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Das Kulturleben geht online

Erstellt von Dennis Baumann |
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Die Küsnachter Kulturnacht hat wegen Corona dual stattgefunden. Am vergangenen Freitag wurden im reformierten Kirchgemeindehaus Kurzfilme verschiedener Kulturschaffender live gezeigt und gleichzeitig online hochgeladen.

Die Austragung der zweiten Kulturnacht war anders, und doch blieb etwas gleich. Vier Jahre nach ihrem Debüt stellte sie noch einmal unter Beweis, dass Küsnacht kulturell vielfältig ist. Von einer Klavierimprovisation zu einem literarischen Thema über eine Diashow zahlreicher Malereien bis hin zu einem Rap-Konzert mit Beatboxing war für jeden etwas dabei. Auch dieses Jahr hat die Kulturelle Vereinigung Küsnacht (KVK) trotz widriger Umstände mit der Coronasituation die Kulturnacht auf die Beine gestellt.

Anders als beim letzten Mal gab es ­allerdings keine Liveauftritte und die ­Besucher konnten nicht zu Fuss die Darbietungen an verschiedenen Standorte besuchen. Corona-bedingt liessen sich die Kulturschaffenden bei ihren Performances Monate im Voraus filmen. ­Vergangenen Freitag sind die Kurzfilme online gegangen. Parallel dazu liefen im reformierten Kirchgemeindehaus 12 der insgesamt 20 Kurzfilme. Diese sind noch bis Ende Dezember auf kulturnacht.info einsehbar.

Kunst ist Unterhaltung

Die Kurzfilme wurden an der öffentlichen Vorführung nicht nur gezeigt. Den Abend begleitet und moderiert hat der Poetry-­Slam-Künstler Simon Chen. Er ist seit 2007 selbstständiger Slam-Poet und wurde 2020 für den Schweizer Kleinkunstpreis nominiert. Mit viel Wortwitz führte er die rund 30 Zuschauerinnen und Zuschauer durch den Abend. Stets mit einem kurzen Gedicht oder einer Anekdote leitete er zum nächsten Film über.

Dabei regte er das Publikum auch zum Nachdenken an. Fragen über was Kultur ist oder was Kunst bezwecken muss. «Kunst ist auch Unterhaltung. Was wird aus Kunst und Unterhaltung? Richtig, Kunsterhaltung», spielt Chen mit den beiden Worten.

Im ersten Film des Abends spielte das Saxofon-Ensemble der Musikschule Küsnacht altbekannte Klassiker wie «Halleluja» und interpretierten sie neu. Die meisten Filme dauerten knapp eine Viertelstunde an.

Weiter ging es mit einer Klavierimprovisation vom Küsnachter Kirchenmusiker und Musiklehrer Martin Wettstein. Auf dem Flügel im Seehof improvisierte er ein Klavierstück zu Hermann Hesses «Siddhartha. Eine indische Dichtung». Dabei gelang es ihm, die Geschichte in Form von Musik zu erzählen. Hin und wieder erläuterte er, was in der Erzählung gerade passiert. Im letzten Film des ersten Filmblocks hat die Slam-Poetin Rebekka Lindauer aus Zürich richtig Dampf abgelassen. Pointiert und provokant, aber stets mit einer Prise Humor, erzählte sie die Geschichte um den F-35-Kampfjet. Eine satirische Geschichte über die Bundesräte und wie jeder für sich zu Weihnachten seinen Lieblingskampfjet auf den Wunschzettel schreibt.

Nicht alles ist Kultur

«Das war jetzt wirklich wunderbar», sagte Ilka Allenspach, Mitglied der KVK, am Schluss der Aufführung. Sie hat die Kulturnacht mitorganisiert und stand mit dem restlichen Gremium vor der schwierigen Frage, was als Kultur gilt und was nicht. Irgendwo müsse man die Grenze ziehen, meint sie. «Es ist nicht klar definiert, aber wenn zum Beispiel Fussball vorkommen soll, dann wird es eher schwierig.» Die Filmauswahl, die im reformierten Kirchgemeindehaus auf der Leinwand gezeigt wurde, ist per Los gezogen worden. Dadurch fühlten sich alle Kulturschaffenden fair behandelt, erklärt Allenspach. Dass die Künstler nicht live aufgetreten sind, störe sie keineswegs. Die meisten seien froh, eine Plattform zu bekommen, erklärt Allenspach.

Online hat auch Vorteile

Trotzdem: Dasselbe Erlebnis wie die Kulturnacht 2017 sei die diesjährige Austragung nicht gewesen, findet die Mitorganisatorin. Allerdings bringe die duale Variante auch Vorteile mit sich. «Über unsere Website kann man die Auftritte aller Kulturschaffenden ansehen. Und das auch später noch. Das Gleiche wäre bei Live-Auftritten nicht möglich gewesen», sagt Allenspach und fügt an: «Die breite Palette farbiger und verschiedener Beiträge widerspiegelt das Kulturleben Küsnachts perfekt. Schön, ist es nun sichtbarer denn je.»

Ob die nächste Kulturnacht in drei Jahren wieder dual stattfindet, hat die KVK noch nicht entschieden.