Pia Meier
«Aus einem Altersheim ohne grossen Aufwand Alterswohnungen zu machen, ist einfach nicht möglich», hält Hans-Rudolf Winkelmann, Beratung und Bildung in Altersarbeit, fest. Die baulichen Konzepte für Heim und Wohnungen seien so unterschiedlich, dass eine Neuausschreibung des fürs Altersheim bereits durchgeführten Wettbewerbs unumgänglich sei, womit die bereits ausgegebenen Millionen Franken verloren seien. Er ist auch überzeugt, dass Zürich Nord ein weiteres städtisches Altersheim braucht. Und ob eine Pflegewohngruppe in einer Alterswohnsiedlung den Bedarf abdecken könne, sei fraglich. Zudem sei der Standort Köschenrüti denkbar ungünstig für Alterswohnungen, denn dort befinden sich keine Infrastrukturen. «Weder Läden noch Restaurants sind in unmittelbarer Nähe. Ältere Mieterinnen und Mieter, die ja einen eigenen Haushalt führen, werden demnach spätestens dann auf Schwierigkeiten stossen, wenn sie den Bus nicht mehr benützen können», hält Winkelmann fest. Er weist in diesem Zusammenhang auf die unterschiedlichen Dienstleistungen von Altersheimen und Alterswohnungen wie Verpflegung, Pflege, Betreuung, Aktivierung, Sozialkontakte und Infrastruktur hin. «Altersheime und Alterssiedlungen decken ganz unterschiedliche Bedürfnisse ab», betont er. So verfügen Altersheime über ein Restaurant, wo altersgerechte Mahlzeiten serviert werden, während in Alterssiedlungen höchstens der Spitex-Mahlzeitendienst das Mittag-essen bringt. Zudem ist in Altersheimen die Pflege rund um die Uhr präsent, während es in Alterssiedlungen «nur» einen Pikett-Dienst gibt.
Im Gemeinderat wurden die Behandlung der Vorstösse von EVP/CVP und SP, mit welchen der Stadtrat aufgefordert wird, aufs Altersheim Köschenrüti zurückzukommen, um ein bis zwei Wochen verschoben. Die Gemeinderäte aus dem Kreis 11 sind sich mehrheitlich einig, dass nicht auf Kosten von alten Menschen gespart werden darf. Auch die SVP ist dieser Meinung. «Ich finde es schade, und es ist für mich unverständlich, dass das Altersheim Köschenrüti nicht gebaut werden soll», hält Gemeinderat Hans Nikles (SVP) fest. Der Bau eines Altersheims in Zürich Nord sei notwendig. Zudem seien bereits Millionen in die Planung gesteckt worden.
Auch Theo Hauri (SVP) ist im Prinzip fürs Altersheim Köschenrüti. In Anbetracht der finanziellen Situation der Stadt verstehe er aber, dass der Stadtrat Prioritäten setzen müsse. Es müsse auch noch abgeklärt werden, wie viele neue Plätze es nach dem Umbau in der «Dorflinde» gebe. Schliesslich sei Oerlikon nicht weit weg von Seebach und es sei deshalb zumutbar, dass die Betagten dorthin dislozieren. Grundsätzlich wolle er aber abwarten, bis die Antwort des Stadtrates zu den Vorstössen vorliege und erst dann einen Entscheid über das weitere Vorgehen fällen.