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Titelgeschichte

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«Maria Lourdes»: Zeitzeugen erzählen


Die Glockenweihe in der modernen Seebacher Kirche im Jahr 1941 war ein grosses Ereignis. Foto: zvg.

Fussball oder Ministrieren. Manipulierte Bilder des Kirchturms. Die Geschichte und Geschichten rund um die Pfarrei Maria Lourdes begeisterten die Seebacherinnen und Seebacher.

Pia Meier

Die Seebacherinnen und Seebacher erschienen sehr zahlreich zum Anlass «Geschichte und Geschichten» im Rahmen des 75-Jahr-Jubiläums der Kirche Maria Lourdes. Unter ihnen waren zwei Junge. Sie lockerten den Anlass durch ihre Fragen auf.

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Die katholische Kirche Maria Lourdes wurde während der Wirtschaftskrise der 1930er Jahre gebaut. Diese Krise hatte grosse soziale Konsequenzen. So bewilligte 1933 Seebach die Winterhilfe für Arbeitslose. Alleinstehende mit Haushalt erhielten 1.20 Franken, Ehepaare 1.80 Franken plus 0.40 pro Kind.

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Im Hause der 85-jährigen Trudi Geissberger – aus dem bekannten Car-Unternehmen – war der Bau der Kirche Seebach ein grosses Thema am Familientisch. Noch heute erinnert sie sich.

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Der Aufzug der Glocken im 1941 war für über 100 Seebacher Schülerinnen und Schüler ein grosses Fest, so auch für den im Quartier aufgewachsenen Paul Zgraggen. Er erhielt wie alle anderen Teilnehmer nach getaner Arbeit eine Wurst. Noch besser erinnert er sich aber daran, dass damals auch reformierte Schülerinnen und Schüler tatkräftig mithalfen.

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Ursprünglich gab es am Kirchturm keine Uhr, wie Fotos aus den 30er Jahren zeigen. Diese wurde erst 1941 montiert. Dass es trotzdem Fotos aus früheren Jahren gibt, auf welchen eine Uhr drauf ist, kann nur damit erklärt werden, dass diese auf dem Foto nachträglich eingezeichnet wurde.

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Lange Zeit betreute die Pfarrei Maria Lourdes auch die drei Aussengemeinden Kloten, Rümlang und Glattbrugg. Die Mädchen dieser Gemeinden kamen jeweils per Velo in weissen Kleidern und mit Blumenkränzen im Haar an die 1.-Kommunion-Feiern nach Seebach. Auf dem Rückweg sah eines dieser Mädchen während des Zweiten Weltkriegs einen Bomber der Amerikaner, aus welchem Männer mit Fallschirmen sprangen. Es lief sofort zu einem der am Boden liegenden Männer hin. Während dieser wohl glaubte, einen Engel vor sich zu haben, fragte das Mädchen: «Hast du Kaugummi?»

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Vor dem Schulunterricht mussten die katholischen Schülerinnen und Schüler um 7 Uhr zur in Lateinisch gehaltenen Schülermesse gehen. Ein riesiger Stress vor der Schule, vor allem für die Ministranten, die sich noch umziehen mussten.

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1934 wurde die Paramentengruppe ins Leben gerufen. Diese hatte die Pflege der Kirchgewänder zum Ziel. Noch heute sind zwei Frauen dafür besorgt, dass die Gewänder immer schön aussehen.

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Verschiedene Vereine und Gemeinschaften, die in der Pfarrei Maria Lourdes im Laufe der Zeit gegründet wurden, gibt es heute nicht mehr, so zum Beispiel die Jungfrauenkongregation. Zu dieser gehörten die braven, keuschen Mädchen im Alter von 17 bis 20 Jahren, wie eine Anwesende erzählte. Die Kongregation beschäftigte sich mit religiösen Fragen. Zudem war sie fürs Schmücken der Grotte besorgt.

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Paul Zgraggen ministrierte in den 30er und 40er Jahren. Das Fussballderby Oerlikon-Seebach setzte dieser Aufgabe allerdings ein jähes Ende, wie er am Anlass erzählte. Trotz Verbot entfernte er sich trotz Verbot nämlich von der Kirche, um dieses Spiel anzuschauen. Die katholische Kirche Maria Lourdes hat heute eine überaus grosse Anzahl Ministranten: Es sind insgesamt 67.

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