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«Tuff Enuf»» geben auf der Bühne Vollgas. Foto: rb

 

Für manche wie ein Klassentreffen

Halbzeit am 28. Countrymusic-Festival im Albisgüetli: Veranstalter und Gäste sind zufrieden. Nachdem der Eröffnungsabend bereits ausverkauft war, freuen sich alle auf ein fulminantes Abschluss-Wochenende

 

René Brechtbühl

Ein bitterkalter Morgen am Fusse des Üetlibergs. Während bei der Tramendhaltestelle Spaziergänger dick eingehüllt in Winterkleidung auf den nächsten 13er warten, heizen im benachbarten Schützenhaus die fünf Musiker der einheimischen Band Tuff Enuff so richtig ein: keine Kappen und Moonboots, dafür viele gepflegte Cowboy-Hüte und Lederstiefel. Die Stimmung im vollbesetzten Saal ist familiär, friedlich und gemütlich, genau so, wie man es an einem Sonntagsbrunch erwartet. An zwei Buffets locken Leckereien in Hülle und Fülle. Die Raucher haben sich diskret in die rustikal eingerichtete «Avo»-Zigarrenlounge zurückgezogen, während in einer anderen Ecke die jüngsten Gäste unter Aufsicht eifrig malen und spielen. Als neue Attraktion lockt erstmals eine Schiessstube, in der geübte Luftgewehr-Schützen mit etwas Glück ein Plüschtier erzielen. Eine Art Mini-Knabenschiessen mitten im Februar.


Noch keine «Pöblete» erlebt
Bei «Driving my life away» gerät Mike Wäspi vom Tisch 67 ins Schwärmen: «Die heutige Band trifft genau meinen Geschmack», meint der Dürntner, der jedes Jahr einmal ans Country-Festival pilgert. Dieser Anlass gehöre bei ihm, wie bei vielen anderen Gästen auch, zur Tradition. Noch kein einziges Festival haben der Wipkinger Otto Singer und sein Kollege «Piccolo» verpasst. Sie waren schon dabei, als das Festival vor rund dreissig Jahren noch im Kaufleuten stattfand. Für Piccolo, der seinen richtigen Namen nicht nennen will, weil man ihn unter diesem sonst nicht kennen würde, ist der Anlass wie eine Klassenzusammenkunft: «Ich treffe im Albisgüetli jedes Jahr meine Leute und bin gerne hier.» Zudem schätze er die grosse Bandauswahl, die für jeden Geschmack etwas biete. Sein Kollege Otto kommt nicht zuletzt auch wegen des angenehmen Publikums so gerne hierher: «Ich habe in den vergangenen 28 Jahren noch nie eine Pöblete angetroffen.»


Gerne würde auch der Männedörfler Peter Keller öfters und vor allem spontan nach Feierabend das Festival besuchen. «Da ich aber mit dem Töff unterwegs bin, ist es mir momentan einfach zu kalt dafür», bedauert der passionierte Country-Fan. Soeben hat er sich mit sechs neuen CDs eingedeckt. Als Ergänzung für seine riesige Privatsammlung zu Hause, wie er stolz erklärt.


Zum Jubiläum 8½ Wochen
Dass die Eiseskälte der vergangenen Tage viele Leute davon abhält, abends nochmals auszugehen, merken auch die Veranstalter Georg Tännler und Albi Matter. Dennoch zeigt sich Programmchef Matter optimistisch: Man liege mit den Besucherzahlen zwar leicht unter Vorjahr, werde dies bis zum Schluss aber wieder wettmachen. Der Eröffnungsabend mit Shawn Sahm, dem Sohn des 1999 verstorbenen Dough Sahm, der mit seinem Welthit «Mendocino» während 20 Jahren seine Familie ernähren konnte, war ausverkauft, bevor das Programm gedruckt war. Ein ausverkauftes Haus erhoffen sich die Organisatoren auch bei den Auftritten der Newcomer-Band Scarletta aus Nashville, des blinden Wunder-Geigers Michael Clevland und den fünf amerikanischen Power-Girls Mustang Sally. Letztere, schon zum vierten Mal mit von der Partie, setzen den Schlusspunkt auf die 28. Auflage des Countrymusic-Festivals, das mit 38 Tagen als das weltweit längste gilt. «Mit 12 Tagen hatten wir einst begonnen», erinnert sich Matter, während er genüsslich an einer Zigarre zieht. Er überlege sich, die Festivaldauer in zwei Jahren, wenn sich die 30. Durchführung jährt, sogar auf achteinhalb Wochen auszudehnen. Klar ist schon jetzt: «Für das Jubiläum werden wir einige Cracks aus den USA einfliegen lassen.» Am liebsten würde Matter Dolly Parton in Zürich auftreten lassen, doch solche Grössen könne sich das OK finanziell nicht leisten. Ausserdem bräuchte man dazu einen Saal für rund 1500 Gäste. Das Schützenhaus bietet maximal 800 Leuten Platz.


Moderate Eintrittspreise
Für das nächste Festival im 2013 ist das Wiediker Urgestein bereits wieder auf Talentsuche. Aus gutem Grund fängt er jeweils frühzeitig damit an. Er möchte nämlich seine Wunsch-Bands dann in Zürich haben, wann er es wolle und nicht dann, wenn es der jeweiligen Band gerade passe. Einen Knüller für das nächste Jahr habe er bereits in Aussicht. Auf die Frage nach dem Rezept für den langjährigen Erfolg antwortet Matter: «Wir hatten bis anhin immer moderate Eintrittspreise.» Das führe dazu, so weiss der erfahrene Programmchef, dass die Leute nicht nur häufiger kommen, sondern auch mehr konsumieren. Dass das Country-Festival 2011 sogar für den Prix Walo nominiert war, freut Matter ganz besonders: «Das ehrt uns nicht nur, sondern beweist auch, dass wir mit unseren Anlässen weiterhin auf dem richtigen Kurs sind.»


Kaum wird die letzte Band Mitte März abgereist sein, geht es für Matter und sein Team Schlag auf Schlag weiter. Nur gerade dreieinhalb Wochen verbleiben dann bis zur Eröffnung des 24. Internationalen Dixie- and-Blues-Festivals. «Den Vertrag für die letzte Formation konnte ich vergangene Woche auch noch unter Dach und Fach bringen», zeigt sich der Profi erleichtert.

Das Festival dauert bis 18. März. Mi–Sa 19.30 Uhr (Türöffnung 19 Uhr), So 9.00–13 Uhr (Brunch), Mo/Di kein Betrieb. Reservationen täglich von 9–19 Uhr unter 043’333’30’00. Weitere Infos und Programm: www.albisguetli.ch.

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