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Biogasanlage nimmt jetzt Formen an

Erstellt von Manuela Moser |
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Der Baustart hat sich verzögert, doch seit vergangener Woche stehen die Bagger auf der Küsnachter Allmend. Die Biogasanlage der Maschinenring Mittelland AG, heute Bioenergie Zürichsee, wird im September in Betrieb gehen. Der Ökostrom aus Grüngut soll jetzt noch richtig vermarktet werden.

Viel sieht man auf dem Grundstück an der Hesligenstrasse 126 in Küsnacht noch nicht. Doch langsam nimmt die neue Biogasanlage, welche die über 60-jährige Kompostieranlage ersetzen soll, Formen an. Die Pfähle stehen, der Aushub hat begonnen. «Wir sind wegen Altlasten, die aufgetaucht sind, und bestehenden Stützmauern, die gesichert werden mussten, um drei Monate hinter Plan», sagt Roman Stauffacher, Gesamtprojektleiter und Geschäftsführer der Bioenergie Zürichsee AG, ehemals Maschinenring Mittelland AG, welche die Anlage seit 2006 betreibt (siehe Kasten). Im letzten Sommer hat der Küsnachter Gemeinderat den Baurechtsvertrag für die Anlage genehmigt, nun soll sie bis September betriebsfertig sein.
 

Vollbetrieb im September geplant

«Im Mai sollten wir den Hallenbau in Angriff nehmen können», so Stauffacher weiter, «falls uns der Winter keinen Strich durch die Rechnung macht.» Denn bei sehr viel Schnee oder gefrorenem Boden könnte nicht weitergebaut werden. Läuft aber alles gut, dann kommen im August die technischen Anlagen dazu, darauf folgt eine Anlaufphase, danach könnte im September mit dem vollen Betrieb gestartet werden. «Dann wird das Grüngut zu Kompost, zu Strom und zu Wärme verarbeitet», so Stauffacher. Neu geschieht dies dann nicht mehr im Freien, sondern in einer geschlossenen Anlage. «Das führt zu weniger Lärm und weniger Geruch.»
Im Vorfeld hatte für Wirbel gesorgt, dass sich einige Quartierbewohner gegen die Anlage wehrten. Dies besonders wegen des befürchteten Mehrverkehrs, wird doch auch das Grüngut der umliegenden Gemeinden neu an den Standort Küsnacht geholt und verwertet. Das Industriequartier ist aber in den vergangenen Jahren zu einer bevorzugten Wohnlage geworden. Bereits zu einem früheren Zeitpunkt hatte Stauffacher gesagt, dass die Zahl der Fahrten laut Umweltverträglichkeitsbericht auf 7800 pro Jahr begrenzt worden sei. Würde man dereinst mehr Fahrten tätigen, dann hätte der Küsnachter Gemeinderat mit seiner Bewilligung wiederum das letzte Wort.

Zu reden gegeben hatte auch der Umstand, dass die umliegenden 25 Einfami­lienhäuser der Überbauung im Gü kein Interesse an der Fernwärme der neuen Anlage bekundeten. Deshalb wird nun aus der Abwärme keine Fernwärme erzeugt, sondern mittels einer speziellen Anlage zusätzlicher grüner Strom – eben Ökostrom – aus dem Grüngut.

«Was uns zurzeit beschäftigt, ist der Vertrieb des grünen Stromes», sagt Stauffacher. Im heutigen liberalen Strommarkt ist jeder Hersteller selber dafür verantwortlich, wo er den Strom einspeisen will. «Das Verfahren läuft, wir haben drei Offerten von Vermarktungsfirmen auf dem Tisch.» Gut möglich, dass am Schluss der grüne Strom von der Allmend auch in die Küsnachter Haushalte fliesst. Denn ein Privathaushalt kann wählen, welchen Strom er beziehen will. «Wir hoffen, dass möglichst viele Küsnachter sich für die grüne Variante entscheiden», so Stauffacher. Ins laufende Gipfelstürmer-Programm (GiP), das Küsnacht als eine der beiden Pilotgemeinden im Kanton auserkoren hat und es durch diverse Umweltprojekte grüner machen will, würde das Konzept ja passen.

Vom Maschinenring zur Bioenergie Zürichsee AG
Der Maschinenring betreibt die Kompostieranlage in Küsnacht seit 14 Jahren. Für den Bau und Betrieb der neuen Biogasanlage hat er sich entschieden, die Bioenergie Zürichsee AG, kurz «BEZAG», zu gründen. Dabei wurde der  Betriebsteil der Kompostierung auf die «BEZAG» übertragen.