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Gemeinderat Marcel Schönbächler und Sarah Zurmühle fordern statt der Parkplätze beim Bahnviadukt eine Grünanlage.    Foto: ho.

CVP 4+5: «Zürich West muss grüner werden»

Erstmals seit 30 Jahren lanciert die CVP 4+5 ­wieder eine Petition. Sie will im Quartier grüne Plätze statt Betonwüsten.

Thomas Hoffmann

Zürich West

Zürich West boomt. In den nächsten Jahren entstehen Hunderte Wohnungen, Tausende Arbeitsplätze. Da braucht es nebst dem geplanten Pfingstweidpark weitere Freiräume, findet die CVP 4 + 5 und lanciert eine «Petition für mehr benutzerfreund­liche Grünflächen im Kreis 5 / Zürich West».

Drei Forderungen rückt der 27-jährige Gemeinderat Marcel Schönbächler in den Mittelpunkt. Zürichs grösster Platz, der Turbinenplatz, soll in eine benutzerfreund­liche Grünfläche mit Spielgeräten und Grillplatz umgestaltet werden. Das Schütze-Areal beim Escher-Wyss-Platz soll eine Parkanlage werden. Und die Parzelle zwischen Heinrich- und Josefstrasse beim Bahnviadukt will die CVP begrünt sehen, die Parkplätze sollen (ausser jenen der Stiftung PWG) aufgehoben werden. Schönbächler schweben einfache Gestaltungen vor mit einer Wiese und Bäumen, «es sollen keine Designerparks entstehen». Auch schliesse ein kinder- und familienfreundlicher Platz nicht aus, dass man beispielsweise Fussball spielen könne. Für den Turbinenplatz und das Schütze-Areal hat Marcel Schönbächler ­bereits Vorstösse im Gemeinderat eingereicht, ein dritter zur Viadukt-Parzelle wird folgen.

In diesen Tagen startet die CVP 4+5 zudem ihre Petition, um zu zeigen, dass ein Bedürfnis für solche Grünflächen besteht. «Damit lässt sich die Lebensqualität enorm steigern», ist Sarah Zurmühle überzeugt, die an der Josefwiese wohnt. Hier finde man Entspannung und Erholung. «Aber die Josefwiese ist fast schon übernutzt», meint die 21-jährige CVP-Politikerin, ebenso wie die übrigen Freiräume im und um den Kreis 5: Limmatuferweg, angrenzende Flussbäder Unterer und Oberer Letten sowie Wipkingerpark.

Langjähriges Quartieranliegen

Die Quartierbevölkerung wünscht seit Jahren eine Begrünung der 3350 Quadratmeter grossen Parzelle beim Bahnviadukt. 1987 hatte der damalige SP-Kantonsrat Willy Volkart eine Einzelinitiative eingereicht, die der Gemeinderat 1991 gutgeheissen hat. Sie verpflichtete den Stadtrat, einen Antrag zur Begrünung vorzulegen. Der lehnte jedoch ab, weil es zu teuer gekommen wäre. Nun bringt die CVP das Quartieranliegen wieder aufs Tapet. Und es existiert eine Zukunftsidee. Wenn die benachbarte Kehrichtverbrennungsanlage etwa 2020 ihren Betrieb einstellt, könne man die Parzelle mit der Josefwiese verbinden.

Vorerst geht es für die CVP 4+5 jedoch ans Sammeln von Unterschriften, spezielle T-Shirts, die auf das Anliegen hinweisen, sind bereits gedruckt. «Wir wollen nicht eine möglichst grosse Anzahl Unterschriften, sondern möglichst viele aus dem Quartier» betont Marcel Schönbächler, «2000 wäre eine stolze Zahl.»

Petition gegen AJZ-Auswüchse

Die CVP 4+5 hat sich im Quartier zwar immer wieder an vorderster Front engagiert, aber ihre letzte Petition reicht 30 Jahre zurück. Sie fand derartigen Anklang, dass der damalige Stadtpräsident Sigmund Widmer in den Kreis 5 kam, berichtet Robert Schönbächler, Marcels Vater und zugleich sein Vorgänger im Gemeinderat. Die CVP 5 wehrte sich damals gegen die Quartierzerstörung. «Wir sind gegen die Auswüchse rund um das AJZ (Abkürzung für das Autonome Jugendzentrum Zürich, Anm. der Red.); wir lehnen die Notschlafstelle des AJZ im Kreis 5 ab; wir wehren uns gegen die Verslumung durch überbordende Vergnügungsbetriebe der Sex- und Spielsalonindustrie» hiess es in jener Petition.

Parteipräsident übergibt Amt

Im Herbst 2004 beschlossen die Stimmberechtigen der Stadt, dass die Wahlkreise 4 und 5 zusammengelegt werden. Erster Präsident der gemeinsamen Partei CVP 4+5 wurde 2005 Otto Singer – nun übergibt er das Amt nach sechs Jahren an Friedrich Studer. «Ich habe weder meiner Frau noch meinen Kindern vom Rücktritt erzählt», schmunzelte ­Singer am Nachmittag vor der GV, «ich werde es ihnen erst morgen mitteilen.» Ein zentrales Thema war für den abtretenden Präsidenten die Westtangente, «sie hat uns massiv mehr Verkehr gebracht». Nun werde «die Autobahn durchs Quartier» dank der Westumfahrung wieder aufgehoben. «Vom Rückbau der Hard- und Bullingerstrasse erhoffen wir uns sehr viel», betont Singer. Er hatte sich im Quartier vielenorts engagiert: 1968 bis 1979 als Kreis- und Zentralschulpfleger, 1978 bis 1986 in der Kirchgemeinde Felix und Regula, zuerst als Kirchenpfleger, dann vier Jahre als deren Präsident, 1979 bis 1983 als Kantonsrat, und, als ob das noch nicht genügen würde, von 1979 bis 2006 im Vorstand des Quartiervereins Aussersihl-Hard, den er von 1984 bis 1990 präsidierte. «Jetzt habe ich etwas mehr Zeit für Familie, Sport und Freunde», meint Otto Singer.

Sein Nachfolger ist der 30-jährige Friedrich Studer, der im Kanton Luzern aufgewachsen ist und seit 2001 in den Kreisen 4 und 5 wohnt. «Ich bekam das Politisieren in die Wiege gelegt», erzählt der Chemieingenieur, der hier vermehrt eine Politik betreiben möchte, die den Leuten in den Stadtkreisen 4 und 5 hilft. «Wir sind auf gutem Weg, aber wir müssen ­unsere Lösungen verständlicher machen», meint Friedrich Studer im Rückblick auf das kantonale Wahl­debakel vom 3. April.