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«Das Seeufer als Ort für Kunst, Musik und Gewerbe muss erhalten bleiben»

Erstellt von Jeannette Gerber |
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Vereine, Quartierbewohnende, Jugendliche und Gruppierungen aus Wollishofen engagieren sich dafür, dass das linke Seeufer für alle zugänglich bleibt. Die Befürchtung: Wenn Wohnungen entstehen, kann man mit Lärmklagen alle Aktivitäten lahmlegen. Eine Petition will das verhindern.

Eine für die Öffentlichkeit zugängliche grüne Zone, ein Erholungsraum direkt am See ist ein kostbares Gut, ein Geschenk, das verteidigt werden muss. Das haben sich die Quartiervereine Wollis­hofen und Enge, der Gewerbeverein Zürich 2, die IG Linkes Seeufer für Alle, die IG Rote Fabrik, die IG Seepärke, politische Parteien, die offene Jugendarbeit OJA und weitere betroffene Organisationen auf die Fahne geschrieben.

In Anbetracht der Gefahr, diesen Freiraum zum Teil zu verlieren, haben sie am Wochenende die Stadtbevölkerung sowie Besucherinnen und Besucher zu einem Quartierfest eingeladen. Dabei sammelten sie Unterschriften für eine Petition. Damit soll eine geplante Überbauung mit Luxuswohnungen auf dem Kibag-Areal zwischen der Roten Fabrik und dem Gemeinschaftszentrum verhinder werden. Die Petition fordert von der Stadt, dass der gesamte Bereich zwischen der Badi Mythenquai und der Roten Fabrik als Freihalte- und Gewerbezone definiert wird. «Am Seeufer darf es doch lärmig sein», meint der Quartierverein.

Food-Stände, Hüpfburg und Bands

Selbst das Wetter war dem Anliegen wohlgesonnen. Nachdem der Samstagmorgen nicht vielversprechend begonnen hatte, öffnete sich der Himmel für die Partywilligen genau zur Mittagszeit. An zahlreichen Food-Ständen auf der Savera-Wiese war für das leibliche Wohl von herzhaft bis vegan bestens gesorgt. Für Entertainment und Stimmung sorgten diverse Bands. Die Seepfadi lud zur Schifffahrt und die Kids vergnügten sich königlich auf der Hüpfburg vor dem Gemeinschaftszentrum. Doch der Sinn des Festes war ja eigentlich, Unterschriften für die Petition zu sammeln. Und das gelang. Am Infostand des Quartiervereins Wollishofen füllte Romy Janson fortlaufend Ballons mit Helium für die Kleinsten, damit Mami und Papi Zeit zum Unterschreiben haben. Auf die Frage nach seiner Meinung bezüglich der Zukunft des Kibag-Areals gefragt, meinte der Vereinspräsident Martin Bürki: «Der Freiraum mit mehr oder weniger lärmiger Nutzung muss bleiben, damit es im Rest des Quartiers so ruhig bleibt wie bis anhin. Doch wenn Wohnungen entstehen, egal welcher Preisklasse, sind Lärmklagen garantiert.»

Am Infostand von Linkes Seeufers für Alle wechselte der Stift für die Unterschrift von Hand zu Hand. Pepe aus Deutschland liess sich von Andrea nicht lange bitten und sagte: «Solche Aktionen sollte es auch in Deutschland viel mehr geben.» Dann kam ein Mann mit Hund zum Unterschreiben und fragte: «Darf ich auch für den Hund unterschreiben, der ist ja schliesslich ebenso betroffen?» Es tönte, als ob er das ernst meinte. Jan Berli vom Organisationskomitee des Quartierfestes meinte: «Es ist ganz wunderbar, dass sich Menschen aller Couleur und Altersgruppen zusammenfinden zum Nachdenken über die Zukunft des Areals und auch des Steges, der zum ‹Ziegel oh Lac›, zur Roten Fabrik und zur Kibag führt und so prächtig mit Street-Art dekoriert ist. Es ist ein wichtiger Ort für Kunst, Musik, Kulinarik und das Gewerbe. Die ganze Kultur rund um die Rote Fabrik muss unbedingt erhalten bleiben.»

Schülerumfrage zeigte Bedürfnis

Roxana Muresan, Stellenleiterin der OJA Offene Jugendarbeit von Wollishofen und Leimbach, erzählte, dass Jugendliche des Hans-Asper-Schulhauses als Abschlussprojekt der 3. Oberstufe im Sommer 2021 eine Bedürfnisumfrage durchgeführt hatten. «Sie bezog sich auf das Freiland am Seeufer. Die Auswertung ergab, dass es unbedingt zu bewahren ist.» Viele Jugendlichen hätten sich zudem für den Food-Stand am Fest engagiert, indem sie unter anderem mit ihr zusammen Kuchen und Muffins backten. Flavio Uhlig, Jugendarbeiter bei der OJA, wird im Echoraum Linkes Seeufer gegenüber dem Stadtrat die Stimmen der Jugendlichen vertreten. Er gehört zu den Ausgewählten, die an den Tisch mit Kibag & Co. eingeladen sind, um über die Bedürfnisse der Bevölkerung Auskunft zu geben. Er plante mit Jugendlichen aus dem Schulhaus Hans Asper den ganzen Jugendbereich für das Fest.

Fiametta Jahreis, Vizepräsidentin des Quartiervereins Wollishofen, informierte am Dialogplatz über die momentane Situation betreffend das freiwerdende Kibag-Areal und forderte die Anwesenden auf, Fragen zu stellen. Das taten sie lautstark und sehr engagiert. Übrigens: Am 22. Juni wird die Petition dem Stadtrat übergeben. Infos findet man unter www.petition-seeufer.ch.