
Thomas Loosli
Das Mobil ist eigentlich ein ganz normaler Lastwagen. Wenn aber einmal die Bühne ausgeklappt ist, bietet es 27 Quadratmeter Platz für Konzerte, Lesungen und Ansprachen. Im Jahr 1996 hatte das Sozialdepartement der Stadt Zürich ein Projekt ins Auge gefasst. Eine «mobile Kiste» sollte als Informationsstelle, aber auch für Konzerte kreiert werden. Ziel des mobilen Fahrzeugs war die Belebung des öffentlichen Raums.
Nicht zu gross fürs «Helsinki»
Louis Egger, Sozialarbeiter und LKW-Fahrer, hatte die Idee, einen kompakten LKW zu kaufen, und stiess auf ein knapp 10 Meter langes Gefährt, das sich als ideal herausstellte, weil es nicht zu gross ist, um zum Beispiel bis zum Helsinki-Club vorzustossen, aber dennoch gross genug, um einigen Menschen auf der Bühne Platz zu bieten. Seither ist Egger Verantwortlicher des Mobils in der Abteilung Soziale Dienste beim Sozialdepartement der Stadt Zürich. Nach beinahe 13 Jahren Tätigkeit ist das Mobil nicht mehr aus Zürich wegzudenken. An zahlreichen kleinen Openairs ist es zum Einsatz gekommen, zum Beispiel für das Stolze-Openair oder das Idaplatzfest.
Das Mobil kann in drei Varianten gemietet werden. Als Bühne allein, ohne Licht und Ton oder als Bühne mit Ton und Licht und dem ganzen Service oder mit dem ganzen Service für Kinderfeste zu reduziertem Preis. Das Mobil ist nicht für kommerzielle Grossanlässe gedacht, sondern für die Nutzung von Leuten, die für das Quartier etwas auf die Beine stellen, die etwas tun wollen. Die Mobil-Crew, die neben Louis Egger und Celia Häusermann noch zwei Freelancer umfasst, kann innerhalb von zwei Stunden aus dem Lastwagen heraus eine Bühne zaubern, die alles bietet: Monitore, Scheinwerfer und Mikrofone. «Gerade junge Veranstalter, die zum ersten Mal ein Fest organisieren, oder Bands, die ihren ersten Auftritt haben, sind enorm froh, wenn sie sich nicht noch um technische Fragen kümmern müssen», weiss Häusermann aus Erfahrung. Die Mobil-Crew bringt dank ihrer langjährigen Routine etwas Ruhe unter die zumeist sehr jungen und daher oft etwas nervösen Organisatoren. Überhaupt sei die Beratung der Organisatoren von Festen viel wichtiger geworden, meint Egger.
«Organisatoren von Festen können oft nur schlecht einschätzen, wie viele Besucher etwa kommen werden, manchmal erwischen sie auch die falschen Daten. Während eines wichtigen Fussballspiels sollte man nicht unbedingt ein Fest planen», lacht Louis Egger. Die Mobil-Crew ist technisch sehr gut ausgerüstet. Die Tonanlage des Mobils kann bis zu 6000 Leute beschallen, aber der Lärm wird dank Messgeräten im Zaum gehalten. «Veranstaltungen, auf denen das Mobil mit von der Partie ist, werden von der Stadtpolizei eher bewilligt», verrät Häusermann.
Mieten nur ohne Eintrittspreis
Grundsätzlich kann das Mobil von allen Menschen gemietet werden. Eine Voraussetzung für die Vermietung der «mobilen Kiste» ist allerdings, dass an der Veranstaltung, für welche das Mobil zum Einsatz kommt, kein Eintritt verlangt wird. Auch für Werbekampagnen wird das Mobil nicht vermietet. Die mobile Bühne soll der Förderung von nicht-kommerziellen und kleinen Bands dienen. Auch viele Gruppen von Jugendlichen aus Schulhäusern würden die mobile Bühne zunehmend mieten, sagt Louis Egger. Sogar die «Lovebugs» oder der Soul-Sänger Seven haben schon auf dem Mobil gespielt. Ein Auftritt auf dieser Bühne kann also durchaus ein Sprungbrett für eine erfolgreiche Musikerkarriere sein.
Stadt Zürich, Soziokultur Mobil, Telefon 044 412 66 11, 079 248 03 19. Kontakt: Louis Egger und Celia Häusermann.