwierig gewesen, obwohl es nur sein Ziel war, stets möglichst sicher in der Stadt leben zu können.

«Das Polizeidepartement war ein Verschleissdepartement, deshalb war ich froh, dass ich zum Gesundheits- und Umweltdepartement (GUD) wechseln konnte», hielt Neukomm fest. Dort sei es ihm stets ein Anliegen gewesen, die älteren Menschen als vollwertige Mitglieder der Gesellschaft zu akzeptieren und mit ihnen einen korrekten Umgang zu pflegen. Ebenso wichtig sei ihm immer die Autonomie der Betagten gewesen. «Ich habe diesbezüglich viel erreicht, als die Suizidbeihilfe erlaubt wurde», hielt Neukomm fest. Das GUD habe ein riesiges Portfolio an Gebäuden. Sukzessive seien Erneuerungen, vor allem bei den Altersheimen, angegangen worden.

Nicht reden, sondern handeln

Er habe im Stadtrat viel investiert in die Zusammenarbeit. Wenn heute jemand den Stadtrat als Kuschelclub bezeichne, empfinde er dies als positiv. «Der Stadtrat will nicht nur reden wie der Gemeinderat, sondern auch handeln», betonte Neukomm. Eine wichtige Aufgabe des Stadtrats sei es, die Finanzen im Griff zu haben. «Es ist mir dabei wichtig, dass nicht bei den Schwächsten gespart wird.» Zudem können Steuern gemäss Neukomm nicht beliebig gesenkt werden, denn damit würden nur die Reichen geschont.

«Blaumachen»

Er habe sich immer auf seine Partei, Freunde und Familie verlassen können. Zweimal pro Jahr hat Neukomm «blaugemacht». Dann war er für niemanden, auch nicht auf dem Natel, erreichbar. An solchen Tagen geht er mit einem Freund wandern oder skifahren.

Zürich ist die schönste Stadt der Welt, er sei deshalb mächtig stolz, Stadtrat dieser Stadt zu sein, so Neukomm weiter. Er habe als solcher spannende und interessante Menschen kennengelernt. Nun spüre
er aber Ermüdungserscheinungen. Schlagzeilen wie zum Beispiel diejenigen zur Geothermie vertrage er nicht mehr, meinte der 62-Jährige. Nun wolle er Neues ausprobieren und neue Energien anzapfen. Er mache den Schritt in diese neue Lebensphase zusammen mit seiner Frau und wolle sich neu orientieren. Was er genau machen wird, wollte er aber nicht sagen.

Genug Abwechslung im Altersheim

Die Verhältnisse auf den Trottoirs sind wegen der Schneefälle und wegen Salzmangel teilweise prekär. Dies stört die Altersheimbewohnerinnen und -bewohner offensichtlich nicht. Sie bleiben einfach drinnen und sind zufrieden dabei. «In den Altersheimen wird sehr viel geboten. Es ist nie langweilig», betonte Kurt Schmidli im Altersheim Wolfswinkel stellvertretend für zahlreiche andere betagte Menschen. «Wir warten einfach, bis es wieder besser wird», meinten einige Bewohnerinnen des «Sydefädeli». Und die Besucherinnen und Besucher kommen trotzdem, sogar von auswärts.

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