
Mensch und Natur lassen sich für Andreas Weisflog nicht trennen. Für den ehemaligen Apotheker und heutigen Besitzer des Albisriederplatz 10 war deshalb klar: «Eine Renovation muss ökologische Standards erfüllen. Das ist für mich Überzeugungssache», erklärt der 63-Jährige.
Weisflog, der im Nebenerwerb Obstbauer aus Leidenschaft ist, will ganzheitlich denken. Das entspricht auch der medizinischen Philosophie des Hauses, das sein Vater Gustav Weisflog 1956 als Gesundheitszentrum konzipiert hatte. Nach einem Umbau gründete Weisflog senior damals die Apotheke zum Pilgerbrunnen und vermietete weitere Räumlichkeiten an drei Arztpraxen.
Das Dreieck Apotheker-Arzt-Patient habe sich am Albisriederplatz 10 bis heute bewährt. Ein Kinderarzt und zwei Allgemeinärzte praktizieren zurzeit im Haus. «Das schafft fachliche Synergien und kurze Wege für die Patienten», erklärt Weisflog, der die Apotheke 2002 seinem langjährigen Mitarbeiter Jürg Schildknecht in Pacht gegeben hat.
Umbau für zwei Millionen
Durch die neue Fassadenisolierung und Heizung wird das Gesundheitszentrum nun nicht nur medizinischen, sondern auch ökologischen Anforderungen gerecht. Die Massnahmen wurden zudem durch den Einbau neuer Fenster, Sanitärleitungen und einer neuen Elektrohauptverteilung ergänzt. Gleichzeitig ist neuer Wohnraum geschaffen worden. Im früheren Estrich sind zwei Dachwohnungen mit Galerie und Raumdurchbrüchen entstanden. Das älteste Haus am Platz (Baujahr 1907) scheint damit für das 21. Jahrhundert gerüstet zu sein.
Der Preis der Umweltfreundlichkeit ist allerdings nicht gering: Rund zwei Millionen Franken kostete der Umbau. Die Umsetzung der ökologischen Richtmasse wurden zwar durch den «Klimarappen» unterstützt, doch diese Subventionen seien nicht mehr als ein kleiner Zustupf. Weil die neue Fassade nun zudem durch die 17 Zentimeter dicke Aussenwärmedämmung die Baulinie überschreitet, musste dafür eine eigene Bewilligung eingeholt werden.
Langfristig zahlen sich die Mühen und Investitionen jedoch aus: Durch den Umstieg von einer Erdöl- auf eine Gasheizung und die verbesserte Wärmedämmung konnte die Brennerleistung stark reduziert werden. «Die Energiekosten sind somit um 50 bis 65 Prozent gesunken», sagt der Architekt Jürg Glarner, der die Renovation geleitet hat. «Das kommt auch den Mietern zugute, die weniger Nebenkosten zu tragen haben», fügt Weisflog hinzu. Der Pilgerbrunnen steht zwar schon lange nicht mehr auf dem Albisriederplatz. Als das Quartier noch vor den Toren der Stadt lag, hatte hier ein hölzerner Trog den Wallfahrern zum Kloster Einsiedeln Erfrischung geboten. Der Geist des Pilgerbrunnens aber, so wünscht es sich Apotheker Weisflog, soll am Albisriederplatz 10 noch lange weiterleben. (zw.)