Interview: Urs Heinz Aerni
Der 1965 in Bern geborene Michael Herzig lebt heute im Kreis 5 in Zürich. Nach Jobs in der Musziszene studierte er Geschichte, Staatsrecht und Politologie. Heute arbeitet Herzig im Sozialdepartement der Stadt Zürich.
Zürich ist einmal mehr der Tatort und die Kulisse für einen Kriminalroman.
Michael Herzig: Anscheinend ist Zürich eine besonders gut geeignete Krimistadt?
Zürich ist eine feine Stadt zum Leben und zieht kreative Menschen an. Diese schreiben mitunter auch Kriminalromane.
Ihre Arbeit führte Sie ins städtische Sozialdepartement. Besteht nicht die Gefahr, allzu viel aus dem Nähkästchen zu plaudern?
Ich schreibe über Milieus, die ich kenne. Das erhöht die Authentizität. Das bedeutet aber nicht, dass ich einen dokumentarischen Anspruch habe oder gar Berufsgeheimnisse verrate. Es geht lediglich darum, eine bestimmte Stimmung zu vermitteln.
Ihre Hauptfigur ist Johanna di Napoli. Wie kamen Sie auf diese Figur?
Ich suchte eine klassische Hard-Boiled-Figur mit einem zeitgenössischen Touch. Deshalb habe ich die einsame Wölfin und Quotenfrau Johanna di Napoli erfunden. Ausserdem wollte ich Philippe-Marlow-Klischees vermeiden. Darum ist meine Hauptfigur eine Frau.
Die Geschichte führt ins Rotlichtmillieu und enthüllt, dass auch politische Grössen dort ihr Vergnügen suchen. Freie Erfindung?
Natürlich ist alles frei erfunden. In einem Roman muss man übertreiben, damit er glaubwürdig wirkt. Authentizität entsteht nicht, indem man etwas schreibt, was tatsächlich stattfindet oder stattgefunden hat, sondern indem man umsetzt, das denkbar ist.
Was schätzen Sie als Konsument an einem guten Krimi?
Eine schnelle, karge Sprache, abgründige Figuren, düstere Stimmungen, feinsinnige Ironie.
Ist ein nächstes Buch geplant?
Ich habe einen zweiten Roman angefangen. Momentan fehlt mir leider die Zeit, um konzentriert daran zu arbeiten. Es gehen mir aber immer wieder Szenen durch den Kopf. Zürich ist ein inspirierendes Terrain.
Michael Herzig: Saubere Wäsche. Grafit Verlag, 283 Seiten. 18 Franken. Lesung am 27. März, 20 Uhr, Foyer Kulturmarkt.