|
Â

Markus Peer, Präsident des Familiengartenvereins, betont: «Wir Familiengärtner sind keineswegs gegen ein solches Stadion, nur gegen den Standort.» Foto: Béatrice Christen
Â
Der Kampf gegen das Eisstadion in Altstetten geht weiter
Â
Die Stadt Zürich soll ein neues Eisstadion erhalten. Der Standort ist umstritten. Der Familiengartenverein sucht Verstärkung im Kampf um das grüne Paradies in Altstetten.
Béatrice Christen
Die Stadt Zürich möchte ein neues Eisstadion bauen. Dieses soll in erster Linie von den ZSC-Lions genutzt werden, da die Spiele oft wegen anderer Veranstaltungen im Hallenstadion verschoben werden müssen. Inzwischen hat auch der Volleyballclub Volero Zürich Interesse gezeigt und eine Beteiligung an diesem Bauvorhaben zugesagt. Als möglicher Standort wird von der Stadt Zürich das Areal «Untere Isleren» an der Vulkanstrasse in Zürich-Altstetten in Erwägung gezogen. Nur ist genau dieses, sich im Eigentum der Stadt Zürich befindende Areal seit 1943 verpachtet, und zwar an den Familiengartenverein Altstetten-Albisrieden. Diesem gehören 658 Gartenparzellen an verschiedenen Standorten an.
Wenn das Stadion gebaut wird, bedeutet dies das Aus für zahlreiche Familiengärten an der Vulkanstrasse. Es müssen nämlich rund 150 Parzellen geräumt werden. Zwar hat die Stadt Zürich den Betroffenen Ersatz im Dunkelhölzli angeboten. Aber begeistert sind sie von dieser Lösung nicht. «Züri West» hat mit Markus Peer, dem Präsidenten des Familiengartenvereins Altstetten-Albisrieden, gesprochen und erfahren, dass Schrebergärten nach wie vor sehr begehrt sind. «Wir haben eine Warteliste von rund 70 Pächtern», erzählt dieser stolz.
Natur kämpft gegen Beton «Wir sind nicht gegen ein Stadion für den ZSC und den Volero», betont er. «Doch wir sehen nicht ein, dass dieses zulasten der Gärten gebaut werden soll. Auf den Parzellen gibt es viele natürliche Lebensräume für Tiere. Käfer, Eidechsen und Blindschleichen haben sich angesiedelt. Die Gärten sind kleine Paradiese, grüne Oasen, die mit viel Herzblut gepflegt und gehegt werden.» Peer kann nicht verstehen, dass der Stadtrat sich mit dem Bauvorhaben auch gegen die im Sommer letzten Jahres eingeführte Kleingartenordnung von Grün Stadt Zürich stellt. Diese hätte nämlich das Ziel, die Biodiversität zu pflegen und die Versiegelung von Gartenparzellen auf 40 Quadratmeter zu beschränken.
«Ich frage mich, weshalb das Stadion nicht in Zürich Nord gebaut wird, schliesslich ist dieser Stadtteil die Heimat des ZSC», sagt Peer. «Dazu kommt, dass in Oerlikon die Infrastruktur für Treffpunkte der verschiedenen Fangruppen in genügendem Mass vorhanden ist. Der Wegzug des ZSC aus dem Quartier könnte auch dem Oerliker Gewerbe beziehungsweise der seit Langem dort etablierten Gastroszene schaden. Hier, an der Vulkanstrasse, gibt es weder Restaurants noch Bars, in denen Siegesfeiern durchgeführt werden könnten. Also existieren keine Treffpunkte für Fangruppen ausser dem Stadionrestaurant. Wir befürchten, dass es deshalb zu Schlägereien und Vandalismus zwischen den rivalisierenden Fans kommen könnte. Die Lage des Stadions auf dem vorgesehenen Areal ist meiner Meinung nach denkbar ungünstig».
Wie geht es weiter? Nachdem dem Zürcher Stadtrat bereits vor drei Jahren eine Petition gegen das Stadion mit 15 000 Unterschriften übergeben wurde, wollen die Schrebergärtner nun weiterkämpfen. «Wir haben die Gemeinderäte der Stadt Zürich persönlich angeschrieben, Ihnen die Situation erklärt und hoffen auf politische Unterstützung», sagt Peer. «Es wäre möglich, dass letztlich das Zürcher Volk an der Urne über das Stadion in Altstetten das letzte Wort spricht», sagt der Präsident der Familiengärten. Markus Peer sieht den Ereignissen mit gemischten Gefühlen entgegen. «Wenn es zum Schlimmsten kommt, muss ein Teil der Pächter ihr grünes Paradies aufgeben. Einige von ihnen sind bereits etwas älter, und ich weiss nicht, ob sie den Mut und Elan aufbringen können, um im Dunkelhölzli wieder neu anzufangen».
GV am 9. März Die Generalversammlung des Familiengartenvereins Altstetten-Albisrieden findet am 9. März, um 19 Uhr, im Restaurant Cube, an der Albisriederstrasse (Personalrestaurant Siemens) statt. Die Pächter werden an diesem Abend auch das Thema Stadion behandeln. (ch.)
|