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Immer Mangelware: Ehrenamtliche Helferinnen und Helfer. Foto: zvg.

Zürich West

Der Üetliberglauf macht schlapp

Der Üetliberglauf, 25 Jahre lang krönender Abschluss der ZKB ZüriLaufCup-Serie, findet definitiv nicht mehr statt. Nun wird nach einem Ersatzlauf gesucht.

Lisa Maire

Zum Abschied des OK-Teams von Hans Alberici und dem Altstetter Bähnler Sportclub ESC Soldanella gab es am 22. Oktober ein besonderes Geschenk: Die Jubiläumsausgabe des Üetliberglaufs verzeichnete eine Rekordbeteiligung. Zum ersten Mal nahmen über tausend Läuferinnen und Läufer die anspruchsvolle Strecke am Zürcher Hausberg unter die Füsse. Die 1000er-Marke zu knacken, das war genau das Ziel, das sich die Organisatoren gesetzt hatten. Doch Erfolg hin oder her: Als OK-Präsident Alberici und seine Leute den Stab – wie von vornherein geplant – nach zehn Jahren weiterreichen wollten, war niemand da, um danach zu greifen.

Zwar stand damals noch ein Leichtathletikverein als Nachfolger in den Startlöchern. Doch auch diese Hoffnung zerschlug sich inzwischen: Der Verein hat abgesagt. Das Problem war dabei nicht der administrative Vorbereitungsaufwand, der in den letzten Jahren stark gewachsen ist. Engagierte Leute für das neue OK wären da gewesen. Der Verein kapitulierte vielmehr vor dem Helferbedarf am Lauftag selbst. «Wie alle anderen Interessenten davor hatten auch diese Leute zu grosse Angst, die nötigen Helfer nicht zusammenzubekommen», erzählt Hans Alberici. Mindestens 110 Leute brauche man schon, um den Grossanlass reibungslos durchführen zu können. Am letzten Üetliberglauf standen sogar 120 Helferinnen und Helfer im Einsatz, sei es beim Auf- und Abbau des Start- und Zielgeländes, als Streckenposten, bei der Nachmeldung, als Vorfahrer oder auch in der Festwirtschaft.


Vereine bröckeln vor sich hin
Die Helferrekrutierung sei in der Tat schwieriger geworden in den letzten Jahren, sagt der frühere OK-Chef. Auch wenn es nur um einen einzigen Samstag im Jahr geht, den jemand für die Mithilfe opfern müsste: Die Aufrufe der Vereine verhallen immer öfter ungehört. Die grösste Problematik ist für Alberici darin begründet , dass Sportlerinnen und Sportler nicht mehr so stark in Vereinen organisiert sind. «Früher trat man einem Verein bei und half dann auch immer mit, wenn dieser Verein Wettkämpfe organisierte. Und danach sass man noch zusammen.. Heute jedoch werde Sport stärker nach individuellen Bedürfnissen betrieben: «Wer an einem Laufwettbewerb teilnehmen will, löst einfach eine Tageslizenz und am Abend heisst es dann: Tschau – das wars.»
Veranstaltungen wie dem Üetliberg-Lauf fehlen also die Helfer, weil den Vereinen je länger je mehr die Mitglieder abhandenkommen. Auch bei anderen Wettbewerben des ZüriLaufCups gibts Probleme – zum Teil auch, weil die OK- und Helferteams überaltert sind. Alberici: «Irgendwann können die Leute halt einfach nicht mehr». Im Gegensatz zum Üetliberglauf konnte der Zürcher Neujahrslauf in Dietikon aber über die Runden gerettet werden: Das dort abtretende OK fand mit dem LC Regensdorf einen Nachfolger mit genügend grossen Helferkapazitäten.
110 Helfer – ja das sei schon eine beeindruckende Zahl, wenn man die Organisation des Üetliberglaufs ganz neu aufbauen müsste, gibt Alberici zu bedenken. Er selber glaubt aber, dass diese Zahl bei einem nahtlosen Übergang schon zusammengekommen wäre. Er selber hätte den neuen Organisatoren mit seinem grossen Beziehungsnetz zur Seite stehen können. Und von den bisherigen Helfern aus den Reihen des ESC Soldanella hätten sicher auch etliche weiter mitgemacht, ist Alberici überzeugt. Trotz dieser Angebote war allen interessierten Vereinen das Risiko zu gross. Ein nahtloser Übergang hätte auch einem neuen OK die Arbeit erleichtert, weil Bewilligungen, Sponsorenverträge etc. hätten übernommen werden können. Wenn die Veranstaltung aber erst einmal ausfalle, werde es schwierig. Schon nach einem Jahr müsste die ganze Organisation wieder neu aufgebaut werden.
Unter dem OK um den Hans Alberici hatte sich der Waldlauf am Üetliberg zu einem Sportanlass von wachsender Popularität entwickelt. «Wir haben uns im letzten Oktober mit hochgehaltenen Fahnen verabschiedet», meint der 60-jährige Altstetter, der natürlich sehr bedauert, dass aus dem Abschied seines Teams eine Beerdigung der Veranstaltung geworden ist. Die ZKB als Sponsorin der grössten Schweizer Laufsport-Serie bemüht sich nun um einen Ersatz. Pascale Wittwer, Gesamtkoordinatorin des ZKB ZüriLaufCups, bestätigt: «Unser Ziel ist, den Cup nächstes Jahr wieder zu füllen.» Allerdings scheint auch dieses Unterfangen nicht einfach. Man habe zwar schon mehrere Anfragen von interessierten Veranstaltern gehabt, bisher sei daraus aber nichts geworden, sagt Wittwer. Manchmal werde eben die Organisationsarbeit oder die Streckenanforderung eines Laufs mit Cup-Wertung auch einfach unterschätzt.
Ebenso wie Alberici sieht auch Wittwer den zunehmenden Helfermangel als grosse Herausforderung für die Zukunft. «Immer mehr Leute können oder wollen sich nicht mehr freiwillig engagieren – in manchen Fällen wohl, weil sie keine Zeit mehr dazu haben.» Der Üetliberglauf werde wohl kaum der letzte sein, der aus der Serie verschwinde.