
Thomas Hoffmann
An jedem Abstimmungssonntag hat das Ortsmuseum Albisrieden zu einem Besuch der ehemaligen Mühle hinter dem A-Park geladen. Seit 1991, als man den Dorfbach wieder an die Oberfläche geholt und das alte, fünf Tonnen schwere Wasserrad in Betrieb genommen hat.
An diesem Sonntag, als die Zürcher ihre neuen Stadt- und Gemeinderäte wählen, macht das Mühlrad mit seinem stolzen Umfang von 6,66 Metern keinen Wank. Seit 2008 ist es stillgelegt. «Die Holzteile sind morsch, das Mühlrad stand zu lange still, als man vor vier Jahren die Metallteile reparierte», sagt Schreiner Walter Geering. Nun lösen sich die Schrauben, das Gestänge und die seitlichen Wangenbefestigungen. «Alle Holzteile müssen ersetzt werden», erklärt Geering, der in Schwamendingen einen 2-Mann-Betrieb führt. «Da werden wohl zwei bis drei Eichen nötig sein.» Bis zum Sommer hofft der Schreiner die Arbeiten abgeschlossen zu haben.
«Dann können wir 2011 das 20-Jahr-Jubiläum mit einem intakten Mühlrad feiern», freut sich Hans Amstad, Präsident des Ortsmuseums Albisrieden. Der Verein Ortsmuseum betreibt die Mühle in der städtischen Liegenschaft, in der das Museumsarchiv sowie die Jugendmusikschule untergebracht ist. Probleme bereitetet auch der viele Kalk, der sich seit 1991 auf den 40 Schaufeln angesetzt hat. «Wegen der ungleichmässigen Ablagerungen lief das Rad einseitig», sagt Geering. Die Schaufeln werden jetzt gesandstrahlt, «dann sehen sie wie neu aus.»
«So ein Mühlrad restauriert man nicht alle Tage», weiss Geering, für den es eine Premiere ist. Er wurde Stefan Strässle empfohlen, dem Projektleiter bei der Immobilien-Bewirtschaftung der Stadt Zürich. Mit entsprechendem Eifer geht der Schreiner an die Renovation, die einige zehntausend Franken kosten wird. In Schwamendingen hat er das Rad in Originalgrösse auf den Boden gezeichnet – mit einem Zirkel, den er eigens dafür konstruieren liess.
1230: Erste Erwähnung der Getreidemühle Albisrieden in einem Kartular des Grossmünsterstifts. 1579: Neubau des Mühlengebäudes. 1806: Sanierung und Ausbau. 1853: Einbau des «Zuppinger»-Wasserrads mit Holz, Welle und Verstrebungen aus Eisen. 1857: Stilllegung der Getreidemühle. 1870: Inbetriebnahme eines Holzsägewerks. 1920: Der Dorfbach wird unterirdisch kanalisiert und fliesst nicht mehr zur Mühle. 1983: Renovierung des eisernen Wasserrads. Ersatz aller Holzteile und der 40 eisernen Schaufelräder. 1991: Einweihungsfest. Inbebtriebnahme des Wasserrads und des neuen Dorfbachs. 2008: Die Holzteile sind morsch, das Rad muss stillgelegt werden.