Pia Meier
Trotz Finanzkrise wird in Zürich weitergebaut. Es soll keine Sparübung auf Kosten künftiger Jahre geben. Dies teilt der Stadtrat mit. Im Rahmen der Ausgestaltung des integrierten Aufgaben- und Finanzplans 2010 bis 2014 hält der Stadtrat am Plafond von jährlich rund 300 Millionen Franken brutto Bauausgaben fest. Unter dieses Dach passt allerdings das geplante Altersheim Köschenrüti in Seebach nicht mehr. Auf dessen Bau wird deshalb verzichtet.
Baureifes Projekt
Dieser Verzicht überrascht umso mehr, weil im Jahr 2007 ein Projektwettbewerb fürs geplante Altersheim Köschenrüti durchführt wurde. In diesem waren 126 Plätze für betagte Menschen vorgesehen. Das komplexe Raumprogramm umfasste neben dem Individualbereich und Gemeinschaftsflächen auch Dienstleistungsflächen für Drittnutzer. Das Projekt von Bob Gysin und Partner wurde von der Jury zum Sieger des Wettbewerbs erkoren und zur Weiterbearbeitung empfohlen. Doch nun soll alles anders kommen. «Die Stadt hat entschieden, aus finanziellen Gründen auf dieses Altersheim zu verzichten», erläutert Urs Spinner, Mediensprecher des Hochbaudepartements der Stadt Zürich. Das für dieses Projekt vorgesehene Land soll nun im Baurecht an die Stiftung Alterswohnungen der Stadt Zürich (SAW) abgegeben werden. Man stelle sich vor, dass diese Stiftung dort Wohnungen für gleich viele Betagte baue wie im Altersheim Platz gehabt hätten. So werde auch in Zukunft für die betagten Menschen im Quartier gesorgt. Zudem sei der Bedarf für Alterswohnungen ausgewiesen. Es sei ein stadträtlicher Entscheid gewesen, eine Vernehmlassung habe nicht stattgefunden. Sobald man mehr wisse, werde man im Quartier informieren.
Altersheim und Alterswohnungen
Dieser Entscheid der Stadt beschäftigt Peter Bielmann, Präsident des Quartiervereins Seebach, stark. «Am 30. Januar 2007 durften wir die interessierte Bevölkerung zusammen mit Vertretern der Stadt zu einem Informationsabend begrüssen, an dem das Siegerprojekt vorgestellt wurde», fasst er zusammen. Viele Seebacherinnen und Seebacher hätten dort ihr Interesse bekundet, denn es sei der Wunsch vieler, im Alter im Quartier bleiben zu können. Einige hätten mit der Suche nach geeigneten Wohnungen zugewartet, weil sie sich auf das Altersheim Köschenrüti gefreut hätten. «Und nun wird auf dessen Bau verzichtet», so Bielmann frustriert.
Zudem gebe es in Seebach bereits ein Projekt in Zusammenarbeit mit der Stiftung für Alterswohnungen, nämlich bei der Endstation. «Es wäre zu wünschen gewesen, dass beide Formen, das heisst Altersheim und Alterswohnungen, in Seebach möglich gewesen wären», betont Bielmann. «Es ist unverständlich, dass ein bereits vorhandenes, und wie der Bevölkerung versichert und präsentiert wurde, baureifes Projekt nicht realisiert wird.» Scheinbar sei dem Stadtrat die Altersfürsorge in einem sich stark entwickelnden Quartier wie Seebach, wo in nächster Zukunft der Bedarf an Plätzen in Altersheimen sicher steigen werde, nicht wichtig genug. Die Stiftung für Alterswohnungen der Stadt Zürich versucht allerdings die Gemüter zu beruhigen.
«Wir sind überrascht»
Linda Mantovani, Direktorin Stiftung für Alterswohnungen, hatte auch erst vor wenigen Tagen von ihrem «Glück» erfahren. «Wir sind erfreut, aber auch überrascht, dass die Stadt uns das Land anbieten will», hält sie fest. Die Stiftung habe nicht damit gerecht. Deshalb müsse zuerst der Stiftungsrat entscheiden, was nun gemacht werde. Der Bedarf an Alterswohnungen in der Stadt Zürich sei allerdings gross. Es bestehe zurzeit mit 2400 Personen eine lange Warteliste. Allgemein stellt sie fest, dass die betagten Menschen lieber in eine Wohnung als in ein Zimmer im Altersheim ziehen. Zudem seien die Wohnungen der Stiftung im Gegensatz zu anderen Institutionen bezahlbar. «Die Stadt will sich auch in Zukunft für die betagten Menschen in Seebach einsetzen», versichert sie.