
Pia Meier
Die Feldversuche mit gentechnisch verändertem Weizen auf dem Areal der Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz wurden trotz grossen Widerständen im vergangenen Jahr gestartet. Mit Hilfe der Gentechnik sollen verschiedene Weizenpflanzen entwickelt werden, welche besser vor Mehltau, einer Pilzerkrankung, geschützt sind. Elf Forschungsgruppen arbeiten auf dem Gelände an acht Projekten. So werden unter anderem der Einfluss von gentechnisch verändertem Weizen auf Bodenpilze und die Bodenfruchtbarkeit sowie der Abbau von Bodentieren untersucht. Beteiligt an diesen Versuchen sind neben dem Reckenholz unter anderen die Universität und die ETH Zürich.
Das Bundesamt für Umwelt bewilligte den Feldversuch mit zahlreichen Auflagen. So wurden bereits im vergangenen Jahr verschiedene Vorkehrungen getroffen: ein Zaun, Bewachung durch Sicherheitspersonal und Hunde, Ernte von Hand, ein Vogelnetz, Abstandsauflagen zu anderen Feldern, Bewegungsmelder und anderes. Trotzdem kam es zu einem Vandalenakt, bei welchem Aktivisten ins Gelände eindrangen und zahlreiche Pflanzen zerstörten. Zwar konnte die Polizei ein paar Leute festnehmen, beweisen konnte man diesen aber offensichtlich ihre Teilnahme an dieser Aktion nicht. Einige Versuche müssen als Folge dieser Zerstörungsaktion wiederholt werden, wie Petra Bättig-Frey, Kommunikation konsortium-weizen.ch, anlässlich einer Führung festhielt. Trotzdem sei geplant, den Feldversuch auf drei Jahre zu beschränken. «Alle bekannten Risiken werden untersucht», betont Bättig. «Der Aufwand für diese Versuche ist deshalb immens.» Bisher seien in der Schweiz nämlich erst drei Feldversuche mit gentechnisch veränderten Pflanzen durchgeführt worden; derjenige im Reckenholz sei der erste unter der neuen Gesetzgebung. Weil hier alles auf einem Feld gleichzeitig stattfinde, könnten sich die Forschenden ein ganzheitliches Bild machen.
Als Folge des Vandalenakts wurden die Sicherheitsvorkehrungen nochmals verschärft. So schützt nun ein Doppelzaun das Gelände. «Das Versuchsfeld in Affoltern ist wohl das bestbewachte Feld der Welt», meinte Bättig.
Obwohl dieser Zaun schon einige Zeit steht, erfolgte erst kürzlich – im «Tagblatt» vom 17. Juni – die Ausschreibung des Baugesuchs. Eine Nachfrage bei der Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz ergab, dass man die notwendigen Unterlagen fristgerecht den zuständigen Stellen geschickt habe. «Zuerst hiess es, dass keine Baubewilligung nötig sei, später wurde uns aber mitgeteilt, dass es nun doch eine braucht», teilt Denise Tschamper, Leiterin Kommunikation, mit.
Othmar Bucher, Abteilungsleiter Baubewilligung der Stadt Zürich, teilte auf Anfrage mit, dass es sich hierbei um eine Grauzone handle. Grundsätzlich seien zwar Zäune in Freihaltezonen bewilligungspflichtig, aber es komme schon drauf an, wie diese Zäune aussehen würden beziehungsweise wie hoch diese seien. Dass die Beteiligten zuerst nicht sicher gewesen seien und deshalb erst nachträglich ein Baugesuch eingereicht wurde, komme recht häufig vor und dürfe deshalb nicht überbewertet werden. Und überhaupt lohne es sich in solchen «nichtigen» Fällen kaum, Rekurs einzulegen, denn normalerweise sei die Bewilligung eines solchen Gesuchs nur noch eine Formalität.