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Alte Schafrasse arbeitet als Rasenmäher

Erstellt von Jeannette Gerber |
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Die Wohnbaugenossenschaft Gewobag in Albisrieden legt grossen Wert darauf, Aussenräume naturnah zu gestalten. So werden beispielsweise die Grünflächen durch kontrollierte Beweidung auf natürliche Weise gepflegt: von Skudden, einer widerstandsfähigen Schafrasse der Pro Specie Rara.

Zweimal pro Jahr erfreut sich Klein und Gross am Anblick der kleinen Schafschar in der Siedlung der Baugenossenschaft Gewobag in Albisrieden, die zur Beweidung ihrer Wiesen eingesetzt wird. ­Daniel Müller, Geschäftsinhaber der Organisation Naturpflege Müller aus Bettlach SO stellt seine Schafe zur Beweidung zur Verfügung. In diesem Fall sind es rund 20 von seinen total 300 Schafen. ­Dabei handelt es sich um eine sehr alte Schafrasse, die Skudden, eine widerstandsfähige Nutztierrasse der Pro Specie Rara. Ein kleines, kurzschwänziges Heidelandschaf. Das weibliche Tier – Aue genannt – ist oft hornlos, die Widder hingegen tragen ein imposantes Schneckengehörn. Hier waren nur ­anderthalb Jahre alte Auen im Einsatz.

Igel können fliehen

Die Naturpflege Müller kümmert sich um die Beweidung von Grünflächen unter anderem im Siedlungsraum. Die Tiere werden ausschliesslich zur Landschaftspflege eingesetzt. Durch kontrollierte ­Beweidung werden die Grünflächen auf natürliche Weise gepflegt, wodurch die Artenvielfalt erhalten und gefördert wird. Das ist ein Segen für die Wiesen, und die Tiere ersparen dem Menschen Arbeit. Das Schaf grast sehr langsam und gibt den Insekten, Igeln und weiterem Getier die Möglichkeit zu flüchten, was mit ­Mähen nicht möglich ist. Für die Wiese in der Siedlung Albisrieden zum Beispiel brauchen die Schafe ungefähr ein bis zwei Wochen. Daniel Müller erklärte, warum die Schafe nicht von Passanten gefüttert werden sollten: «Wenn man sie einmal angefüttert hat, werden sie durch Blöken dauernd um Nachschub betteln. Was nicht unbedingt erstrebenswert ist und ein Störfaktor sein kann.» Übrigens werden Wolle und Fell der Schafe weiterverwertet, das Fleisch jedoch direkt im Hofladen in Bellach verkauft.

Kaum wurden die Tiere vom Transporter in die Freiheit gelassen, stürmten sie direkt auf die Wiese zu und stürzten sich ins hüfthohe Gras. Die Idee zur Schafbeweidung hatte Fredy Schär, seit 1998 Präsident der Wohnbaugenossenschaft Gewobag, vor zwei Jahren. Er meinte: «Diese Art der Beweidung ist zwar nicht gratis, aber sinnvoll. Das ist unser Beitrag zum Arterhalt im Sinne von Pro Specie Rara. Die kleinen Schafherden leisten wertvolle Arbeit als natürliche Rasenmäher. In unseren Siedlungen fasziniert mich die hohe Anzahl von Bäumen und Sträuchern. Solche Grünflächen sind enorm wichtig für unser Wohlbefinden und ­ein Segen für das Mikroklima und die ­Biodiversität.»

Beeindruckender Baumbestand

Fredy Schär liess es sich nicht nehmen, anlässlich des Ereignisses zusammen mit dem Geschäftsleiter Daniel Muff eine Führung durch die Gärten der Siedlung zu gewähren. Der Baumbestand ist tatsächlich beeindruckend und für ihn von grosser Bedeutung. Als Erstes zeigte er auf seinen «heiligen Baum», wie er ihn zärtlich nannte. Es ist eine stämmige, hundertjährige Eiche, etwa 50 Meter hoch. Dann stellte er Bäume vor, die er eigenhändig gepflanzt hatte: unter anderem zwei Gingko, zwei Holunderbäume und eine Birke. Weiter gibt es Kirsch-, Zwetschgen-, Apfel-, Birn- und Nussbäume sowie Kastanien. Durchs Areal plätschert friedlich ein kleines Bächlein, für das es laut Daniel Muff eine spezielle Bewilligung brauchte.

Der Spaziergang führte weiter über kleine Brücklein bis zum eigens angelegten Biotop mit Entenhaus, Fischen und Seerosen, vorbei an Gemüsegärten, die Mieterinnen und Mieter für den bescheidenen Jahresbeitrag von 50 Franken
und Gratisnutzung der Geräte erwerben können.

Nicht nur Genossenschafterinnen und Genossenschafter liegen Fredy Schär am Herzen, es sind die Untermieter, die Tiere, die genauso willkommen sind. Unter den Dächern der umliegenden Häuser gibt es insgesamt 160 Nistkästen für Mauersegler. Ein Wildbienenhotel im Wildblumenbeet und Laub-Haufen für Igel dürfen nicht fehlen. Schär gibt den Tieren die Chance auf einen eigenen Lebensraum.

Nach dem Rundgang durch die Siedlung Albisrieden war etwas klar: Die Gewobag legt grossen Wert darauf, Aussenräume naturnah zu gestalten und zu pflegen, was zum Wohlbefinden der darin lebenden Menschen beiträgt.