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Das aktuelle Jahrheft – ein Vermächtnis

Erstellt von Barbara Schmid |
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Als Präsident des Vereins für Ortsgeschichte hat Alfred Egli Ende Jahr das Küsnachter Jahrheft 2021 herausgegeben. Als hätte er es geahnt: Im Vorwort kündigte der 90-Jährige an, es werde nach 31 Jahren sein letztes sein und rief erneut nach einem Nachfolger auf. Am 25. Dezember ist Egli verstorben.

Wie jeden Winter ist auch dieses Jahr das vom Verein für Ortsgeschichte Küsnacht herausgegebene und von Alfred Egli redigierte Küsnachter Jahrheft erschienen. Schon im Heft 2020 hatte der Präsident des Vereins altersbedingt seinen Rückzug von der Schriftleitung angekündigt. Nach Fertigstellung und Auslieferung der von ihm mit gewohnter Tatkraft und in bekannter Fülle vollendeten 61. Ausgabe ist Alfred Egli nach 31 Jahren seines überaus fruchtbaren Wirkens als Schriftleiter am Weihnachtstag 2021 verstorben. 

Vielfältige Themen

Wieder liegt ein farbiges und spannendes Jahrheft vor uns. «Aufwachsen in Küsnacht und anderswo» verlockten Myrtha Frick, Karl J. Bischofberger, Hans-Ulrich Kull, Erwin Weinmann und Ruedi Meyer dazu, uns durch ihre Jugend vor allem in der Kriegs- und Nachkriegszeit zu führen. Schauplätze ihrer Erinnerungen sind: Küsnacht, mit der unteren Schiedhalde, Goldbach und dem Pfarrhaus Glärnischstrasse, das fürstenländische Gossau und Zürich Höngg.

Unter dem Stichwort «Natur» ruft Anne­marie Schmidt-Pfister mit sachkundigen Tipps dazu auf, in Küsnacht vermehrt naturnah zu gärtnern und vor allem den gefährdeten Wildbienen Schutz zu bieten. In Text und Bild berichtet der Zoologe Christian R. Schmidt von der Fauna im Horngarten und von den wilden Bewohnern des Zürichsees. Seine Liste der beobachteten Säugetiere, Vögel, Reptilien, Amphibien und Wirbellosen regt dazu an, selbst zum Beobachter zu werden.

Von 1977 bis 2018 bestand das in Fronarbeit in der Glarner Bergstation Mettmen erstellte Lagerhaus der reformierten Kirchgemeinde Küsnacht. Der frühere Hüttenwart Rolf Haupt erzählt vom Gemein­sinn, der das Unternehmen beflügelte, von Festen und dem Lagerleben, dem der von vielen bedauerte Verkauf ein Ende setzte.

Die demografischen Verhältnisse Küsnachts in der frühen Neuzeit beschäftigen Walter Letsch seit langem. Diesmal haben es ihm die Namen und Übernamen der damaligen, im Durchschnitt auffallend jungen Bevölkerung angetan: Wie mögen die im Verzeichnis von 1634 erwähnten Hans Wirtz und Jacob Bosshart zu ihren Übernamen «Hächerli» (kleiner Häher) und «Stücklibueb» gekommen sein?

Zu einer Zeitreise lädt Barbara Schmids Text über die Geschichte des Landguts Wangensbach ein. 1246, noch vor dem Bundesbrief erstmals erwähnt, ist der Wangensbach ein bedeutendes Wahr­zeichen Küsnachts. Der 1315 am Morgarten gefallene Ritter Wisso Wyss besass hier Reben. Beat Werdmüller, Sohn eines Zürcher «Seidenkönigs», baute Lustschloss und Manufaktur. Wir lernen die Ratsfamilie Hirzel kennen, die das über die Eidgenossenschaft hinaus bekannte «Schloss Küsnacht» mit seinen Reben durchs 17. und 18. Jahrhundert zu höchster Blüte führte.

In der Rubrik «Politisches» erinnert Annemarie Schmidt-Pfister an die Einführung des Frauenstimmrechts, für das sie sich selbst eingesetzt hatte. Der Historiker René Hauswirth entwirft aus der Perspektive des politisch interessierten Schülers und Studenten in einem packenden Zeitbild den Weg der Schweizer Liberal­sozialisten («Freiwirtschafter»), einer politischen Splittergruppe des 20. Jahrhunderts. Schon immer war das Handwerk in Küsnacht wichtig. Martin Bachmann widmet sich in seinem mit Fotos aus dem Familien- und Firmen­album bestückten Beitrag dem Werdegang der Schlosserei Fus von der Schmiede zum modernen Metallbau­betrieb. 

«Adieu, Männerturnverein Küsnacht!» Oberturner Helmi Ringli bedauert das Ende einer traditionsreichen, eingeschworenen Gemeinschaft, des MTV Küsnacht.

Ein letztes Mal ruft Schriftleiter Alfred Egli mit seiner reichhaltigen und sorgfältig bebilderten Dorfchronik der Küsnachter Bevölkerung die wichtigen Ereignisse im Dorf in Erinnerung. Er schliesst mit dem Bild eines inzwischen verlorenen «Naturjuwels», einer riesigen blühenden Rosskastanie im Heslibach, die ­einem Bauvorhaben weichen musste.

Für das Verfassen der Nachrufe ist viel Einfühlungsgabe und Fingerspitzen­gefühl erforderlich. Dieser schönen, aber zeitaufwendigen Aufgabe widmet sich Renate Egli in vierzehn, das mannig­faltige Leben verstorbener Küsnachterinnen und Küsnachter würdigenden ­Porträts.

Das aktuelle Jahrheft ist in der Buchhandlung Wolf und in der Papeterie Köhler in Küsnacht erhältlich.

Küsnachter Jahrheft 2021Aus Küsnachts Geschichte und Gegenwart, herausgegeben vom Verein für Ortsgeschichte Küsnacht, 61. Jahrgang. Satz, Gestaltung, Druck: cube media, Zürich. 143 S., 25 Franken.