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«Es gibt wunderbare, quirlige Werke jenseits der Bestseller-Listen»


Journalist, Publizist, Literaturvermittler: Urs Heinz Aerni. Bild: Florian Thiele

Nächsten Montag leitet Urs Heinz Aerni aus Albisrieden zum ersten Mal das «Züri Littéraire» im «Kauf­leuten». Er strebt einen Mix aus sicheren Werten und Überraschungen an.

Interview Susanne Huber

Im Literaturforum Züri Littéraire diskutieren Autorinnen und Autoren jeweils am ersten Montag im Monat über aktuelle Themen aus der Welt der Literatur. Und diese Welt ist, wie ein Blick ins Programmheft zeigt, überaus vielfältig. Sie reicht von den Bezügen zwischen Psychoanalyse und Literatur über Mundartliteratur und Poesie bis zum Nahostkonflikt. Verantwortlich für das Programm ist neu seit dieser Saison der Journalist und Publizist Urs Heinz Aerni aus Albisrieden, der für «Zürich West» unter anderem Buchtipps verfasst

Sie sind überaus umtriebig und engagieren sich an vielen Veranstaltungen. Nun haben Sie für die neue Saison die Programmführung von Züri Littéraire übernommen – warum?

Züri Littéraire hat für mich als Literaturveranstaltung einen besonderen Reiz. Es hat ein sehr breites Publikum und wird von unterschiedlichsten Leuten besucht. Ich bin auch Mitglied des Literarischen Clubs Zürich (ehemals Lesezirkel Hottingen), einer altehrwürdigen Institution mit einem sehr spezifischen Publikum. Der Club ist etwas für Eingefleischte und oft sehr spezifisch. Dagegen ist der Rahmen von Züri Littéraire viel offener. Zwei oder drei Autoren werden eingeladen, zu einem bestimmten Thema ein Gespräch zu führen. Es ist also eigentlich ein Literatur-Talk. Das zieht neben den Insidern auch andere Menschen mit unterschiedlichen Erwartungen an.

Was heisst das konkret?

Es kommen Business-Leute, die am Abend noch etwas Kultur konsumieren wollen. Züri Littéraire findet ja einmal im Monat an einem Montag statt, und für viele Besucher ist es ein fixer Termin, ihr Kulturabend. Und dann zieht natürlich das aktuelle Thema bestimmte Leute an, die sich besonders dafür interessieren.

Was ist ihnen wichtig bei der Programmgestaltung? Wird sich Züri Littéraire unter ihrer Federführung verändern?

Jeder hat seine eigene Handschrift, die mit der Zeit ersichtlich werden wird. Mir sind Sachthemen wichtig, und ich werde sie vermehrt ins Programm aufnehmen. Generell bin ich der Meinung, dass die Grenzen, die zwischen Belletristik, Sachbüchern und Biographien gezogen werden, aufgebrochen werden sollten. Denn Literatur fängt im Sachtext an. Der Autor will etwa eine bestimmte Stimmung oder Atmosphäre dokumentieren und muss sie dazu für den Leser mit sprachlichen Mitteln wieder erschaffen. Die Übergänge zum rein literarischen Text sind also nicht so starr, wie es die Schlagworte suggerieren. Traditionell sind drei Gäste eingeladen, das kann sich in Zukunft ändern. Ein zentraler Punkt besteht für mich darin, grosse, bekannte Namen mit Entdeckungen zu koppeln. Die Besucher sollen unter anderem eine Gelegenheit erhalten, jemanden Neues zu entdecken. Ich strebe also einen gesunden Mix aus sicheren Werten und Überraschungen an.

Sie werden als «Literaturvermittler» bezeichnet. Warum braucht die Literatur ­
jemanden, der sie vermittelt?

Kultur im Allgemeinen braucht Vermittler. Meine Aufgabe sehe ich darin, Bücher, die es sich zu entdecken lohnt, den Lesenden schmackhaft zu machen. Ich will die «Bestseller-Mentalität» aufweichen und aufzeigen, was für wunderbare, quirlige und aufregende Werke es jenseits der Bestseller-Listen gibt. Es gibt eine unglaublich grosse Vielfalt an Büchern und kleinen Verlagen, die nicht die Mittel für grosse Werbekampagnen haben. Und diese Vielfalt – sie lässt sich mit einer Artenvielfalt vergleichen – will ich sichtbar machen. Ich habe nichts gegen Bestseller, ich sage nur, dass es noch viel mehr zu entdecken gibt.

Ist der Eindruck richtig, dass Lesungen sich einer steigenden Beliebtheit erfreuen?

Ja, ich glaube, es gibt da einen Boom. Es gibt Lesungen in verschiedenen Rahmen, auf unterschiedlichen Plattformen – zum Beispiel auch in Buchhandlungen. Und sie haben durchaus ihr Publikum. Das ist doch eigentlich recht erstaunlich in der heutigen Zeit, in der die Medienvielfalt enorm zugenommen hat und es unzählige Kanäle gibt, über die man sich informieren oder unterhalten lassen kann. Und trotzdem können die traditionellen Lesungen ein grosses Publikum ansprechen.

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