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Als Japaner Gedicht und Bild kombinierten

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Sie bilden ein bedeutendes Genre in der japanischen Grafik: Das Museum Rietberg zeigt die Ausstellung «Surimono – Gedichtblätter der Shijo-Schule».

Surimono sind privat herausgegebene japanische Farbholzschnitte, die als Neujahrsgrüsse verschenkt wurden. Wörtlich übersetzt heisst Surimono «gedruckte Dinge». Das Museum Rietberg im Enge-Quartier widmet die Ausstellung «Surimono – Gedichtblätter der Shijo-Schule» diesen Holzschnitten. Sie zeichnen sich durch besonders aufwendige Drucktechniken aus und wurden mit jeder Menge Gold- oder Silberpigmenten und exquisiten Feinheiten als Luxus-Grafiken hergestellt. Auffallend ist die Vorliebe für Prägedrucke, die als Relief hervortreten – und dies nur auf Papier von bester Qualität.

Wie aufwendig ein Druck gestaltet war, hing nicht zuletzt von der Finanzkraft der Auftraggeber ab. Von ihren Wünschen waren die Künstler abhängig. Kunden waren vor allem wohlhabende Leute oder Dichter, die Aufträge für Surimonos zur Verteilung in ihren Dichterklubs vergaben.

Ein wichtiges Merkmal des Surimono ist eine Kombination aus Gedicht und Bild. Bei den Gedichten handelt es sich um klassische Themen der japanischen Literatur, meistens aber um Scherzgedichte. Die Illustratoren waren häufig wenig bekannte Künstler, die sich dem Malstil der Shijo-Schule verpflichtet fühlten. Der Kalligraf übernahm die Verantwortung für die Ausführung der Schrift, ein spezieller Holzschneider für das Schneiden der Druckplatte.

Sie gehörten zum guten Ton
Ursprünglich wurden in Japan alle Holzschnittdrucke als Surimono bezeichnet. Ihr Gebrauch reicht bis 1760 zurück und gehörte bis gegen Ende 1868 zum guten Ton. Danach kamen solche «Gelegenheits-Surimono» aus der Mode und sind nur noch selten nachweisbar. Seit dem 17. Jahrhundert versteht man unter Surimonos Einzeldrucke, die in limitierter Auflage und für unterschiedliche Anlässe wie Theater- und Konzertvorführungen, Eröffnung eines Geschäfts oder Neujahrsgrüsse produziert wurden. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts kam ein Format in Gebrauch, auf dessen einen Hälfte sich die Illustration mit einem Gedicht befand, auf der anderen das Programm der Veranstaltung, zu der eingeladen wurde.
Die feinen Illustrationen aus Flora und Fauna, idyllischen Landschaften, humorvollen Alltagsszenen, Tierkreiszeichen, schönen Frauen und der vergänglichen Welt der Freudenviertel bestechen durch ihren Charme.
Soweit Surimonos Einladungen, einfache Grussbotschaften oder Ähnliches enthielten, gab es selten Anlass, sie für längere Zeit aufzubewahren. Nur die Drucke, die in Alben gesammelt wurden, sind erhalten geblieben. Was im Laufe der Jahrzehnte nicht vernichtet worden war, kam zusammen mit zehntausend Holzschnitten in den Westen. Sehr schnell erkannten Händler, dass Surimonos bei europäischen Sammlern hoch begehrt sind.

In grösserem Umfang wurden Neudrucke nach originalen Vorlagen angeboten. Auf den ersten Blick sind diese Nachdrucke kaum vom Original zu unterscheiden: Papier- und Druckqualität sind ähnlich aufwendig wie bei den Vorlagen. Erst beim zweiten Blick lässt sich erkennen, dass die Linienführung steifer und der Druck insgesamt weniger fein ausgeführt ist.

80 Drucke sind zu sehen

Das Zürcher Sammlerehepaar Erich und Gisela Gross hat über Jahre japanische Farbholzschnitte zusammengetragen und dem Museum geschenkt. Rund 80 sorgfältig ausgesuchte Drucke werden jetzt erstmals öffentlich zu sehen sein. Wandtexte und eine Begleitbroschüre führen die Besucher durch die charmante Welt der Shijo-Surimonos. (Elke Baumann)

Dauer der Ausstellung bis 9. Februar 2020. Weitere Informationen: www.rietberg.ch