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Den Ort Küsnacht wirklich erleben

Erstellt von Céline Geneviève Sallustio |
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Das Ortsmuseum Küsnacht widmet die neue Ausstellung «laufe, lose, luege» dem Wandel und der Wahrnehmung vom Küsnachter Ortsbild. 

Wie riecht Küsnacht? Was gibt es hier für Lieblingsorte? Und wie klingt das Dorf eigentlich? Diesen und anderen Fragen geht die aktuelle Sonderausstellung «laufe, lose, luege» im Ortsmuseum Küsnacht nach. Beiträge aus der Bevölkerung sowie Postkarten aus der Museumssammlung beleuchten unterschiedliche Aspekte des Küsnachter Ortsbildes, dessen Wahrnehmung und Wandel. 

Vergangenen Sonntagnachmittag lud das Museum zu dessen Vernissage ein. Die Kuratorin und Leiterin des Museums, Elisabeth Abgottspon, erinnerte zur Begrüssung daran, dass das Ortsmuseum vor drei Jahren das letzte Mal eine Vernissage ohne Corona-Einschränkungen durchführen durfte. «Es ist ungewohnt, so ein grosses Publikum begrüssen zu dürfen.» Gemeinsam mit der Szenografin Melanie Mock hatte sie das Konzept für die Sonderausstellung erstellt. Dabei ­begleiteten die beiden Frauen zentrale Fragen rund um die Bedeutung des Aussenraums: «Wer nutzt den Aussenraum? Was ist einem wichtig, was weniger?» 

Nach der Begrüssung begleiteten die beiden Musiker Michael Jaeger (Saxofon und Klarinette) und Chris Jaeger (Perkussion) das Publikum auf eine Klangreise durch das Küsnacht ihrer Kindheit. Gestartet hat die Reise im Tobel, bei den ­Wasserfällen. Wohin die Reise nachher ging, war für jede Person unterschiedlich. 

Kreativ und aktiv mitgestalten

Die Ausstellung thematisiert in verschiedenen Abschnitten die Wahrnehmung und den Wandel von Küsnacht: Der Blick wird beispielsweise auf die Küsnachter Baukultur gelenkt, aber auch auf die Oberflächen in Küsnacht, die weichen ­Böden in Parks, auf Äckern, Wiesen oder in Gärten. Kieselsteine und ein Betonklotz laden dazu ein, die harten Oberflächen abzutasten. Die Ausstellung animierte das Publikum, selbst kreativ zu werden und sich über das Leben in Küsnacht Gedanken zu machen. Wie nimmt es den öffentlichen Raum wahr? Und wo halten sich die Menschen wann auf? Diese Fragen durfte das Publikum auf eine kreative Weise beantworten: So wurden die Besucher beispielsweise dazu animiert, mit einer Stecknadel auf einem Ortsplan von Küsnacht, der etwa so gross ist wie zwei Pingpongtische, ihre Lieblings- und ihre Unwohlorte zu markieren. 

Das bisherige Resultat erstaunt wenig: Am Seeufer verweilt man gerne, wohingegen die Gegend rund um den Bahnhof als lästig wahrgenommen wird. Aber auch mit Nähfaden und «Güfeli» durften die Besucher ihre Spuren auf dem Ortsplan hinterlegen, um aufzuzeigen, welche Strecken sie zu Fuss, mit dem Fahrrad oder mit dem Auto zurücklegen. Und: Spezielle Erinnerungen wurden auf einer Karte festgehalten und mit einer Ösennadel an der entsprechenden Stelle auf dem Ortsplan eingesteckt. Die Erinnerungen sind vielfältig und erstaunlich: Eine Besucherin hat am Hornweg zwei Hausgeburten und vier Haustaufen erlebt. Und jemand anders durfte an der Zürichstrasse seine erste Bilderausstellung feiern. 

Erinnerungen an die Kindheit

Die Eindrücke von innen nach draussen mitnehmen: «Die Besucherinnen dürfen sich während der Ausstellung ein Büchlein mit fünf verschiedenen Spaziergang-Tipps zusammenstellen: Es soll dazu ­dienen, dem Wohnort Küsnacht auch draussen – ausserhalb der Ausstellung – für einmal anders sowie aufmerksamer und achtsamer zu begegnen», sagte Abgottspon. Die 47-Jährige ist seit 2007 Kuratorin des Ortsmuseums. 

Unter dem Publikum war auch die 28-jährige Claudine Karlen aus Zürich. «Weil ich selbst in Küsnacht aufgewachsen bin, erinnert mich die Ausstellung stark an meine Kindheit.» An die Vergangenheit erinnerten insbesondere die Postkarten, die ein grosser Bestandteil der Ausstellung sind. Karlen fände es ­einen schönen Gedanken, bewusster wahrzunehmen, wo man wohne – nicht nur in den eigenen vier Wänden, sondern auch in der Umgebung. Auch die Gestaltung der Ausstellung gefiel ihr gut: «Die Szenografin war sehr kreativ und hat den Raum spannend gestaltet.» Schliesslich hätten Michael Jaeger und sein Bruder Chris Jaeger die Ausstellung mit ihrer ­Musik schön ausgeschmückt. Bei einem Apéro und angeregten Gesprächen klang der Abend bei guter Stimmung aus. Bestimmt nahmen die Besucher und Be­sucherinnen den Nachhauseweg durch Küsnacht nach diesem Abend bewusster und anders wahr.  

Die Sonderausstellung findet bis 5. März 2023 statt. Öffnungszeiten: Mittwoch, Samstag und Sonntag, jeweils von 14 bis 17 Uhr. Änderungen vorbehalten – bitte erkunden Sie sich vorgängig auf der Homepage: www.ortsmuseum-kuesnacht.ch. Am Samstag, 14. Mai, von 10 bis 14 Uhr finden in Zusammenarbeit mit der Musikschule Küsnacht Kurzführungen durch die Ausstellung, Instrumentenvorstellungen und Konzerte statt. 

Chris Jaeger (Perkussion) und Michael Jaeger (Saxofon und Klarinette) führen auf einer Klangreise durch das Küsnacht ihrer Kindheit. Bildr cel

Szenografin Melanie Mock (links) und Kuratorin Elisabeth Abgottspon.

Besucher markieren ihre Lieblingsorte auf der Karte von Küsnacht.