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Bei Giraffen ist hoher Blutdruck normal

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Die Giraffe ist mit bis zu sechs Metern Höhe das höchste Säugetier der Welt. «Die langen Beine und der lange Hals ermöglichen es ihr, an Futter zu kommen, das für andere Tiere ausser Reichweite ist», schreibt der Zoo Zürich in einer Mitteilung. Somit führte ein langer Hals zu weniger Konkurrenz um Futter, wodurch ein Vorteil gegenüber Giraffen mit kürzerem Hals entstand. Tiere mit einem langen Hals konnten sich über die Zeit besser fortpflanzen, was zu immer längeren Hälsen führte.

Das beliebteste Futter der Giraffen sind die Blätter der Akazienbäume. Mit der notwendigen Körperhöhe, um die Blätter der Akazien zu erreichen, sind noch andere körperliche Anpassungen einhergegangen. So haben die Giraffen den wahrscheinlich höchsten Blutdruck im Tierreich, um das Blut bis in den Kopf pumpen zu können. Dabei ist das Giraffenherz im Verhältnis zum Körper etwa gleich gross wie bei anderen Säugetieren. Die Beinarterien sind besonders dickwandig, um einer Entstehung von Ödemen vorzubeugen. Gleichzeitig ist die Haut an den Beinen besonders straff, wodurch sie wie ein Kompressionsstrumpf wirkt. Um einen Überdruck beim Hinunterbeugen des Kopfes zu vermeiden, haben Giraffen vor dem Gehirn eine Reihe elastischer Blutgefässe, die bei einem Druckanstieg Blut aufnehmen können und so zu einer Entlastung führen. Die grossen Halsvenen haben zudem Klappen, die einen Rückfluss des Blutes zum Kopf vermeiden.

Für Männchen bedeutet ein langer Hals auch einen Vorteil im Wettkampf mit anderen Männchen. Der Kopf wird bei Giraffen als Waffe gegen den Gegner geschwungen. Je länger der Hals, desto mehr Kraft können die Tiere in den Schlag legen. Auch scheinen Weibchen Männchen mit einem längeren Hals zu bevorzugen.

Langer Hals, spitze Dornen, lange Zunge: Giraffe vs. Akazie
Im Verlaufe der Zeit hat sich ein eigentliches Wettrüsten zwischen den Giraffen und den Akazien entwickelt. Durch ihre Höhe können Giraffen viele Akazien erreichen, die für andere Tiere unerreichbar bleiben. Als wahrscheinliche Reaktion darauf entwickelten die Akazien lange Stacheln, um ihre Blätter zu schützen. Mit einer langen Zunge und unempfindlichen Lippen konnten die Giraffen aber ihrerseits auf diesen Abwehrmechanismus reagieren.

Als neue Abwehrmassnahme produzierten die Akazien Bitterstoffe in den Blättern, sobald der Baum angefressen wird. Diese Bitterstoffe sorgen dafür, dass die Giraffe das Fressen nach kurzer Zeit einstellen muss. Gleichzeitig senden die angefressenen Bäume Botenstoffe aus, um die benachbarten Bäume über die Anwesenheit der Giraffen zu informieren und deren Bitterstoffproduktion anzuregen. Da die Botenstoffe über den Wind verbreitet werden, reagierten die Giraffen ihrerseits darauf, indem sie die Akazienbäume vornehmlich gegen die Windrichtung fressen. Somit fressen sie nur noch von Bäumen, die noch nicht über die Anwesenheit der Giraffe informiert wurden und entsprechend noch keine Giftstoffe produzieren.

Ameisen als nützliche Untermieter
Als zusätzlichen Abwehrmechanismus stellen gewisse Akazien verschiedenen Ameisenarten Nestmöglichkeiten und Nahrung zur Verfügung. Im Gegenzug beschützen die Ameisen die Akazie vor Angreifern, unter anderem auch vor den Giraffen.

Das Verhältnis zwischen der Akazie und der Giraffe ist jedoch nicht nur von Angriff und Abwehr geprägt. Während der Blütezeit können die Giraffen zur Bestäubung der Blüten beitragen, indem sie die Pollen von Baum zu Baum tragen.

Die Anpassungen der Giraffe an ihre bevorzugte Futterpflanze und die Anpassungen der Futterpflanze an die Giraffe als Fressfeind sind ein schönes Beispiel für ein evolutionäres Wettrüsten.

Die Giraffen im Zoo Zürich
Mit der neuen Lewa Savanne sind die Giraffen nach langer Abwesenheit in den Zoo Zürich zurückgekehrt. Letztmals waren sie 1956 im Zoo zu sehen gewesen. Im Zoo Zürich sind dies zurzeit die weiblichen Netzgiraffen Jahi, Malou, Irma und Luna. Ein Männchen wird in unbestimmter Zukunft die Gruppe vervollständigen.

Giraffen leben in losen Herden, wobei deren Zusammenstellung alle paar Tage ändern kann. Daher war die Vergesellschaftung unserer Giraffenweibchen kein Problem. Dominante Männchen leben meist allein, ohne eigene Reviere zu beanspruchen. (pd.)